Monatsarchiv für Oktober 2002

RTZapper

Glücksrad

Dienstag, den 29. Oktober 2002
Tags:

DI 29.10.2002, 19.30 Uhr, Kabel 1

Morgen müssen wir alle ganz tapfer sein: Denn dann dreht sich ab 19.30 Uhr nach 14 Jahren das letzte Mal das „Glücksrad“. Ein Stück Kultur wird uns weggenommen. Wo sonst konnte man über ein „Bankrott“ so gelassen hinwegsehen wie beim Glücksrad? Andererseits: Wo sonst war ein „E“ dermaßen teuer? Oder werden sie morgen zum Sonderpreis von 9,99 Euro angeboten? Das wäre nur fair! Und wo kann ich in Zukunft Vokale kaufen? Da kommt man doch so schwer ran! Was wird nur aus Katrin Wrobel? Miss Germany hatte doch extra ihren Titel abgegeben, damit sie an der digitalen Ratewand auf Buchstaben zeigen konnte, die gerade erraten wurden. Maren Gilzer hatte es da noch viel schwerer: Sie musste die Dinger selbst umdrehen. Das Glücksrad wird uns fehlen. Ganz sicher!

RTZapper

Jetzt auch die Naddel-Biographie

Mittwoch, den 23. Oktober 2002
Tags: ,

Bei einem Blick in die Spiegel-Bestseller-Liste wird sich so mancher die Augen reiben. Dieter sein Buch hat es dort rein geschafft. Von „Nichts als die Wahrheit“ konnte Dieter Bohlen schon mehr als 300000 Exemplare unter die Leute bringen. In seinem kulturell sicherlich hochwertigen Roman erzählt er alles aus seinem Leben. Alle Höhen- und Tiefpunkte. Alles über seine Frauen. Und über Naddel. Die hat jetzt vom Dieter die Schnauze endgültig voll. Nun will sie ihn nicht mehr schonen, nun will auch sie auspacken. Alles erzählen. Schonungslos. Wir alle warten sehnsüchtigst drauf: Auch Naddel will nun eine Biografie schreiben. Da geht aber ein Ruck durch die Literaturszene! Schon jetzt freuen wir uns auf ihre geistigen Ergüsse! Die arme Naddel. Als ob sich auch nur irgendjemand dafür interessieren würde. Für ihre Sendungen und für die kläglichen Schauspielversuche hat sich ja bisher auch niemand wirklich interessiert. Und jetzt ein Buch? Nein, Naddel, erspar dir die Mühe. Geh lieber zur Boulevardpresse. Da können wir die Seiten schnell überblättern. Alles andere wäre umweltschädlich. Denk an die vielen gefällten Bäume!

RTZapper

Dr. Verena Breitenbach

Montag, den 21. Oktober 2002
Tags: ,

MO 21.10.2002, 15.00 Uhr, ProSieben

Ein Mädchen geht zum Ballett. Und obwohl sie – angeblich – streng nach Diätplan isst, wird sie immer dicker. Jetzt stehen sie, ihre Mutter und ihr Kindermädchen vor Frau Dr.Verena Breitenbach, die jetzt täglich auf Pro Sieben praktiziert. Dabei stellt sich raus, dass das Mädel Ballett hasst, aber gern nascht. Und: Sie wird von ihrer Ballettlehrerin geschlagen. Das Kindermädchen hat’s gesehen. Doch die schwieg, weiß doch die Ballettlehrerin, dass das Kindermädchen schwanger ist, das durfte ihre „Arbeitgeberin“ nicht wissen… Tief durchatmen! Frau Doktor weiß Rat. Schluss mit Ballett, die Schwangerschaft ist kein Problem. Danke. Und tschüss. Nächster Fall. „Dr.Verena Breitenbach“ gehört zu den Enttäuschungen des Jahres, da es sich einfach nur um eine schlechte Abwandlung der Gerichtsshows handelt. Immer dasselbe Schema. Problem, Gelaber, Enthüllung, die Diagnose und raus. Von Einfühlsamkeit ist da nichts zu bemerken. Breitenbach spricht, als ob sie ihre Sätze auswendig gelernt hat. Sehr unsympathisch.

