Monatsarchiv für Februar 2003

RTZapper

DVB-T kommt

Freitag, den 28. Februar 2003
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Langsam aber sicher werden die Fernsehsender, die ich über meine Hausantenne empfange, immer weniger. Ab August ist dann nur noch Schnee zu sehen. Es sei denn, ich kaufe mir die digitale Empfangsbox, womit wieder alles in Ordnung wäre. Aber alles hat seine Vor- und Nachteile. Die Bildqualität soll sich erheblich verbessern, die Anzahl der Programme steigt. Aber: Ich kann jetzt zum Beispiel über meine Antenne nicht mehr nebenbei eine Sendung aufzeichnen, während ich etwas anderes sehe. Ich müsste mir einen zweiten Videorecorder zulegen. Dazu kommt noch, dass es mit der heutigen Technik noch gar nicht möglich ist, Fußball zu gucken und gleichzeitig Harald Schmidt aufzunehmen. Wer in Richtung Fernseher sieht, wird so oder so feststellen, dass dort immer mehr Apparate rumstehen und die Anzahl der Fernbedienungen dramatisch angestiegen ist. Nun gut, man kann auch darauf verzichten. Wer braucht schon das Fernsehen? Also… Jetzt mal ehrlich…

RTelenovela

Eine nette Geste

Donnerstag, den 27. Februar 2003
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Es gibt wohl doch noch das Gute im Menschen! Da stehe ich eines schönen Nachmittags am Parkscheinautomaten an der Oranienburger Fischerstraße und überlege, wie lange ich parken möchte und was das kostet. Plötzlich spricht mich eine Frau an. Ihr Schein ist noch gut 45 Minuten gültig. Ob ich diesen nutzen wolle. Das ist doch mal eine echt tolle Geste. So was kommt echt selten vor. Ein großes Dankeschön! Und vielleicht hat das ja Vorbildcharakter?

RTZapper

Wetten, dass…?

Sonntag, den 23. Februar 2003
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SA 22.02.2003, 20.15 Uhr, ZDF

Da muss erst eine 92-jährige rüstige Oma kommen und die Zuschauer im Berliner Velodrom aufmischen, um „Wetten, dass…?“ doch noch ein wenig unterhaltsamer zu machen. Mit „Columbo“ Peter Falk, der neben ihr saß, erlebte Brigitte Mira ihren wahrscheinlich sechsten Frühling. Ansonsten herrschte bei der ZDF-Show am Sonnabend tote Hose. Gottschalk machte mit J.Lo. Promotion für ihren Film, nebst dem Werbespot, der auch in den Kinos läuft. Die Ausschnitte aus dem „Titanic“-Musical zeigten, was für Schrott auf den Bühnen unseres Landes zu sehen ist. Die Bangels hatten seit den 80ern auch nichts Besseres tun, weshalb sie jetzt wieder ein paar Songs trällern. Und die Berliner durften unterm Brandenburger Tor Bratwürstchen mampfen. Nicht gerade der Hit! Tja, und dann habe ich auch noch meinen Videorecorder falsch programmiert und somit das Michael-Jackson-Interview auf RTL verpasst. So ein Mist!

aRTikel

Der Film, der die Nazis heilen soll

Samstag, den 22. Februar 2003
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Diskussion zu „Führer Ex“ im Kino

