Monatsarchiv für September 2003

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Schwarzwaldklinik

Montag, den 29. September 2003
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SO 28.09.2003, Glottertal

Ganz in der Nähe der südbadischen Stadt Freiburg befindet sich in dem kleinen Dörfchen Glottertal im Schwarzwald die Reha-Klinik „Glotterbad“. Keine normale Klinik. In den 80ern wurde sie als „Schwarzwaldklinik“ in ganz Deutschland bekannt. Die ZDF-Serie erreichte einst gigantische Einschaltquoten, um die 25 Millionen Zuschauer waren in Spitzenzeiten dabei. Inzwischen zigmal wiederholt, gerade jetzt wieder im ZDF-Vormittagsprogramm.
Seinerzeit müssen unzählige Touris nach Glottertal gepilgert sein, um sich die Fernsehkulisse näher anzusehen. Nicht wenige haben sicher gehofft, dass ihnen Professor Brinkmann und die reizende Oberschwester Hildegard persönlich „Guten Tag“ sagen und sie einladen, an der Visite teilzunehmen. An all das erinnert noch heute ein großer Parkplatz, an dem vorne das TV-Logo der „Schwarzwaldklinik“ prangt. Die Gemeinde hat also mitgedacht damals. Ein weiteres Schild weist auf den Weg zur „Fernseh-Schwarzwaldklinik“ hin. Für den normalen Verkehr aber gesperrt.
Dieser Weg (zu Fuß) ist beschwerlich. Bergauf. Und lang. Außerdem regnet es. Aber wenn ich schon mal da bin, dann will ich dieses verdammte Gebäude auch mal sehen, was mich als Kind früher jeden Sonnabend so fasziniert hatte. Da muss ich jetzt durch. Und kein Professor Brinkmann, der spontan vorbeikommt und mich mitnimmt.
Ein wenig durchnässt und angesichts des langen Anstieges völlig am Ende, stehe ich nun davor. Aha, so, so. Das ist also die „Schwarzwaldklinik“. Schön. Na, dann kann ich ja auch wieder gehen. Es war kurz, aber irgendwie hatte es was. Was genau, weiß ich zwar jetzt immer noch nicht, aber egal. Und dass hinter mir noch andere Touris auftauchten, war dann auch erleichternd. Bin ich also nicht der Einzige, der sich irrsinnigerweise auf diese Strapaze eingelassen hat. Und außerdem könnte sich Professor Brinkmann ruhig ein wenig mehr um seine interessierten Gäste kümmern…

RTZapper

Wirtschaft

Samstag, den 27. September 2003
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FR 26.09.2003, 20.30 Uhr, TV Südbaden

Im Südwesten sind die Stadtverordnetenversammlungen zurzeit nicht uninteressant. Der Lokalsender TV Südbaden aus Freiburg berichtete am Freitag in der Sendung „Wirtschaft“ über eine Beratung darüber, ob denn ein Puff (die Ausdrucksweise war ein wenig vornehmer) an der Freiburger Tullastraße (da hab ich doch glatt beim nur halben Hinhören ein P gehört!) angesiedelt werden könne. Tja, das ist doch mal ein Thema, über das die Parlamentarier sicher gern diskutieren. Obwohl natürlich niemand von ihnen jemals ein solches Etablissement besuchen würde. Erstaunlich ist auch, dass TV Südbaden den Beitrag verschämt in seiner Wirtschaftssendung gezeigt hat. Schließlich war das Thema ja wesentlich feuchter als die sonstigen Wirtschaftsbeiträge.

RTZapper

Wahl 2003: Landtagswahl in Bayern

Montag, den 22. September 2003
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SO 21.09.2003, 17.45 Uhr, ARD/ZDF

Das hat ja dann doch alle außerordentlich überrascht: Der Stoiber Edi hat die Bayern-Wahl gewonnen. Gerade so. Äußerst knapp. In Erinnerung an die Bundestagswahl im Herbst 2002 hatte ich zwar noch die vage Hoffnung, dass das ZDF die Hochrechnungen der ARD nicht bestätigt und einen anderen Kandidaten vorne hat, aber diesmal waren sich die beiden Anstalten über den Sieger einig. Das war wohl auch das Problem der Journalisten, die zwar den ganzen Abend darüber berichten sollten, aber eigentlich ab 18Uhr, als die erste Prognose kam, nichts Neues mehr zu sagen hatten. Und dass Frau Stoiber sich für ihren Gatten freut, sagte sie auch jedem Reporter, der es nicht hören wollte. So dankbar war der ARD-Reporter wohl noch nie, dass er endlich um kurz vor sieben die „Lindenstraße“ ansagen durfte.

