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Der Film, der die Nazis heilen soll

Diskussion zu „Führer Ex“ im Kino

MAZ Oranienburg, 22.2.2003

ORANIENBURG
Die Diskussion begann zögerlich, gewann im Laufe der Zeit aber immer mehr an Schwung. Im Anschluss an die Vorführung des Streifens „Führer Ex“ fand am Donnerstagabend im Oranienburger Filmpalast eine Gesprächsrunde dazu statt.
Produzent Laurens Straub sowie Ingo Hasselbach, mitverantwortlich für das Drehbuch, stellten sich den Fragen des Publikums. „Führer Ex“ basiert auf Hasselbachs Buch „Der Aussteiger“, in dem er seinen Ausstieg aus der Neonazi-Szene beschreibt. Der ursprünglich angekündigte Hauptdarsteller Christian Blümel hatte kurzfristig abgesagt.
In „Führer Ex“ geht es um den 18-jährigen Heiko (Christian Blümel) und seinen besten Freund Tommy (Aaron Hildebrand). Sie landen nach einem Versuch, über die Mauer die DDR zu verlassen, im Knast. Als Heiko wiederraus kommt, ist aus ihm ein harter Neonazi geworden.
Etwa 35000 Menschen haben den Film seit Anfang Dezember in den Kinos gesehen. Für Produzent Laurens Straub ein enttäuschendes Ergebnis.
Auf die Frage, ob der Film die ganze Realität zeige, verneinte Ingo Hasselbach. An einigen Stellen sei man von der Originalgeschichte abgewichen. Hat Hasselbach die Darstellung seiner Geschichte Probleme bereitet? „Ich bin zehn Jahre aus der Szene raus und habe seit zehn Jahren Probleme“, meint er. Seine Familie ist schon oft bedroht worden, er selbst befindet sich in einem Polizeischutzprogramm.
Wieso wollte Hasselbach damals aus der Szene raus?, fragte eine Zuschauerin im halb gefüllten Saal. „Ich lernte den Regisseur Winfried Bonegel kennen, der mir das Leben außerhalb der Szene zeigte“, erzählt er. Bonengel habe sich mit ihm auseinander gesetzt und ihm gezeigt, was er da eigentlich tut.
Frage und Antwort. Ein Gespräch sollte nicht entstehen. „Führer Ex“ sei ein sehr aktueller Film, weil viele schon einmal Gewalt miterlebt hätten. „Wer im Saal hat schon mal Gewalt erlebt?“ Der Startschuss doch noch zu einer kleineren Diskussion. Über Punks und Rechte. Über deren jeweiligen Vorurteile. Über den Begriff „Nazi“. Warum Filme wie „Führer Ex“ nur in wenigen Kinos laufen. Wirkliche Antworten brachte der Abend nicht.
Aber den Wunsch des Produzenten: Ein ganzes Kino voller Neonazis. Und wenn der Film aus ist, dann sind alle geheilt.

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