MAZ Oranienburg, 22.2.2003

ORANIENBURG
Die Diskussion begann zögerlich, gewann im Laufe der Zeit aber immer mehr an Schwung. Im Anschluss an die Vorführung des Streifens „Führer Ex“ fand am Donnerstagabend im Oranienburger Filmpalast eine Gesprächsrunde dazu statt.
Produzent Laurens Straub sowie Ingo Hasselbach, mitverantwortlich für das Drehbuch, stellten sich den Fragen des Publikums. „Führer Ex“ basiert auf Hasselbachs Buch „Der Aussteiger“, in dem er seinen Ausstieg aus der Neonazi-Szene beschreibt. Der ursprünglich angekündigte Hauptdarsteller Christian Blümel hatte kurzfristig abgesagt.
In „Führer Ex“ geht es um den 18-jährigen Heiko (Christian Blümel) und seinen besten Freund Tommy (Aaron Hildebrand). Sie landen nach einem Versuch, über die Mauer die DDR zu verlassen, im Knast. Als Heiko wiederraus kommt, ist aus ihm ein harter Neonazi geworden.
Etwa 35000 Menschen haben den Film seit Anfang Dezember in den Kinos gesehen. Für Produzent Laurens Straub ein enttäuschendes Ergebnis.
Auf die Frage, ob der Film die ganze Realität zeige, verneinte Ingo Hasselbach. An einigen Stellen sei man von der Originalgeschichte abgewichen. Hat Hasselbach die Darstellung seiner Geschichte Probleme bereitet? „Ich bin zehn Jahre aus der Szene raus und habe seit zehn Jahren Probleme“, meint er. Seine Familie ist schon oft bedroht worden, er selbst befindet sich in einem Polizeischutzprogramm.
Wieso wollte Hasselbach damals aus der Szene raus?, fragte eine Zuschauerin im halb gefüllten Saal. „Ich lernte den Regisseur Winfried Bonegel kennen, der mir das Leben außerhalb der Szene zeigte“, erzählt er. Bonengel habe sich mit ihm auseinander gesetzt und ihm gezeigt, was er da eigentlich tut.
Frage und Antwort. Ein Gespräch sollte nicht entstehen. „Führer Ex“ sei ein sehr aktueller Film, weil viele schon einmal Gewalt miterlebt hätten. „Wer im Saal hat schon mal Gewalt erlebt?“ Der Startschuss doch noch zu einer kleineren Diskussion. Über Punks und Rechte. Über deren jeweiligen Vorurteile. Über den Begriff „Nazi“. Warum Filme wie „Führer Ex“ nur in wenigen Kinos laufen. Wirkliche Antworten brachte der Abend nicht.
Aber den Wunsch des Produzenten: Ein ganzes Kino voller Neonazis. Und wenn der Film aus ist, dann sind alle geheilt.

aRTikel

Vize-Superfriseuse

Mittwoch, den 19. Februar 2003
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Jennifer Strese ist bei Raab nur Zweite

MAZ Oranienburg, 19.2.2003

KÖLN/HENNIGSDORF
„Ist doch ein Scherz, oder?“ Nein, das war es nicht. Vor einigen tausend Zuschauern fand am Sonntag auf dem Bökelberg in Mönchengladbach das Fußball-Event des Jahres statt. Zwei Mannschaften, bestehend aus je einer Friseuse, traten an: Jennifer („Gogo Lopez Bang Bang“) Strese aus Hennigsdorf gegen „Erlangen Sound-Machine“ Kerstin. Beide sind Anwärterinnen im Wettbewerb „Deutschland sucht die Superfriseuse“ in der ProSieben-Show „TV total“.
Zum Anstoß müssen beide aus ihren Toren zur Mittellinie rennen, an der sie sich nach einem Zusammenstoß auch erst einmal hinpacken. Was in der Slomotion köstlicherweise noch sechsmal gezeigt wird. Nach acht Spielminuten mit vielen Remplern, Schubsern und einem Elfmeterschießen mit Show-Praktikant Elton im Tor endet die Partie 1:1.
Doch nach dem Topfschlagen am Montagabend in der Show liegt Jennifer eine Kochlöffel-Länge zurück. Beim alles entscheidenden Gladiatorenkampf auf zwei Hockern musste sich Jennifer erneut ihrer Konkurrentin geschlagen geben.
Es hat nicht sollen sein. Umsonst all die körperlichen und geistigen Strapazen auf sich genommen: Jennifer Strese darf nicht noch einmal nach Köln, zu Stefan Raab in die Show, um Claus von der Studioband die Haare zu schneiden. Kerstin gewinnt, die Show ist aus – und tschüss!

aRTikel

Arbeiten bis zur letzten Minute

Mittwoch, den 19. Februar 2003
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Wechsel an der Spitze des Henriette-Gymnasiums: Wolfgang Nitsch geht in den Vorruhestand

MAZ Oranienburg, 19.2.2003

Neue Zeiten am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium. Ende Februar geht Schulleiter Wolfgang Nitsch in den Vorruhestand, womit erstmals jemand anderes als er an der Spitze der Schule steht. Über den Abschied, seine fast neunjährige Amtszeit und das Leben danach sprach er im Interview mit Florian Büttner und Robert Tiesler.

