Monatsarchiv für November 2003

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Bambi 2003

Freitag, den 28. November 2003
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DO 27.11.2003, 20.15 Uhr, Das Erste

Hubert Burda ist ein sehr netter Mann. Dafür, dass die No Angels demnächst wahrscheinlich für immer von der Bühne verschwinden, schenkte der Zeitschriftenverleger („Bunte“) ihnen die Co-Moderation der diesjährigen Bambi-Verleihung, für die er mitverantwortlich war. Die Popmädels nahmen ihre Aufgabe verdammt ernst und versemmelten vor Aufregung einen Gag nach dem anderen. Moderationstexte wurden runtergespult, als ob der Teleprompter leierte. Wobei das Scheitern der Fast-Ex-Band noch das Interessanteste an der Show war. Früher gab es einen „Bambi für das Lebenswerk“. Heute werden diese Preise fast schon inflationär verteilt. Einen davon erhielt Spaß-Versteher Kurt Felix, der Zweite ging an Box-Legende Mohammed Ali. Von seiner Parkinson-Erkrankung schwer gezeichnet stand er auf der Bühne und ließ von seiner Begleiterin Dankesworte ausrichten. Manche, nicht alle, fanden, das sei der rührendste Moment der Show gewesen. Falls ich, wie Johannes Heesters, jemals 100 Jahre werden sollte, möchte ich übrigens auch einen Bambi haben. In welcher Kategorie? Das ist mir dann auch wurscht.

aRTikel

Konzert für die Bühnenarbeiter

Mittwoch, den 26. November 2003
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Zwei junge Oberhavel-Bands berichten von Auftritten, die voll daneben gingen

MAZ Oranienburg, 26.11.2003

OBERHAVEL
Das hat wahrscheinlich jede Band schon einmal erlebt. Nach wochenlanger Vorbereitung und vielen Extra-Proben findet endlich der lang ersehnte Auftritt statt. Doch dann verläuft alles anders, als geplant. So geschehen vor etwas mehr als zwei Wochen in Germendorf. Die beiden Berliner Bands Strings und All Lunches hatten zu einer Rockparty in den „Fröhlichen Landmann“ eingeladen. Doch nur etwa 50 Gäste schauten vorbei. So wurde vor einer relativ leeren Kulisse gespielt. Eine nicht sehr schöne Angelegenheit für junge Musiker, wo sie doch eigentlich für das Publikum spielen. Für die All Lunches und die Strings ist Germendorf in Zukunft wohl tabu. Und ein Beispiel für einen Auftritt, an den sich die Bandmitglieder nicht allzu gern erinnern.
Andere Bands haben das aber auch schon mitgemacht. Nicht immer verläuft ein Auftritt nach den Vorstellungen der Musiker. Die vier Jungs von Greensession haben das im Februar 2002 am eigenen Leib erlebt. „Wir hatten einen Auftritt beim Kinderkarneval in der Kremmener Stadtparkhalle“, erinnert sich der 19-jährige Christoph Hengelhaupt aus Hohen Neuendorf. Lustigerweise fand das Ganze am Sonntag nach Aschermittwoch statt, was eher weniger üblich ist. „Als wir anfingen, war das eigentliche Programm des Karnevals schon zu Ende“, erzählt Christoph. Der Karneval hat einige Stunden in Anspruch genommen, Kinder und Eltern waren müde. „Unser Auftritt begann und die Leute gingen schon alle nach Hause.“ Und nicht nur das: Während Greensession auf der Bühne rockten, waren die Mitarbeiter der Stadtparkhalle schon dabei, alles andere abzubauen. So kam es, dass am Ende nur noch ein paar Bühnenarbeiter mit einem halben Ohr hinhörten. „Und weil das alles so toll war, haben wir danach vom Veranstalter auch nur einen Teil der vereinbarten Gage bekommen“, ärgert sich Christoph Hengelhaupt. Dabei konnte Greensession am wenigsten für die Fehlplanung der lustigen Karnevalisten aus Kremmen. Der Ärger unter den Jungs damals war groß, heute können sie schon wieder drüber lachen.
„Wenn wir uns das Video von damals angucken, können wir nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen“, lacht Ecki Klemp von den Zivilisatoren. Aus heutiger Sicht war ihr allererster Auftritt im Dezember 1997 in der Körperbehindertenschule in Birkenwerder musikalisch gesehen „nicht von sehr hoher Qualität“, meint der junge Glienicker. „Damals hat es aber großen Spaß gemacht.“ Es sei eben so, dass sich eine Band natürlich weiterentwickelt. Da wirken Auftritte von einst lange nicht so professionell wie heute. „Trotzdem erinnern wir uns sehr gerne an diesen Auftritt.“
Wahrscheinlich hat jede Band ein derartiges Erlebnis, über das noch jahrelang erzählt und gelacht wird. So etwas gehört wohl einfach dazu. Und selbst wenn es im ersten Augenblick ärgerlich ist – irgendwann lacht man ganz sicher darüber.

