Monatsarchiv für April 2005

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Der Sonne entgegen

Freitag, den 22. April 2005
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DO 21.04.2005, 21.00 Uhr, rbb

Fast hätte Ronny die Reise nach Zypern nicht angetreten. Warum? „Wegen die Party“, die er ein paar Tage später feiern wollte. Andreas Hahn vom rbb war mit seinem Team von „Der Sonne entgegen“ in Staffelde unterwegs, um jemanden zu finden, der sich sofort auf den Weg zum Flughafen machen will. Innerhalb von 90 Minuten musste er in dem kleinen Dorf in der Nähe von Kremmen einen Freiwilligen finden. Hand aufs Herz: Würdet ihr es machen? Würdet ihr von einer Minute auf die andere alles stehen und liegen lassen? Frau Rattke zum Beispiel wollte nicht nach Zypern fliegen. Frau Rattke wollte nicht mal vor die rbb-Kameras treten und die Haustür aufmachen. Dabei ist der Herr Hahn doch so nett! Schnell fand das Team Ronny und seine Kollegen von der Baustelle. Ganz Staffelde nahm schließlich Anteil an Ronnys Reiseglück. Das hatte etwas sehr Rühriges, Sympathisches. So wird das Dorfleben nur selten dargestellt.

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Eurovision Song Contest: Der Skandal um Gracia

Mittwoch, den 20. April 2005
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Wieder mal ein Skandal um den Eurovision Song Contest. Einen, auf den wir gut hätten verzichten können. Gracias Manager soll durch Käufe seiner eigenen CDs die Charts manipuliert haben. Betroffen davon ist auch die Band Vanilla Ninja, die für die Schweiz am Grand Prix teilnimmt. Sicher, Gracia wurde von den Zuschauern der (gefloppten) ARD-Show zur Siegerin gewählt. Aber dass sie überhaupt teilnehmen durfte, hatte damit zu tun, dass sie es eben bis in die Charts schaffte. Ganz klar: Kann der Betrug nachgewiesen werden, sollte Gracia zu Hause bleiben. Was nicht schlimm wäre, denn ihr Gejaule hält sowieso niemand lange aus. Und: Deutschland sollte in diesem Jahr dann ganz auf eine Teilnahme am Eurovision Song Contest verzichten. Ansonsten wären nämlich wieder einmal Ralph Siegel und seine Schützlinge vertreten. Nicole Süßmilch und Marco Matias würden sicher zu gern nach Kiew fliegen. Warum sonst plädieren gerade sie so vehement in der Vier-Buchstaben-Boulevardzeitung für Gracias Rücktritt?

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ZAPPER VOR ORT: Yvonne Catterfeld

Montag, den 18. April 2005
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SO 17.04.2005, Berlin, ColumbiaClub

Auf einem Bänkchen vor der aufgebauten Bühne von Yvonne Catterfeld und ihrer Band liegt ein Brief. Der Schrift nach zu urteilen von einem jüngeren, weiblichen Fan. Oben in der Ecke befindet sich eine mit Filzstift geschriebene Notiz: „Lese das bitte, ist sehr wichtig!“ Das Wort „sehr“ ist zweimal unterstrichen.
So richtig Zeit, den mehrseitigen Brief zu lesen, hatte Yvonne Catterfeld am Sonntagnachmittag nicht. Im Berliner ColumbiaClub probte sie mit ihrer Band ihre Bühnenshow.
Die Probe beginnt mit einer Panne. Der Vorhang, der während des ersten Songs „Grenzenlos“ fallen sollte, hängt beharrlich weiter an den Haken. Abbruch. Alles von vorn. Während die Crew berät, was zu tun ist, kracht der Vorgang herunter. Zu spät. Somit bekommen wir aber auch endlich Yvonne Catterfeld zu Gesicht. In einem Mantel, der aussieht, als ob sie sich gleich häutet und zum Schmetterling wird. „Du siehst aus wie der Berliner Bär“, so der Kommentar aus ihrem Team.
Dann kann die Probe endlich beginnen. Yvonne stellt auf ihrer Tour die Songs ihres Albums „Unterwegs“ vor. Sie können sich hören lassen. Bei „Lass uns leben“ hält sie ihr Mikro ins Publikum. An dieser Stelle wird bei den normalen Konzerten sicherlich mitgesungen, aber dazu lassen sich die Journalisten nicht hinreißen. Einer der Fotografen fällt über den Kameramann des ZDF, der vor der Bühne sitzt.
„Das ist eine Probe, wie sie hoffentlich keiner mehr erleben wird“, meint Yvonne Catterfeld zu uns allen. „Sozusagen ein kleines Privatkonzert.“ So schlimm war es aber doch nicht. Zwar haben wir das dritte Bühnenoutfit nicht sehen können („Da ist was passiert.“), aber das Musikalische wirkte schon sehr perfekt. Auch bei dieser Probe am Sonntag.

