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Ein schönes Wochenende mit dem Schönes-Wochenende-Ticket

„Schluss mit lustig!“ Diese Worte bekam die fünf Monate alte Jenny nach gut zweistündiger Bahnfahrt zu hören. Jenny ist ein Hundebaby. Und Jenny war wahrscheinlich die Tapferste an diesem Sonnabendmorgen im Regionalexpress nach Rostock. Denn wenn man es genau nimmt, gab es eigentlich gerade nichts Lustiges.
Das Wetter ist toll, die Sonne scheint. Warum also nicht mal mit dem Wochenend-Ticket der Bahn nach Rostock? Preiswert, einfach, schnell. Im klimatisierten Großraumwagen noch ein bisschen schlummern. So weit die Vorstellung. Die Realität sah ein wenig anders aus.
Sonnabend, 7.35 Uhr, am Gleis 20 des Oranienburger Bahnhofs. Dicht gedrängt warten die Leute auf den Zug, der eigentlich schon längst da sein müsste. Das mit dem Platz dürfte schwierig werden, das war jetzt schon klar. Wie schwierig, zeigte sich, als der Zug dann endlich einfuhr. Schon jetzt proppenvoll! Ohne Großraumwagen. Das kann ja heiter werden! Schlaf ade! Wie auch, ohne Sitzplatz? Die waren bereits alle besetzt, genau wie auch Gänge und Treppen. Himmel und Menschen, Koffer, Taschen, Fahrräder – der Regionalexpress platzte aus allen Nähten.
Als er den Bahnhof Oranienburg verließ, gab es nur die Möglichkeit, sich irgendwo festzuhalten. Andererseits fuhr der Zug nur im Schneckentempo. Wie lange bis Rostock? Mehr als zwei Stunden. Ohne Sitzplatz, im Stehen. Ich liebe Bahn fahren!
Not macht aber erfinderisch. So musste mein Rucksack als Sitzgelegenheit herhalten. Mitten im Gang saß ich also da und bemitleidete mich. Aber immer nur so lange, bis jemand kam, den ich vorbeilassen musste. Und so schlich unser Zug durch die Gegend: durch Felder und Wälder, an der Großbaustelle des Granseer Bahnhofs vorbei, weiter gen Norden.
Jenny war die Einzige, die uns Freude machte. Obwohl Frauchen der Meinung war, dass sie viel zu unruhig sei. Oder muss sie vielleicht mal? Abhilfe wurde geschaffen: Einfach eine „B.Z.“ auf den Boden gelegt, da könne sie Pipi machen. Aber dafür, ganz tapfer, war selbst Jenny mit ihren fünf Monaten zu stolz. Statt Pipi zerfledderte sie lieber die „B.Z.“ und war damit eine Weile beschäftigt.
Glücklicherweise war die Anteilnahme unter den Sitzenden so groß, dass sie, als sie mal auf den Topf mussten, den Stehenden ihren Platz überließen.
Mit gut 20 Minuten Verspätung rollte der Zug in Rostock ein. Und raus! Endlich!

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