RTelenovela

Der Oh-Mann-Strip

Samstag, den 20. September 2003
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Er rüttelt und schüttelt sich. Wackelt mit der Hüfte und mit den Beinen. Nur für sie. Allerdings: Langsam fängt sie an, sich zu langweilen. Denn eigentlich soll der Typ nur eins – sich die Kleider vom Leib reißen. Der Rüttler und Schüttler ist eigentlich Stripper und sollte einen nicht unwesentlichen Geldbetrag dafür bekommen, dass er Stimmung in die Party von Flo und Co, die allesamt 18 wurden, im Lehnitzer Wolf-Haus bringt. Doch vielleicht hätte mal jemand gefragt werden sollen, der (mehr) Ahnung davon hat.
Zehn Minuten sind vergangen, der Stripper rüttelt und schüttelt sich unbeirrt weiter. Lässt sich auch nicht durch andere spontane (bessere) Mittänzer aus dem Partypublikum aus dem Konzept bringen. Die damit Beschenkte rutscht unruhig auf dem Stuhl hin und her. Erst recht, als dann doch mal ein Kleidungsstück fällt. Und noch eins. Schließlich bleibt nur noch eine hässliche Blümchenunterhose übrig, die aussieht, als sei sie ein Relikt aus den 60ern.
Es war nicht unbedingt ein Jubelschrei, mehr ein Ruf des Entsetzens, der den Saal erfüllte, als dann auch noch dieses letzte Teil fiel. Das Geburtstagskind hatte den Blick aufs pralle Leben und – war das Freude in ihrem Gesicht? Darüber lässt sich streiten.
Die Gage des Strippers wurde, wie es hieß, jedenfalls gekürzt und als endlich T4M, die Tänzer, die bis 2002 die Konzerte des Louise-Henriette-Gymnasiums aufmischten, die Bühne betraten, war die Stimmung endlich da, wo sie sein sollte. Ganz oben.

RTZapper

Susan Stahnke nackt!

Dienstag, den 16. September 2003
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DI 16.09.2003, Bild

„Die Bilder, auf die ganz Deutschland gewartet hat“, titelte die Boulevardzeitung mit den vier Buchstaben am Dienstag. Die Leute, die dort arbeiten, müssen einen komischen Bekanntenkreis haben, denn ich persönlich kenne niemanden, der auf Nacktfotos der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin, ehemaligen Fernsehmoderatorin, ehemaligen Fast-Schauspielerin und ehemaligen Frauen-Stehklo-Präsentatorin Susan Stahnke gewartet hat. „Ganz Deutschland diskutiert über diese Fotos!“, hieß es gestern. Zumindest auf dem Weg von unserer heimeligen Redaktion in der Mittelstraße bis zum Oranienburger Bahnhof war die Situation noch recht ruhig. Also, Susan, es hat keinen Sinn: Zieh dich bitte wieder an!

RTZapper

Boxen im Zweiten

Sonntag, den 14. September 2003
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SA 13.09.2003, 22.00 Uhr, ZDF

Waren das noch Zeiten, als bei RTL die großen Boxevents stattfanden. Und jetzt? Das ZDF ist jedenfalls nicht der große Stimmungsmacher. Beim Boxkampf von Michel Trabant herrschte am Sonnabend in der Halle eine Totenstille. Otto Rehagel nebst Gattin war mit einer der wenigen Promis, die sich dorthin verirrten („Frau Rehagel, wie fanden Sie den Kampf?“). Und der Kommentator hatte auch nicht viel zu sagen, außer: Das ist heute Michels große Chance auf den WM-Titel. Na so was! Das war mir echt neu, das wäre mir entgangen! Mit dem Zweiten sieht man eben beschaulicher…

aRTikel

Zug kaputt, Straßen okay

Donnerstag, den 11. September 2003
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Die 19-jährige Annegret Jahn aus Bötzow radelte neun Tage durch Polen nach Litauen