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Fernsehen in Italien

Mittwoch, den 13. April 2005
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Bon giorno! Die Fernsehvielfalt in Italien ist riesig. Dabei ist unter den rund 200 Sendern natürlich auch viel Schund dabei. Davon konnte ich mich vergangene Woche selbst überzeugen. New Television scheint ein Shopping-Kanal zu sein, der seine Produkte, in dem Fall gerade eine potthässliche Kette, direkt vom Ramschmarkt geklaut zu haben scheint. Tele A verkaufte derweil ebenso grauslige Anhänger. Leonardo ist ein Lifestyle-Sender. Minutenlang wurde gezeigt, wie ein Mann eine Schönheitsmaske aufs Gesicht gekleckst bekam. Er schien es genossen zu haben. Auf dem Gay TV liefen seltsamerweise nur Musikclips und der Hinweis auf die „Queen Of The Week“: Destiny’s Child. Oasi TV übertrug live aus dem Vatikan. Freitagvormittag war es mit der Vielfalt dahin: Weit mehr als 100 Sender (auch die Shopping-Kanäle und MTV) übertrugen die Papst-Beerdigung. Alle anderen hatten in dieser Zeit Sendepause. Wie beruhigend.

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ZAPPER VOR ORT: PK “Siegfried”

Mittwoch, den 13. April 2005
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MI 13.04.2005, Berlin, CineStar Potsdamer Platz

Wie soll denn das Kind heißen? Rainer? Kevin? Sascha? „Nein, da wird es ja schwul!“ Siegfried wird der Kleine heißen.
„Siegfried“ ist der neue Film von Tom Gerhardt, bekannt als Hausmeister Krause. Um den Streifen den Journalisten schon mal schmackhaft zu machen, wurde zu einer Pressekonferenz im Cinestar am Potsdamer Platz geladen. Dabei zeigt sich Gerhardt, im Gegensatz zu seinen Rollen, ganz und gar nicht prollig. Im Gegenteil: Ziemlich schüchtern sitzt er neben „Siegfried“-Regisseur Sven Unterwaldt.
Die ersten 22 Minuten des am 21.Juli anlaufenden Films werden schon mal gezeigt. Da löst ein Schwein, das dem Siegfried ins Gesicht furzt, schon mal Getuschel unter den weiblichen Kinokritikerinnen aus. Eine kriegt überhaupt nichts mit – sie ist eingepennt. So langweilig ist der Film dann doch nicht. Aber an einem späten Mittwochnachmittag geht halt auch bei einigen Journalistinnen schon mal vorzeitig das Licht aus.
Weil die Zeitungs- und Fernsehmenschen nicht so richtig was fragen wollen (oder eben nicht mehr ganz bei der Sache sind), unterhalten sich Hauptdarsteller und Regisseur eben selbst. Der Dreh war anstrengend. Und teuer. Aber lustig. Und: Der Regisseur wollte sich mit dem Film an seinem Deutsch-Leistungskurs rächen. Aha. So ist das also.
Was wir von dem Film zu halten haben, dürfen wir im Juli begutachten.

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Sterne der Wahrheit

Dienstag, den 12. April 2005
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MO 11.04.2005, 0.00 Uhr (Di.), Sonnenklar TV

Heute, am Freitag, können wir uns öfter mal Pausen gönnen. Sonntag kann es Streit geben: Schwiegermama könnte kommen. Wenn man eine hat. Aber: „Wenn’s Sonntag kracht – es wird auch wieder Montag.“ Diese und andere besonders wertvolle Informationen erfahren wir bei „Sterne der Wahrheit“ jeden Tag von 0 bis 2 Uhr auf dem Reiseshoppingkanal Sonnenklar TV. Wer wissen möchte, was die Sterne über uns verraten, kann Astrologin Ruth Bauer-Wolf anrufen. Immer dabei: Moderatorin Brigitte, die streng darauf achtet, dass der Frau Bauer-Wolf auch ja nur eine Frage gestellt wird. Zwei sind verboten. Sonst wird die Brigitte fuchtig. Beide starren in die Kamera (die blonde Ruth lächelt permanent, die dunkle Brigitte sieht eher streng) und tun so, als ob niemand anruft. In Wirklichkeit rattern im Hintergrund die Leitungen. Jeder Anrufversuch kostet immerhin 49 Cent. Ein gutes Geschäft. Nicht für den Anrufer, sondern für die Sternendeuter. Ach ja, und wenn man gar nicht durchkommt, gibt’s ja auch noch das 24-Stunden-Astro-Team. Das kostet dann auch nur 1,86 Euro. Pro Minute. Man gönnt sich ja sonst nichts.

