Tagesarchiv für 14. September 2005

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Parteien zur Bundestagswahl

Mittwoch, den 14. September 2005
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Das Erste/ZDF

Meinen die das wirklich ernst? Die Wahlwerbespots der kleinen Parteien auf den diversen Sendern versprechen uns das Blaue vom Himmel. Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (Büso) zum Beispiel sieht die Schuld für die hohe Arbeitslosigkeit einzig und allein beim Euro. Weg damit, fordert Kanzlerkandidatin (!) Helga Zepp-LaRouche. Mit der D-Mark würde wieder alles besser. Wäre zumindest mal spannend gewesen. Wie sie sich das vorstellt, erzählt sie im Wahlspot nicht. Die Bayernpartei würde es sehr gern sehen, wenn sich Bayern von Deutschland abspalten würde. Gerade viele Ossis werden nach den Stoiber-Attacken da sicher auch applaudieren. Weiter fordert die Partei, den Güterverkehr wieder auf die Schiene zu bringen. Warum an der Stelle aber ein Regionalexpress durchs Bild fährt, bleibt das Geheimnis der Bayernpartei. Dann gibt es noch die Partei, die sich schlicht „Die Partei“ nennt und den Wiederaufbau der Mauer fordert. Ernsthaft? Gegründet wurde „Die Partei“ von der Satirezeitschrift „Titanic“. Aber was passiert, wenn die tatsächlich jemand wählt? Wird Westdeutschland dann wirklich von der Welt isoliert? Das wäre doch nun wirklich sehr, sehr schade, oder?

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aRTikel

Es wird zu viel palavert

Mittwoch, den 14. September 2005
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Über das Gefühl, etwas bewegen zu können / Junge Erstwähler aus Oberhavel diskutieren


MAZ Oranienburg, 14.9.2005

ORANIENBURG

„Ich habe mich noch nie so extrem wie dieses Jahr mit der Wahl beschäftigt“, meint Anne-Katrin Schlüter. Die 18-jährige Gymnasiastin aus Leegebruch darf am Sonntag das erste Mal wählen gehen. Doch es wird eine schwierige Entscheidung. Nicht nur für sie.
„Ich bin mir noch völlig unschlüssig“, sagt Sven Schwärmer (18). „Man bräuchte spezielle Fakten und müsste die Leute direkt befragen“, findet der Oranienburger. Wie die anderen auch besucht Franziska Risse das Louise-Henriette-Gymnasium. „Ich finde es jedenfalls gut, dass wir das Thema auch in der Schule behandeln.“ Sven stimmt ihr zu. „Denn im Großen und Ganzen fehlt das nötige Interesse der Jugend bei diesem Thema.“
Das große TV-Duell vom 4.September konnte vielleicht Abhilfe schaffen. Alle in der Gesprächsrunde haben es jedenfalls gesehen. Aber hat es ihnen auch wirklich etwas gebracht? „Es gab keine konstruktiven Vorschläge“, ärgert sich Sven. „Es ist zu viel palavert worden. Ich weiß jedenfalls immer noch nicht, wen ich wählen werde.“
Jedenfalls nicht eine der rechtsextremen Parteien, da sind sie sich einig. Aber wie sollte man mit ihnen umgehen. Ignorieren? „In Oranienburg kriegt man die schon mit“, findet Sven. Franziska sieht das auch so: „Die kann man nicht mehr totschweigen.“ Jeder solle sich mit einer Partei wie der NPD auseinander setzen. „Man muss sich das durchlesen, um zu sehen, was die für einen Stuss schreiben“, findet Richard Voigt. Der 18-jährige Malzer fürchtet, dass nicht wenige Leute auf die Wahlversprechen der NPD reinfallen. „Aber viele machen sich eben keinen Kopf darüber.“
Kritisch stehen die Jugendlichen in der kleinen Runde aber auch der Linkspartei-PDS gegenüber. „Was die machen wollen, ist zwar alles das, was ich möchte“, sagt Anne-Katrin. „Aber die Frage ist doch: Ist das alles auch umsetzbar?“ Die Antwort schiebt sie gleich nach: „Nein.“ Richard bringt die Vergangenheit der Partei ins Spiel: „Die haben mal einen ganzen Staat runtergewirtschaftet.“
Auf jeden Fall ist der kommende Sonntag für die vier Jugendlichen etwas Besonderes. „Ich habe das Gefühl, dass diesmal wirklich jeder wählen gehen will“, ist Anne-Katrin aufgefallen. „Ja, man hat das Gefühl, man kann etwas bewegen“, stimmt ihr Richard zu. „Ich bin froh, dass ich meine politische Meinung endlich auch vertreten kann“, freut sich Franziska. „Und grundsätzlich sollte jeder von seinem Stimmrecht Gebrauch machen.“
In vier Tagen dürfen sie das.