aRTikel

Profile: Für Probleme ein offenes Ohr

Freitag, den 21. November 2003
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Jugendbetreuerin Sabine Hempel

MAZ Oranienburg, 21.11.2003

GROSS-ZIETHEN
Es ist später Vormittag und Sabine Hempel steht in ihrer Küche und spült ihr Geschirr. Gestern gab es Käsefondue. Aber nicht bei ihr zu Hause, sondern im Groß-Ziethener PC-Club. Für die Jugendlichen hat die 50-jährige Schmachtenhagenerin eine Party organisiert.
Ursprünglich bekam sie im März dieses Jahres durch die Pur eine Stelle im PC-Club Groß-Ziethen. Den Jugendlichen sollte sie helfen, am Computer bei Internet-Recherchen zurechtzukommen. Doch Sabine Hempel ist längst mehr als nur PC-Betreuerin. Der PC-Club sei schon längst ein richtiger Jugendclub, schrieb Gerhard Mittelstädt im Groß-Ziethener Kurier. „So viele Kinder und nur drei PCs“, lacht Sabine Hempel, „da musste ich mir noch etwas einfallen lassen.“ Gesagt, getan: So fanden in den letzten Monaten diverse Partys, Video- und Grillabende sowie Bastelnachmittage statt. Im Sommer übernachteten sogar einige der Jugendlichen in Zelten im Garten der Hempels in Schmachtenhagen. Vorher wurde noch die Gegend erkundet, in einem Waldparcours mussten bestimmte Aufgaben erledigt werden.
Sabine Hempel hat ein offenes Ohr für die Probleme der Jugendlichen. Gute und schlechte Zensuren werden ebenso ausgewertet wie Probleme mit Lehrern oder Freunden. „Ich finde es wichtig, dass sie einen Ansprechpartner haben“, meint die Betreuerin. „Ich möchte den Kindern Selbstbewusstsein geben.“
Ihre wechselvolle Berufskarriere begann im Stahlwerk Hennigsdorf als Maschinistin für Transport- und Hebewerkzeuge. „Ich bin gelernte Kranfahrerin“, ergänzt Sabine Hempel. Danach arbeitete sie zehn Jahre bei Minol. Dort füllte sie auch Tankwagen auf. Später wechselte sie in die LPG-Tierproduktion nach Schmachtenhagen. (Ein fehlerhafter Satz entfernt.)
Erfahrung mit Kindern hat Sabine Hempel durch ihre beiden Söhne. „Die haben mich viel beschäftigt“, lacht sie. Inzwischen sind sie beide aus dem Haus.
An der Gestaltung des Programms im Klub arbeiten die Jugendlichen immer mit. Aber: „Wenn schulische Leistungen gefragt sind, können wir gar nicht so viel machen.“ Darauf legt Sabine Hempel großen Wert. „Die Schule ist wichtig für den späteren Beruf“, meint sie. Positiv überrascht ist sie über die Zusammenarbeit der Jugendklubs von Kremmen und den Ortsteilen. Auch, dass bei den vielen Veranstaltungen die Eltern so fleißig mithelfen, darüber freut sich Sabine Hempel sehr.

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Der Bachelor

Donnerstag, den 20. November 2003
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MI 19.11.2003, 21.15 Uhr, RTL

Ich glaube, ich bin zu doof für RTL. Ich musste jedenfalls erst mal nachschlagen, was eigentlich ein Bachelor ist. Der Moderator der Show hat uns das jedenfalls verheimlicht. Beim „Bätscheler“ handelt es sich um einen Junggesellen. Im Falle der RTL-Show sogar um einen reichen Junggesellen, der sich aus 25 willigen Junggesellinnen eine aussuchen darf. Und ich fürchte, ich bin nicht nur zu doof, sondern auch noch zu altmodisch für RTL. Ähnlich wie auf einem Basar im Orient, sitzen in einem großen Raum viele heiratsfähige junge Damen, die sich spontan in den „Bätscheler“ verliebt haben. Beziehungsweise in sein Geld. Oder in die Kameras, die den ganzen Mist aufnehmen. In vielen Gesprächen (ach, so nennt man das jetzt?) muss der „Bätscheler“ rausfinden, wer seine „Bätschelerin“ wird. Das nennt man dann wohl Heiratsvermittlung von vorgestern.