RTZapper

Schnelles Geld

Dienstag, den 15. Oktober 2002
Tags:

DI 15.10.2002, Neun live

Wie nett: „Der Neun Live Goldesel schenkt Ihnen 500Euro, wenn Sie uns sagen, welcher Tag heute ist.“ Einfach! Da ist die Telefonnummer schnell gewählt. Doch was ist das? „Bitte versuchen Sie es später nochmal.“ Nun gut. Nicht durchgekommen. Was eigentlich nicht sein kann, denn „nach dem Denver-Clan rufen meist nicht so viele Leute an“, wie Moderator Robin Bade verkündet. Na gut, versuch ich’s halt nochmal. Wieder die Stimme. „Dienstagabend ist es nicht knifflig, durchzukommen.“ Ja, wenn der meint… Sagte er grad Dienstag? Heute ist Dienstag, richtig. Als dann eine gewisse Anke die Kohle gewinnt (überraschenderweise war „Dienstag“ wirklich die richtige Antwort), kann sie sich freuen, denn ihre Telefonrechnung wird sicher ein wenig erhöht sein. Denn selbst wer nur in der Warteschleife landet, blecht. Ziemlich clever, wenn auch nicht ganz astrein.

RTZapper

Was passiert, wenn…?

Sonntag, den 13. Oktober 2002
Tags: ,

SA 12.10.2002, 20.15 Uhr, ARD

Vor einiger Zeit konnten bei RTLII Showkonzepte eingereicht werden. „Was passiert, wenn…?“ ging als Sieger hervor, obwohl das Konzept Schrott war. Egal, die ARD fand’s toll – oder hatte grad keine bessere Idee. Einen guten Moderator hatten sie auch nicht: Thomas Elstner, Sohn des großen Frank, darf das Show-Gerümpel leiten. Dummerweise hat er auch die Stimme, die Schleimigkeit und die Unwitzigkeit seines Vaters geerbt. Trotzdem versuchte er, ständig Witze zu reißen, die allesamt in die Hose gingen. Cherno J. ließ grüßen. Mit den Händen in der Hose latschte Elstner über die Bühne und tat wichtig. Als er es fast nicht schaffte, ein Loch in eine Wand zu bohren, meinte er: „Jetzt seh’n Se, warum ich beim Fernsehen arbeite.“ Schlimm, denn nicht mal im Fernsehen ist er gut. Spannend war die Sendung schon gar nicht: Ein Experiment, bei dem es drei Ausgangsmöglichkeiten gibt, ist nicht überraschend. Eine verunglückte Mischung aus „Wetten, dass…?“ und „Verstehen Sie Spaß?“. Das einzig Erfreuliche: Elstner hat zehn Minuten unterzogen. Das hat Papa Frank noch nicht geschafft.

RTZapper

Die Goldene Stimmgabel 2002

Freitag, den 4. Oktober 2002
Tags: ,

DO 03.10.2002, 20.15 Uhr, ZDF

Was wäre er nur ohne uns: Wolfgang „Wolle“ Petry. Wir alle haben uns in den vergangenen Jahren in Form von vielen Freundschaftsbändern an seinem Arm verewigt. Inzwischen muss der so schwer geworden sein, die Armbänder wahrscheinlich dermaßen verschweißt und verdreckt, dass es ihm dann vielleicht doch zu viel wurde. Bei der Verleihung der „goldenen Stimmgabel“ am Donnerstag „in Ihrem Zett-De-Eff“ war der Dieter, der Thomas, der Heck ganz schön verblüfft. Wolle Petry trennt sich von seinem Freundschaftsband-Ballast. Augen zu und durch! Er reißt sie sich vom Arm wie nüscht! Ganz oder gar nicht! Aber natürlich für einen guten Zweck, ganz will Wolle seine Freunde ja nicht verprellen. Das wertvolle Material soll Unsummen von Geld bringen und gespendet werden. Bronze, Silber und Gold an Wolfgang Petry! Aber: Verlieben, verloren, vergessen: Werden ihm das die Fans verzeihen? Wird „Ye Si Ca“ Wolle weiterhin „Du bist ein Wunder“ und „Da geht mir voll einer ab“ entgegen plärren? Wird sie weiterhin sieben Tage und sieben Nächte zu Wolle halten? Warten wir die Krise einfach mal ab. Aber schickt Wolle lieber keine weiteren Armbänder. Die Zeiten sind vorbei.

