Monatsarchiv für Mai 2002

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Out: TV.Berlin

Donnerstag, den 9. Mai 2002
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Hand aufs Herz! Wann habt ihr das letzte Mal eine Sendung auf TV.Berlin gesehen? Okay, ich stelle die Frage anders: Wann habt ihr das letzte Mal ungefähr zwei Minuten durchgängig TV.Berlin gesehen? Oder besser so: Habt ihr schon mal von TV.Berlin gehört? Falls ihr jetzt keine der Fragen mit „ja“ beantworten konntet… dann wundert mich das gar nicht. Diese ewigen Ratgebersendungen in der Endlosschleife sind ja nun wirklich nicht sehr spannend.
Doch, halt: Einige von euch werden jetzt vielleicht protestieren! Da gibt es doch die Wiederholungen von „Formel 1“ oder die Show „Blondes Gift“ mit Barbara Schöneberger. Besonders diese Sendung rund um den Blondfaktor kann man sich durchaus antun, ist sogar oft recht witzig. Da habt ihr Recht, das sind die wenigen Highlights auf TV.B. Aber ihr habt auch Unrecht: Denn diese wenigen Highlights sind Geschichte (um irgendwie den Bogen um das heutige Hauptthema der Seite zu schlagen). Alle Sendungen, die TV.Berlin von „Sun TV“ übernahm, wurden aus dem Programm genommen. Was eventuell auch mit der Kirch-Pleite zu tun haben könnte. Aber man kann ja nun nicht behaupten, dass diese Shows total teuer waren. Beliebt aber auf jeden Fall. TV.Berlin ist jetzt jedenfalls wirklich out.

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Johannes B. Kerner: Amoklauf in Erfurt

Dienstag, den 7. Mai 2002
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FR 26.04.2002, ZDF

Am Tag des Amoklaufes in Erfurt reiste Johannes B. Kerner sofort an den Ort des Geschehens, um von dort aus eine Live-Sondersendung zu bringen. Es war schon ein wenig grotesk: Mitten in der Dunkelheit stand ein Pavillon. Darunter standen gut 45 Minuten lang diverse Leute und ließen sich von „JBK“ befragen. Darunter war auch ein 11-jähriger Junge, der auf das Gutenberg-Gymnasium geht. Nachdem schon etliche Journalisten ihre Kameras auf die schockierten Erfuter Schüler richteten, tat dies nun auch Boulevard-Talker Kerner. Um Fragen zu stellen wie „Wie fühlst du dich?“ oder „Wie war das denn?“ Die Mutter des Jungen hatte das Interview erlaubt (es gab ja bestimmt auch ein bisschen Kohle). Trotzdem gehörte dieses Interview zu den Tiefpunkten dieses sowieso schon schwarzen Tages. Peinliche , schlimme Fragen an einen kleinen Jungen. Das ist die unterste Schublade des Boulevard-Journalismus.
Das sieht Harald Schmidt offenbar genauso. Der sagte jetzt eine Preisverleihung ab, die Kerner moderiert. Mit der oben beschrieben Sendung als Begründung. Schmidt hat damit zwar Recht, aber er sollte sich noch einmal ausführlicher dazu äußern. Johannes B. Kerner, der sonst locker, flockig und informationsfrei irgendwelche Promis interviewt, hat in Erfurt versagt. Klar, das ZDF, sein Haussender, steht hinter ihm. Aber verwunderlich ist es schon, dass so etwas möglich war. Sie begaben sich damit unweigerlich auf ein Niveau, dass man vom ZDF eigentlich nicht erwartet hätte.

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ZAPPER VOR ORT: Tag der offenen Tür beim ORB

Mittwoch, den 1. Mai 2002
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MI 01.05.2002, Potsdam, ORB-Gelände

Der 1.Mai in Potsdam. Die Sonne lacht. Ein schöner Frühlingstag. Der ORB lud alle, die es interessierte, zum „Tag der offenen Tür“. Und es interessierten sich viele dafür. Sehr viele. Zu viele.
11.15Uhr. Auf dem Gelände angekommen, beschließen wir, uns an die Schlange anzustellen, an der die Leute anstanden, um sich die Redaktionsräume von „Fritz“ anzusehen. Vom Ende der Schlange war der Eingang noch nicht zu sehen. Das kann dauern.
11.50Uhr: Vielleicht 15 Schritte weiter, aber noch lange nicht am Ende, stehen wir in Sichtweite einer kleinen Bühne. Wir sind frohen Mutes. Noch. Bis um…
11.56Uhr. Es ist nicht zu verhindern. Cherno Jobatey betritt die Bühne. Ein bis zwei Leute applaudieren. Cherno macht Witze. Seine Fans lachen. Alle beide. Wann merkt Cherno endlich, dass ihn niemand leiden kann?
13.15Uhr: Wir warten noch immer. „Der Sonne entgegen“-Moderator Andreas Hahn betritt die kleine Bühne. Im Gegensatz zu Jobatey ist er richtig komisch. Echt locker drauf. Guter Mann!
13.42Uhr: Die Sonne brennt. Der Eingang kommt näher. Aber die Schlange davor wird immer breiter. Die Tortur nimmt kein Ende.
13.51Uhr: Es ist eng. Heiß. Unerträglich. Alle zehn Minuten werden ungefähr zehn Leute reingelassen. Das kann noch dauern.
14.04Uhr: Wieder einen Schritt weiter. Aber das „Fritz“-Studio bleibt unerreichbar.
14.05Uhr: Schluss. Aus. Ende. Wir werden die heiligen Hallen des Jugendsenders nicht sehen. Wir geben auf. Drei Stunden umsonst angestanden. Aber noch mal zwei Stunden warten? Nein.
Es ist überall so voll. Mehr als 60000 sollen es sein. Viel zu viele. Wenigstens machte uns die „Tagesschau“-Bühne ein wenig Freude. Das war es dann aber auch.