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aRTikel

Absage an die Rechtsextremen

Mittwoch, den 14. September 2005
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Junge Erstwähler aus Oberhavel können den großen Parteien aber auch wenig abgewinnen


MAZ Gransee, 14.9.2005

GRANSEE

„Das Interesse an Politik ist da“, meint Carolin Alexander. „Aber es ist schwer, wirklich genaue Informationen zu finden.“ Die 18-jährige Schülerin aus Fürstenberg darf am Sonntag zum ersten Mal den Bundestag mitwählen. „In der Schule setzen wir uns aber zu wenig damit auseinander“, findet sie. Carolin ist Mitglied der Philosophie-AG des Granseer Strittmatter-Gymnasiums. Dort wurde eine Stunde lang über die Wahlen gesprochen.
„2002 hatte ich mehr Interesse an den Wahlen“, sagt Daniel Kranz. Und das, obwohl der jetzt 18-jährige Zehdenicker da noch gar nicht wählen gehen durfte. „Heutzutage kann man doch die Politiker und die Parteien kaum noch unterscheiden.“ Rico Liese (18) aus Grieben glaubt den Politikern nicht: „Vor den Wahlen versprechen sie viel, aber danach sieht man ja, dass sie das meiste doch nicht einhalten.“
Die Unentschlossenheit, welche Partei sie wählen wollen, ist groß. „Ich werde jedenfalls keine der großen Parteien wählen“, ist sich Christin Fank (19) sicher. Die Fürstenbergerin steht mit ihrer Meinung nicht allein da. „Ja, Hauptsache, wir gehen überhaupt wählen“, meint Daniel. Rico Liese findet das falsch. „Was bringt es, eine Partei zu wählen, von der man eh schon weiß, dass sie es nicht in den Bundestag schafft?“
Eine eindeutige Absage gibt es an die rechtsextremen Parteien. „Das sind doch alles demagogische Ansätze“, findet Daniel. „Lächerlich. Und wer das nicht mitkriegt, ist ziemlich dumm.“ Aber wie sollte mit diesen Parteien umgegangen werden? So, wie es einige Parteien im Wahlkampf machen? „Letztens hat eine der großen Parteien hier Flyer verteilt“, erinnert sich Victoria Heller (18). „Darauf stand: ,Nazis nehmen uns die Arbeit weg’. Das ist doch genau dieselbe Masche, mit der auch die Rechtsextremen arbeiten“, beschwert sich die Zehdenickerin. „Wenn das Ironie sein soll, hat das jedenfalls nicht geklappt.“ Rico sieht das ähnlich: „Damit sind sie genauso intollerant wie die Nazis.“ Aber was sollte man stattdessen tun? „Manchmal denkt man das gar nicht von den Leuten, dass sie rechts sind“, erzählt Victoria. „Da ist die Angst, sich damit auseinander zu setzen groß. Man hat Angst, keine guten Gegenargumente zu haben.“
Heutzutage scheint sich alles nur noch um die Frage: Schröder oder Merkel zu drehen. „Ich würde keinen von beiden wählen“, meint Rico Liese. „Schröder hatte seine Chance“, sagt er. Carolin hält dagegen: „Aber Frau Merkel kann sich schlecht präsentieren. Viele Leute machen ihre Wahl nur davon abhängig.“
Sonntag ist Wahltag. Ein Abend vor dem Fernseher? „Ich werde mich nicht so drauf verschärfen“, sagt Victoria. „Ich werde es ja am nächsten Tag in der Zeitung lesen.“ Anders bei Christin Fank: „Ich werde es mir auf jeden Fall ansehen.“

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