Wie werden Sie Ihren letzten Arbeitstag am 28. Februar bestreiten?

Nitsch: Ich werde arbeiten. Ich werde wirklich arbeiten bis zur letzten Minute. An dem Tag habe ich normalerweise keinen Unterricht, aber wenn Kollegen fehlen, werde ich einspringen.

Ist eine Abschiedsfeier geplant?

Nitsch: Die wird es geben. Ich wollte am Nachmittag eine kleine Feier geben, aber die Schüler meinten, man müsse das abends machen, weil dann auch viele Ehemalige Zeit hätten. Wir machen das nun auch in der Aula. Ich bin sehr gespannt.

Ist es ein Abschied für immer?

Nitsch: Auf jeden Fall. Es wird mein letzter Tag als Lehrer sein. Ich gehe in den Vorruhestand.

Hat die Schulpolitik Ihre Arbeit an der Schule behindert?

Nitsch: Es hätte bei uns immer ein Schulparadies sein können. Ich erlebe im Land Brandenburg nicht mehr viel, was mich glücklich macht. Der Hauptgrund meines Gehens ist dann tatsächlich auch die Resignation angesichts dessen, was ich als Schulleiter in Bildungsfragen erlebt habe. Am Schuljahresanfang ohne alle benötigten Lehrer dazustehen, ist schlimm. Das hat einen enormen Einsatz von den anderen Lehrern gefordert. Es ist ja nicht so, dass Berlin die Lehrer bei uns in Brandenburg abwirbt, um sie dort einzustellen. Das Land hat die Lehrer einfach nicht gehalten.

Freuen Sie sich auf Ihre Freizeit?

Nitsch: Ja, aber ich denke mit Wehmut daran. Es wurde mir zu Weihnachten das erste Mal klar, was es bedeutet. Ich werde nie wieder Weihnachtsferien haben. Das Gefühl, einfach Ferien zu haben, wird nie wieder da sein.

Was haben Sie für Hobbys?

Nitsch: Ich bin ein Freund der Literatur. Ich lese viel. Auch bin ich ein großer Spielfilmfan, besonders von filmischen Adaptionen literarischer Werke. Außerdem bin ich ein Hobby-Historiker. In diesem Rahmen sammle ich auch alles Mögliche. Mein Kellerbereich ist voll mit Gesammeltem. Meine Sorge ist – ich habe ja ständig Stress gehabt, musste Dinge ad hoc lösen. Ich mache mir Sorgen, wie mein Körper reagiert, wenn ich keinen Stress mehr habe. Ich habe schon manchmal gemerkt: Du hast Ferien und kannst jetzt krank werden. Ich war während der Dienstzeit nie krank – weil ich der Meinung war, es geht nicht.

Sind Sie seit Anfang an Leiter des LHG?

Nitsch: Ja, seit 1994. Ich war 37 Jahre lang Lehrer. Ich war auch lieber Lehrer als Schulleiter. Ich bin auch nur zufällig Schulleiter geworden, denn ich hatte mich eigentlich nur als Lehrer am LHG beworben. Ich habe damals gehört, dass dieses Schulgebäude wieder ausgebaut werden soll. Dann wurde mir gesagt, ich möge mich als Schulleiter bewerben. Ich war drei Jahre nur amtierender Schulleiter. Das war unerträglich. Wenn man nur amtiert, dann kann man keine Weichen stellen. Das war sehr schwer für mich.

Wie würden Sie einem Fremden die Vorzüge des LHG näher bringen?

