Tagesarchiv für 18. Oktober 2003

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ZAPPER VOR ORT: PK Dalai Lama

Samstag, den 18. Oktober 2003
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SA 18.10.2003, Berlin, Hotel Adlon

Sonnabendmorgen vor dem Hotel Adlon. Nichts deutet darauf hin, dass hier gleich der Dalai Lama, das politische und religiöse Oberhaupt der Tibeter, auftauchen würde. Ob Guido Westerwelle von diesem Event wusste? Lächelnd kommt er die Treppe runter gelaufen und verschwindet Richtung Ausgang.
Auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung hielt der Dalai Lama im Adlon eine Pressekonferenz ab, um gleich danach noch einen Vortrag an der Humboldt-Uni zu halten und weiter nach Prag zu fliegen. Erstaunlicherweise gab es so gut wie keine Sicherheitsvorkehrungen. Die bloße Akkreditierung genügte.
Nach dem üblichen Blitzlichtgewitter begannen die Erläuterungen zur Situation Tibets. Mehr und mehr Staaten gingen inzwischen diplomatische Beziehungen mit Tibet ein.
Insbesondere die Fotografen müssen nach dem ganz speziellen Bild gesucht haben. Kratzte sich das tibetische Oberhaupt an der Nase, klickten sofort sämtliche Fotoapparate. Ebenso bei diversen Gesten. Setzte er ein Lächeln auf, hob er den Finger – allen war es ein Foto wert. Er nahm’s gelassen…

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Alfredissimo!: Harald Schmidt

Samstag, den 18. Oktober 2003
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FR 17.10.2003, 16.30 Uhr, Das Erste

Alfred Biolek würde es nie wagen, seinen „Alfredissimo“- Gästen zu sagen, dass das, was sie da zusammengebrutzelt haben, ungenießbar ist. Es gibt nur einen Hinweis: Umso überschwenglicher und öfter er „Mhmm!“ sagt, desto besser schmeckt’s ihm. Insofern war die 333.Ausgabe der Kochshow eine Premiere. Bio war nicht zimperlich: Die Suppe, die Harald Schmidt da gekocht hat, war das Letzte. Die wird wohl niemals auf den Tisch des Küchenchefs kommen. Zu dünn. Zu gesund. Und überhaupt: Was war das? Schmidts Diät-Plörre kam alles andere als gut an. Was Schmidt nicht störte. Im Gegenteil: Er schien sichtlich belustigt, dass sich Bio auch nicht zu dem kleinsten „Mhm“ hinreißen ließ. Warum soll vorgekochtes Fernseh-Essen auch immer schmecken?

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ZAPPER VOR ORT: Vera am Mittag

Samstag, den 18. Oktober 2003
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FR 17.10.2003, Potsdam, Studio Babelsberg

Ein Ehepaar ist seit langer Zeit verheiratet. Doch jetzt hat sie Angst, dass er ihr fremdgeht. Er war nämlich auf Kur. Und danach hat sie eine geheimnisvolle Telefonnummer in seiner Brieftasche gefunden. Daneben stand noch der Name des Ortes, in dem ihr Mann zur Kur war. Eine andere Frau? Er leugnet natürlich alles. Er weiß noch nicht einmal, wie der Zettel in seine Brieftasche gelangen konnte. Aber sie ist ja nicht doof. Denkt sie. Deshalb hat sie die Nummer angerufen. Dran war eine Frau. Aha! Des Rätsels Lösung? Natürlich leugnet die Fremde alles. Auch, dass sie schon über 80 ist, scheint ihren Mann nicht abgehalten zu haben, mit der Dame am Telefon ein Verhältnis zu haben. Tja, was nun, dachte sich die wahrscheinlich betrogene kluge Ehefrau. Ganz einfach: Sie ging damit zum Fernsehen. Zu „Vera am Mittag“. Da wird sie ihn noch mal fragen. Und im Fernsehen muss er ja schließlich die Wahrheit sagen.
Was für ein Drama. In Potsdam-Babelsberg spielen sich solche Geschichten fünfmal pro Woche ab, wenn für SAT.1 die Talkshow „Vera am Mittag“ aufgezeichnet wird. Und da sich so etwas wahrscheinlich für Geld niemand antun würde, kommt das Publikum eben umsonst rein. Nebst Freigetränk. Anruf bei der Hotline genügt.
Vor Beginn der Aufzeichnung wird das Publikum von einem Produktionsassistenten platziert – ähnlich wie früher in einigen Speise-Nobelschuppen in der DDR.
Das Warm-Up wird erfreulicherweise recht kurz gehalten. So ziemlich alles sei erlaubt, wenn wir während der Sendung was sagen wollen, bräuchten wir nur aufzustehen.
Für Vera ist es heute schon die dritte Show. Es ist auch nicht Mittag, sondern eher Abend, Freitag, kurz nach 19Uhr. Bevor es losgeht, genehmigt sich Vera noch ein kleines Schlückchen. Sie meint zwar, da sei Alkohol drin, aber ob wir ihr wirklich glauben können? Andererseits sind drei Shows am Tag wohl nur leicht besoffen auszuhalten.
Ganz wichtig: Applaus. Ohne den kann Vera unmöglich die Sendung beginnen. So kommt es, dass das Publikum heftig klatscht, ohne zu wissen, warum. Denn Vera spricht ihre Moderation schon in den Applaus hinein. Für die Leute im Studio unhörbar. denn sie sind ja mit dem Applaus beschäftigt.
Ein Thema wurde uns zwar genannt, das ist mir aber schon während der Aufzeichnung wieder entfallen. Ist sowieso wurscht. Das Geschwafel der Leute auf der Bühne lässt sich unter so ziemlich jede Überschrift bringen. Das sehen die Leute hinter der Kamera wahrscheinlich genauso. Jeder, der Vera mal besucht hat, wird feststellen, dass diese Menschen mit Abstand die interessantesten im Studio sind: die Kameramänner und ihre Kabelhilfen. Dass ihnen der ganze Mist, den sie hier verzapfen, gehörig auf den Geist geht, ist ihnen ziemlich deutlich anzusehen. Da wird mit den Augen gerollt, die Stirn ist vor lauter Falten nicht mehr zu sehen. Ob ihre Angehörigen überhaupt wissen, wo sie ihre Knete verdienen?
Die mutmaßlich betrogene Ehefrau hat ihrem Mann die Vorwürfe inzwischen vor Vera, uns, dem Publikum, und den Kameras und damit vor einer guten Million Zuschauer, wiederholt. Er leugnet noch immer alles. Dass die fünfstellige Telefonnummer vor dem Namen des Kurortes allerdings schlicht und einfach die Postleitzahl des Kurortes sein könnte, darauf ist die versierte Hausfrau bisher nicht gekommen. Dazu musste sie sich erst im Fernsehen blamieren. Aber wenigstens ist in der Ehe jetzt wieder alles in Butter. So hat das Elend wenigstens noch eine gute Seite. Und weil das so schön war, kann sie sich das alles bald nochmal mittags um 12Uhr im Fernsehen antun. Was für ein Spaß.

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