MAZ Oranienburg, 11.9.2003

BÖTZOW
Fast 1100 Kilometer in neun Tagen. Nicht etwa mit dem Auto, das wäre ja nun wirklich nichts Herausragendes. Gemeinsam mit ihrem Vater Karl-Ernst (50) und ihrem Bruder Michael (17) fuhr die 19-jährige Bötzowerin Annegret Jahn mit dem Fahrrad nach Litauen.
„Die Idee dazu kommt von meinem Vater“, erzählt sie. „Er hat früher schon Touren gemacht, war schon in Bulgarien, Schweden und Dänemark.“ In den letzten Jahren ging es dann nach Prag, Amsterdam und nun nach Klaipeda in Litauen.
Das ist keine Luxusangelegenheit. „Auf so eine Reise kann man natürlich nur das Allernötigste mitnehmen“, berichtet Anne. Auf den Gepäckträgern der Fahrräder ist eben nur begrenzt Platz. „Für ein Kissen zum Schlafen oder gar ein Kuscheltier reicht es nicht.“
Die Reise beginnt in der Nähe von Küstrin an der deutsch-polnischen Grenze, bis dahin fahren die drei noch mit dem Auto. Der Zeitplan ist eng, die Fähre von Klaipeda nach Neu-Mukran auf Rügen muss acht Tage später erreicht werden. Eigentlich sollte die Reise dorthin auch durch Russland führen, dafür bekamen die drei aber kein Visum. „Das ist eine komplizierte und teure Angelegenheit“, kürzt Anne die ganze Geschichte ab.
Von Zeltplatz zu Zeltplatz sollte die Reise gehen. So landen die Radler am ersten Abend in Gorzow auf einem Anglerzeltplatz.
163 Kilometer: der zweite Tag. „Die Straßen in Polen sind aber ganz gut, was man ja eigentlich gar nicht so denkt“, meint Anne. „Wir sind eher kleinere Straßen gefahren, wo nicht so viele Lkws sind.“ Die Hügel sind nicht sehr schwer zu überwinden. „Danach geht’s ja wieder bergab und mit Schwung auf den nächsten Hügel.“
Abends, auf dem Zeltplatz, „da packt man sich einfach nur hin“. Sicher sein, ob der Zeltplatz wirklich auch einer ist, kann man sich aber nicht. „In Lojewo wurde uns gesagt, dort sei einer, aber es war nur eine große Wiese an einem See.“
Von Nidzica bis Szczytno fährt das Trio ausnahmsweise mit dem Zug. Szczytno liegt in den Masuren. „Da war es wirklich wunderschön. Wald, Hügel und viele Seen.“ Die Gegend ist unter Touristen als beliebte Paddel-Landschaft bekannt. Dementsprechend war der Zeltplatz von Babieta auch bevölkert von Urlaubern, oftmals aus Deutschland.
Nach Suwalki sollte es wieder mit dem Zug weitergehen, doch es fährt leider keiner. „Zug kaputt“, ist die Auskunft, die sie erhalten. So wird die Fahrt an diesem Tag 30 Kilometer länger als geplant. Es werden genau 165. Tour-Rekord.
An der Grenze zu Litauen sind die Kontrollen relativ scharf. „Die Grenzer sahen sich unsere Pässe sehr genau an“, erinnert sich Anne. „Anscheinend wird dort sehr viel geschmuggelt.“ Dieser Teil der Fahrt ist wohl auch von der Strecke her der anstrengendste. Es geht 20 Kilometer fast durchweg leicht bergauf. „Außerdem ist die Gegend ziemlich langweilig, nur Felder an den Straßen.“ Sie erreichen die Stadt Sakiai. „Dort war alles ganz gut in Schuss. Man erkennt gleich den westlichen Einfluss. Auf dem Land sind aber ziemlich arme Verhältnisse. Aber die Leute dort sind glücklich“, schiebt Anne hinterher. Sie übernachten auf einem Bauernhof. Am Morgen bekommt sie von den Leuten dort Frühstück.
Als sie am nächsten Tag von Silute aus erneut mit der Bahn fahren wollen, fällt ihnen erstmals auf, dass in Litauen die Uhren anders gehen: eine Stunde Zeitverschiebung. Das zu wissen ist nicht unwichtig, wenn man die Fähre in Klaipeda pünktlich erreichen will.
Während der 19-stündigen Fahrt nach Neu-Mukran bekommen sie Geschichten von Leuten zu hören, die stolz erzählen, dass sie 600 Kilometer in zwei Wochen geradelt sind. Die gleichen Leute sind, wenn sie erfahren, wie viele Kilometer die drei unterwegs waren, nicht mehr ganz so stolz.
Der heimische Alltag holt die Radler im Regionalexpress in Löwenberg wieder ein. „Wir haben voraussichtlich eine Stunde Verspätung“, ertönt es aus dem Lautsprecher. „Bestimmt wieder eine Bombenentschärfung in Oranienburg“, witzeln Annegret und ihr Bruder. Was sie nicht wissen: Als ihr Zug doch noch pünktlich in Oranienburg einrollt, ist er der Erste, der nach der tatsächlichen Bombenentschärfung überhaupt wieder den Bahnhof ansteuern darf.
Grundsätzlich macht so eine größere Radtour natürlich Spaß, doch eine Fahrt nach Litauen wird Anne sicherlich nicht noch einmal machen. „Ich würde gern noch einmal nach Amsterdam. Das fährt sich gut. Die Bedingungen für Radfahrer sind dort optimal.“ Auch für das nächste Jahr ist eventuell eine weitere Fahrt geplant. „Mal sehen, wo es dann hingeht…“