Nitsch: Es ist ein sehr schönes Gebäude-Ensemble, seitdem es fertig ist. Richtig schön auch mit dem Rosengarten und sogar mit dem einst bekämpften Kriegerdenkmal. Es wird mir oft bestätigt, dass die Schule schön ist. Die Flure sind hell und breit. Manche sagen, es sei ziemlich klinisch, aber das ist Quatsch. Wenn mir jemand aus Paris sagt, ich möchte mein Kind an Ihre Schule schicken, dann macht mich das stolz. Da hat jemand im Internet unsere Schule entdeckt. Meine Vorstellung war: In einer großen Schule muss es immer einen Ansprechpartner für die Schüler geben. Wir haben ein offenes Sekretariat.

Haben sich die Schüler in den neun Jahren verändert?

Nitsch: Ja. Schule ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ein Schüler ist so gut erzogen, so strebsam und fleißig, wie es die Bedingungen der Gesellschaft zulassen. Wenn sie die Schüler zwischen allem wählen lässt, muss ich mich nicht wundern, dass die Schüler das ausnutzen. Sie können vieles abwählen, was schwierig ist. Nach der Schulzeit können sie sich auch nicht aussuchen, was ihnen Spaß macht. Man muss auch mal einem Zwang unterliegen und sich nicht herausmogeln können. Die Schüler sind nicht schlechter geworden, aber anders. Mir tut es weh, wenn ich sehe, dass Schüler der Sekundarstufe II einen Job haben. Da stimmt etwas mit unseren Anforderungen nicht. Und wenn Schüler das finanziell nötig haben, dann stimmt etwas in der Gesellschaft nicht.

Wie geht es jetzt im LHG weiter?

Nitsch: Ab 1.März amtiert Doris Elert, meine bisherige Stellvertreterin. Der Prozess der Stellenausschreibung wird aber sehr zügig gehandhabt. Ich bin darüber sehr beruhigt.

Gäbe es einen Wunsch-Nachfolger?

Nitsch: Am liebsten hätte ich jemanden, den ich so gut kenne, dass ich weiß, dass er die Schule mag. Ich möchte es eigentlich schon sehen, dass es jemand aus dem Kollegium ist.

Wird man Sie auch nach dem 28. Februar auf dem LHG noch sehen?

Nitsch: Wenn ich eingeladen werde, werde ich sehr gern kommen. Ich bleibe Mitglied des Fördervereins. Ich werde das Wohl und Wehe der Schule weiterverfolgen. Das Ganze ging ja nicht spurlos an mir vorbei.

RTZapper

Bravo TV

Sonntag, den 16. Februar 2003
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SA 15.02.2003, 0.00 Uhr (So.), ZDF

Wenn auf Neun Live die Damen anfangen, sich zu entblättern, fängt im ZDF das Jugendprogramm an. „Bravo TV“ lief an diesem Sonnabend statt um 15.30Uhr erst um 0Uhr. Aber das war schon ganz gut so. „Bravo TV“ wird, seit es nicht mehr bei RTLII läuft, nicht mehr moderiert. Stattdessen gibt’s rund um Berichte, Tipps und Charts eine Soap. Am Anfang zeigt eine Zusammenfassung, was wir in der Woche davor nicht versäumt haben. Dialoge wie aus dem Katalog, grauenhaft vorgetragen. Eigentlich möchte man der Mannschaft schon nach einer Minute an die Gurgel gehen. Es geht um Erpressung. Dann Schnitt: „Hi, hier ist A.D. im Maxim-Gorki-Theater.“ Was jetzt: Kultur? A.D. trifft sich mit Yvonne Katterfeld. Irgend so eine Sängerin, die ich peinlicherweise nicht kenne (werde ich alt?). Frage: Gibt es etwas, was sie nie, nie, niemals tun würde? Ja: sich vor der Kamera ausziehen. Abwarten. Das Theater ist übrigens keineswegs Yvonnes jetziger Arbeitsplatz, wie ich dachte. Nein, sie würde mal gern hier spielen. Irgendwann. In ferner Zukunft. Sagen wir mal. Dann geht schon die Erpresser-Story weiter. Apropos Erpresser: Kommen wir nun zu den Charts. Guckt nicht so! Nein, es gibt keinen Zusammenhang. Aber bei „Bravo TV“ findet man diese abenteuerliche Mischung wohl toll. Das kommt raus, wenn das ZDF auf jugendlich macht.