Tagesarchiv für 11. März 2004

RT im Kino

Die Kinder sind tot

Donnerstag, den 11. März 2004

Unfassbar: 14 Tage hat die Mutter ihre Söhne (sechs und acht Jahre) allein in der Wohnung gelassen. Sie hat bei ihrem Freund gewohnt. Sie kam mit den Kleinen einfach nicht mehr klar. Es war Sommer, draußen war es heiß. Und niemand hat die Hilfeschreie der Jungs gehört. Oder sie als solche identifiziert. Geschehen im Juni 1999 in Neuberesienchen, einem Stadtteil von Frankfurt (Oder).
Schon mit 17 Jahren bekommt Daniela ihr erstes Kind. Der Vater haut ab. Später bekommt sie drei weitere Kinder. Das vierte gibt sie zur Adoption frei. Aber schon mit drei Kindern ist sie überfordert. Als sie einen neuen Mann kennen lernt, geht sie zu ihm. Und bleibt. Nach 14 Tagen findet sie ihre beiden Söhne in ihrer Wohnung. Qualvoll gestorben. Verdurstet. „Die Kinder sind tot“.
Das alles erfährt der Zuschauer dieser Dokumentation von Aelrun Goette nur aus den Erzählungen von Daniela selbst, der Mutter, von Freunden, Bekannten, der Polizei und einer Vertreterin des Jugendamtes. Die Bilder vom Tatort, die der Polizist in die Kamera hält, sind erschütternd. Kann das sein? Ein Plattenbau und niemand hört die Kinder schreien? Die Nachbarn dachten eben nur, die Kinder schreien mal wieder. Sie schreien schließlich ständig. Ja, und irgendwer wollte doch sowieso das Jugendamt mal anrufen. Hat aber keiner. Sagt das Jugendamt.
Trägt Daniela die alleinige Schuld? Wir hören zu. Verstehen. Denken nach. Haben noch Fragen. Auch nach Ende des Films. Begreifen? Begreifen wird man das nie. So was kann man nicht begreifen.

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