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Tatort: Die Liebe der Schlachter

Montag, den 17. November 2003
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SO 16.11.2003, 20.15 Uhr, Das Erste

Der Schlachter kann gerade noch verhindern, dass seine Frau hinter der Ladentheke vergewaltigt wird. Er reißt den Mann weg von der Fleischerin und schubst ihn gegen die Haken an der Wand. Ein wenig zu doll, denn der Vergewaltiger wird auf eben diesen Haken für immer stillgelegt. Viel Blut war kaum zu sehen, der Ekelfaktor hielt sich in Grenzen. Nun gut, nicht bei jedem Fernsehzuschauer. Für die Macher der Zeitung mit den vier Buchstaben reichte das, um einen TV-Skandal auszurufen. Ihre bange Frage: Für so viel Gewalt noch höhere Fernsehgebühren zahlen? Dabei war der Gewaltfaktor im „Tatort“ durchaus schon mal höher. Und wenn bei „Emergency Room“ auf ProSieben, also im Privatfernsehen, der Arm eines Arztes in den Rotorblättern eines Hubschraubers zerfetzt wird, ist das weniger dramatisch und ekelhaft? Es ist wohl eher ein peinlicher Versuch, die Debatte um die Erhöhung der GEZ-Gebühren anzufachen.

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Die ultimative Chart-Show / Die Hit-Giganten

Freitag, den 14. November 2003
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DI 11.11.2003, 20.15 Uhr, RTL
DO 13.11.2003, 20.15 Uhr, Sat.1

Ihr habt euch schon auf die dritte Ausgabe der „ultimativen Chart-Show“ bei RTL gefreut? Ich auch. Am Montagabend um 21.15Uhr sollte es sich um „One-Hit-Wonder“ drehen. Zu diesem Fernsehgenuss wird es meinerseits nicht kommen, denn RTL zeigte die Show bereits am Dienstag. Und das hatte seinen Grund. SAT.1 plante eine ganz ähnliche Show unter dem Titel „Die Hit-Giganten“. Thema: One-Hit-Wonder. Na, welch ein Zufall. Geplanter Sendetermin: Donnerstag, 20.November. Das wollte sich RTL nicht gefallen lassen und platzierte die „Chart-Show“ auf Montag, 17.November. SAT.1 wiederum fand das alles andere als komisch und zog „Die Hit-Giganten“ auf Donnerstag, 13.November, also auf gestern, vor. Doch damit war RTL natürlich noch lange nicht schachmatt. Kurzerhand wurde die „Chart-Show“ eben noch mal verlegt. Sie lief nun schon am Dienstag, 11.November. Und das alles nur, um Erster zu sein, die Nase vorn zu haben. Obwohl die RTL-Musikshow nun natürlich in keiner Fernsehzeitschrift zu finden war, sahen mehr als fünf Millionen Leute zu. Das Konzept scheint also aufgegangen zu sein. SAT.1 hat mit seiner Showkopie das Nachsehen. Und die Zuschauer, die sich noch auf ihre gute alte Fernsehzeitung verlassen, ebenso. Ich hätte die RTL-Chart-Show nämlich ganz gern gesehen.

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Die erste offizielle Wok-WM 2003

Freitag, den 7. November 2003
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DO 06.11.2003, 20.15 Uhr, ProSieben

Sport auf ProSieben? Stefan Raab machte es möglich. Dabei ist „TV total“ ja schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Raabs Gags sind inzwischen zu oft nur noch müde und peinlich. Umso erstaunlicher, was am Donnerstag bei ProSieben über den Bildschirm flimmerte: die erste offizielle Wok-WM. Mit diesem Gerät, in dem man normalerweise kocht, kachelten diverse Promis die Bob-Bahn in Winterberg hinunter. Und das war zur Abwechslung mal Entertainment pur. Was aber nicht an Raab (Weltmeister im Einer-Wok) allein lag. Wo sonst sind beispielsweise VIVA-Moderatorinnen zu sehen, die vor Angst kaum ein Wörtchen rausbekommen. Wenn das mal immer so wäre. Die Angst war durchaus berechtigt: In Kurve neun wurde die Vierer-Wok-Crew aus ihren Schalen gefeuert. Bis zum Ziel holten sich die sonst so hippen VJs einen wunden Pöter. Die Wok-WM konnte es auf jeden Fall in Sachen Spannung mit jeder „normalen“ Sportübertragung aufnehmen.