Monatsarchiv für Februar 2003

RT im Kino

Good Bye, Lenin!

Donnerstag, den 13. Februar 2003

7.Oktober 1989: Die DDR feiert ihren 40. Geburtstag, begleitet von Protesten vieler Bürger. 18.Oktober 1989: Erich Honecker tritt zurück. 9.November 1989: Das Ende der Mauer. 1.Juli 1990: Die D-Mark wird auch in der DDR die offizielle Geldwährung.
Bis zum Republikgeburtstag konnte Christiane Kerner (Katrin Saß) die politischen Ereignisse in der DDR noch mitverfolgen. Als sie aber durch Zufall mitansehen muss, wie ihr Sohn Alex (Daniel Brühl) während einer Demonstration auf einen Armee-Lkw gehievt wird, bricht sie zusammen. Herzinfarkt, Koma. Bis zum Sommer 1990. Da gibt es „ihre“ DDR nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr so, wie sie sie kannte.
Nun war Christiane keine strenge Kommunistin, aber dennoch: Jede Aufregung muss von ihr ferngehalten werden. Wenn sie erfährt, dass die DDR kurz vor der endgültigen Abwicklung steht – es wäre der sichere Tod für die Frau.
Mit Hilfe der ganzen Familie, der Nachbarn und Freunde muss Daniel nun in seiner Wohnung 79 Quadratmeter DDR für seine Mutter aufrechterhalten. Und das ist gar nicht so einfach. Die Gurken kommen jetzt aus Holland statt aus dem Spreewald. Und vor dem Fenster der Kerners wird jetzt für ein Getränk aus dem kapitalistischen Ausland geworben.
Wer eine Komödie à la „Sonnenallee“ erwartet, wird enttäuscht. Auch wenn es die Werbung für diesen Film mehr oder weniger verspricht – „Good Bye, Lenin!“ ist keine Komödie im eigentlichen Sinn. So einen richtigen Brüller wird man nicht finden. Doch das ist keineswegs ein Nachteil. Vielmehr hat Wolfgang Becker einen Film mit einer schönen, zuweilen eben auch witzigen Geschichte mit sehr viel Herz und Verstand gedreht.
Dabei wirken besonders die Szenen mit den Demonstrationen (den offiziellen und den nicht offiziellen) ziemlich bedrückend. Eine Mischung aus Original und nachgedrehtem Material. Ausschnitte aus dem DDR-Fernsehen lassen einen dagegen schmunzeln.
Die Schauspieler, allen voran Daniel Brühl, füllen diese Geschichte wunderbar aus, auch Katrin Saß als Mutter und „Eingabe-Schreiberin“ ist sehenswert. Am Ende ist der Film vielleicht etwas zu lang geraten, aber das ist dann auch schon die einzige negative Kritik.
Fazit: Eine großartige Tragikomödie, die uns zuweilen zum Nachdenken, zum Erinnern und vielleicht sogar ein wenig zum Weinen bringt. Ein deutsches Film-Highlight!

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RTZapper

Da wackelt der Dom

Mittwoch, den 12. Februar 2003
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DI 11.02.2003, 20.15 Uhr, ZDF

Um Gottes Willen, ist es schon wieder so weit? Langsam aber sicher geht es auf Rosenmontag zu, die Zahl der total lustigen Karnevalsshows im Fernsehen steigt auch wieder langsam an. Dienstag eröffnete das ZDF den heiteren Reigen. Auf einer großen Open-Air-Bühne gaben putzig verkleidete Damen und Herren die größten Schenkelklopfer der 70er, 80er und Evergreens aus der Zeit davor zum Besten. Vor der Bühne froren sich die Leute unterdessen den Allerwertesten ab. „Da wackelt der Dom“ nannte sich die Veranstaltung. Der Mainzer Dom wackelte tatsächlich – aus Erschütterung über das, was sich auf der Bühne tat. Höhepunkt: Ein Fasching-Allstar-Chor grölte eine Karnevalsversion von „We Have A Dream“ in die Mikros: „Ich hab ’nen Traum – ich wär’ ’nen Clown“. Nach dieser Darbietung kann man nur noch der Meinung sein, dass Dieter Bohlens „Superstars“-Anwärter echte Künstler sind. Wir Faschingsmuffel werden es jetzt wieder schwer haben. Aber: Augen zu und durch! Helau!