RTelenovela

Palermo (2)

Sonntag, den 10. April 2005
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Der Papst.
Na ja, so viel hat man da nicht mitbekommen. Außer, dass überall die Fahnen auf halbmast hingen und an den Kirchen diverse Zettel mit dem Bild des Papstes hingen.
Am Freitagvormittag hatte ich allerdings die große Auswahl von mehr als 100 italienischen TV-Sendern, die die Beerdigung übertrugen. Sogar MTV übertrug live die Messe vom Vatikan. Man hatte die Wahl: entweder die Live-Übertragung, Papst-Dokus oder nix. Denn alle andern Sender machten von 10-13 Uhr (während der Beisetungszeremonie) Sendepause.

Die Mafia.
Von den Vagabunden bekommt man nur unterschwellig etwas mit. Hier mal ein fettes Auto, da mal eine Villa (oder mehrere) oder ein Palästchen. 80 % aller Geschäfte in Palermo sollen von der Mafia “untergraben” sein.

Der Verkehr.
Interessant ist auch der Straßenverkehr. Die beste Freundin der Auto/LKW/Busfahrer ist die Hupe. Sie gern und oft eingesetzt. Geparkt wird da, wo Platz ist. Park- oder Halteverbote und Zebrastreifen werden in dieser Hinsicht ignoriert. Ebenso Busspuren. Einfach Warnblinkanlage einschalten. Parken in zweiter, dritter oder vierter Reihe ist guter Brauch. Wer in der ersten Reihe parkt, muss so lange hupen, bis die Blockierer ihr Auto wegfahren.
Als Fußgänger läuft man einfach über die Straße, die Autofahrer werden einen schon sehen. Und das funktioniert tatsächlich.
Wenn man an der Bushaltestelle steht und der Bus kommt, muss man ein Handzeichen geben, sonst düst der Bus vorbei. Zwei Stunden Busfahren kosten 1 Euro. Die zahlt man aber nur (bzw. man stempelt die Fahrkarte nur ab), wenn ein Kontrolleur den Bus besteigt. Der ist einfach zu erkennen, an seiner Uniform. Hiemlichkeiten gibt es da nicht. Will man trotzdem nicht bezahlen, steigt man einfach aus und wartet auf den nächsten Bus.

Die Sprache.
Schwierig. Englisch versteht nämlich kaum jemand. Interessanterweise nicht mal die jüngeren Leute. So muss man auf die Hilfe von Sprachkundigen hoffen.

Das Fernsehen.
Unmengen von Sendern. Haufenweise Shoppingkanäle, auf dem Billigkram angeboten wird, der aussieht, als ob er gerade auf dem Basar geklaut wurde. Jeder Fußballverein hat seinen eigenen TV-Kanal. Zig Musiksender, auf dem ausschließlich ital. Mucke läuft. Spielkanäle, gegen die 9live wie Hochglanzfernsehen aussieht. Ein Gay-TV, auf dem seltsamerweise nur Musikclips laufen. Ein Lifestyle-Sender (”Leonardo”), auf dem stundenlang Männer und Frauen gezeigt werden, die eine Gesichtsmaske bekommen. Fashion-TV mit 24-Stunden-Modenschauen. Na ja, und so weiter. Es ist ja nicht so, dass ich da nur ferngesehen habe.

Die Tiere.
Unmengen wilder Hunde läuft da rum. Oder liegt da rum. Mittags in der sonne liegen die Hundchen wie tot am Bordstein, an Häuserwänden oder in Kuhlen herum.

Dreck und Sauberkeit.
Das Meerwasser ist wahnsinnig sauber! Meistens jedenfalls. Am Yachthafen von Palermo gibt es eine Sichttiefe, die seines Gleichen sucht.
Die Italiener selbst lassen dagegen in der Stadt alles fallen, was sie grad nicht mehr brauchen. Flaschen, Zigaretten … Nicht so toll.

Das Essen.
Das Eis dort ist wahnsinnig lecker. Da weiß man erstmal, was echtes Schokoladeneis ist! Die selbstgemachte Pizza empfand ich als nicht ganz so gelungen, aber Anne versicherte mir, dass die so sein musste.
In einer Pizzeria in der Nähe des Yachthafens gab’s dafür leckere Pizzen.