aRTikel

Die Theorie war zu trocken

Dienstag, den 1. Oktober 2002
Tags: , , ,

Geburtstagskonzert: Zehn Jahre Percussiongruppe der Musikschule

MAZ Oranienburg, 1.10.2002

HENNIGSDORF
Die Theorie war den Schülern der Hennigsdorfer Musikschule vor zehn Jahren zu trocken. Sie wollten nicht nur etwas über die Musik lernen, sondern sie auch selbst machen. So entstand 1992 die Percussiongruppe. „Das erste Konzert haben wir mit sechs Titeln absolviert“, erzählt Rolf-Peter Büttner, der das Ensemble von Anfang an leitet. „Trotzdem war es gut und gern anderthalb Stunden lang.“ Beim Geburtstagskonzert am Sonntagabend im Hennigsdorfer Stadtklubhaus waren es schon wesentlich mehr Stücke.
Mehr als
„Getrommel“
Und dass so ein Percussionkonzert mehr ist, als „Getrommel und Gehämmere“ wurde eindrucksvoll bewiesen. Zwar sind aus den Schülern tatsächlich Trommler geworden, dennoch kommen in der Gruppe unter anderem auch die Gitarre, Violine, Geige, das Saxophon und der Bass zum Zuge. „Die Welt der Trommler ist riesengroß“, meint Rolf-Peter Büttner. Jedes Mitglied spielt im Laufe eines Konzertes mehrere verschiedene Instrumente. „Alle Lieder sind ständig in Arbeit.“ Und immer sei die Frage, wer könnte welches Instrument spielen. So ist auch für die Musiker ständig für Abwechslung gesorgt.
Ein besonderer Höhepunkt des Konzerts war die Erstaufführung der Misa Criolla von Ariel Ramírez. Zu hören waren Melodien aus den Anden. Für die stimmliche Begleitung sorgte der Chor der Katholischen Kirche, für dessen Einspielung Stefan Selent verantwortlich war. Am Ende gab es dafür einen kräftigen Applaus des Publikums im ausverkauften Saal.
Das Ensemble sei das erste der Musikschule gewesen, welches sie über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht habe, lobt Musikschulleiter Ronny Heinrich die Percussiongruppe. Diese zeigte ihr großes Können in den vergangenen zehn Jahren nicht nur in der Stadt und im Landkreis, sondern in aller Welt. 1994 führte der Weg in Hennigsdorfs französische Partnerstadt Choisy-le-Roi, zwei Jahre später zum Europäischen Musikfestival nach Kopenhagen. „Irgendwann hat es uns Richtung Afrika verschlagen“, erzählt Büttner weiter. 1999 reiste die Gruppe nach Ghana. Afrikanisches Flair zog dementsprechend auch ins Stadtklubhaus ein. Die Gruppe Akwaaba (zu Deutsch herzlich willkommen) hat sich auf afrikanische Trommeln spezialisiert. Unterstützung erhielt sie dabei von Adjei Adjetey aus dem Senegal, der seit kurzem auch einen Workshop an der Hennigsdorfer Musikschule leitet. Einen Auftritt hatte auch der preisgekrönte Schlagzeuger Christoph Hengelhaupt, der, begleitet von Katrin Kirchner am Klavier, sein Können zeigte.
Die musikalische Reise führte am Ende des gut zweistündigen Konzertabends nach Kuba und Brasilien: Stücke vom Buena Vista Social Club, von Carlos Santana. Lateinamerika gehört für die Musikschüler auch zu den Wunschreisezielen. Für das finale Stück „Brasil“ bat Rolf-Peter Büttner, dem die Freude an dem Spektakel anzusehen war, auch alle im Saal anwesenden ehemaligen Mitglieder der Percussiongruppe auf die Bühne.
Die nächste Reise
führt nach Taiwan
In knapp vier Wochen steht die nächste große Reise ins Haus; auch eine logistische Herausforderung: Allein 350 Kilogramm wiegen die vielen Instrumente, die auf den langen Weg nach Taiwan zum Internationalen Jugendkulturtreffen geschickt werden. Dort erwartet die Percussiongruppe ein großes Publikum. Taiwan, das flächenmäßig so groß wie Baden-Württemberg ist, hat 40 Millionen Einwohner.
Ronny Heinrich richtet seinen größten Dank an Rolf-Peter Büttner: „Durch seinen Ideenreichtum und sein Engagement spielt er eine ganz entscheidende Rolle.“