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RTZapper

TV total: Kampf der Friseurinnen

Mittwoch, den 5. Februar 2003
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DI 04.02.2003, 22.15 Uhr, ProSieben

Seit Monaten habe ich letztens mal wieder „TV total“ gesehen. Vergangenen Dienstag sollte eine Hennigsdorferin zu Gast sein und an einem Wettbewerb teilnehmen. Was ist los? Passiert im Fernsehen so wenig, dass sich Raab lieber nur noch mit sich selbst beschäftigt? Raab total? Der Kampf der Friseurinnen war dann auch genau das, was ich befürchtet hatte: Absolut banal, oberdämlich und vor allem abgrundtief langweilig. Während auf SAT.1 bereits Harald Schmidt zeigte, wie man es wirklich macht, konnten die Haartanten bei Raab oftmals nicht die einfachsten Fragen beantworten („Hans Eichel? Muss man den kennen?“ – Ja, mein Gott!). Selbst beim Schieben eines Friseurwagens durchs Studio mussten sie schummeln. Was soll man da noch sagen? „TV total“ war einmal eine der besten und innovativsten Shows. Wie gesagt: war.

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aRTikel

“Verliebte blöde Gans”

Mittwoch, den 5. Februar 2003
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Am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium feierte ein Drache seine große Premiere

MAZ Oranienburg, 5.2.2003

ORANIENBURG
In diesem Jahr trifft es die arme Elsa (Katharina Schulz): Sie muss sterben. Der dreiköpfige Drache (Norbert Mösch, Henri Schober, Tim Schellenberg), der seit 400 Jahren über die Stadt herrscht, nimmt sich jedes Jahr eine Jungfrau. Elsa nimmt das hin. Das ist eben ihr Schicksal.
Mit dem Stück „Der Drache“ feierte der Kurs Darstellendes Spiel der 13.Klasse des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium in der vergangenen Woche Premiere. Unter der Leitung ihres Lehrers Achim Dawid wurde diese märchenhafte Komödie in monatelanger Arbeit auf die Beine gestellt.
Die Menschen in der Stadt nehmen das Untier mehr oder weniger hin. Der Bürgermeister (Torsten Schimmel) hat mehr mit seinen Geistesstörungen zu tun, ist psychisch völlig fertig und besteht darauf: „Ich bin jetzt eine Teekanne.“ Dennoch: Gemeinsam mit seinem Sohn Heinrich (Martin Liedtke) schmiedet er Pläne. In genau diese scheint der mutige Ritter Lanzelot (Josefine Tiedemann) aber gar nicht reinzupassen. Er will dem Drachen nämlich entgegentreten, ihn töten. Das imponiert Elsa, die diesen Lanzelot eigentlich um die Ecke bringen soll. Doch das packt die „verliebte blöde Gans“ nicht. Die Liebe zu Lanzelot ist stärker. So beginnt bald der Kampf gegen den Drachen.
Mit dem gut einstündigen Stück und dem darin enthaltenen Ideenreichtum begeisterten die jungen Schauspieler die Zuschauer in der Aula des LHG. Der Humor kam in der ganzen Zeit nicht zu kurz.
Schauspielerisch sind Martin Liedtke als Heinrich und Norbert Mösch als der erste Kopf des Drachen unbedingt zu erwähnen. Ihre witzige, aber dennoch nicht übertriebende Gestik und Mimik waren hervorragend. Auch Torsten Schimmel als der Bürgermeister konnte voll überzeugen. Ganz bei der Sache war auch Kristin Vogel, die als Kater permanent auf einem Podest neben der Bühne saß oder lag und niemals aus der Rolle fallen durfte.
Nicht so ganz ins Konzept passte dagegen der Lanzelot. Seine übertriebende Komik war zwar von der Gruppe durchaus gewollt, doch Josefine Tiedemann ist da ein wenig übers Ziel hinausgeschossen. Ihre fast schon slapstickhaften Gesichtszüge wirkten, anders als zum Beispiel bei Liedtke oder Mösch, übertrieben und platt, dadurch nicht mehr komisch. So wirkte eine Szene, in der Lanzelot seine Waffe bekommt und dazu der Song „Eye Of The Tiger“ eingespielt wird, ein wenig albern.
Doch das konnte den tollen Gesamteindruck des Stückes nicht wirklich trüben. Insgesamt bewegte sich „Der Drache“ auf einem erstaunlich hohen Niveau.

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