Monatsarchiv für Mai 2002

RTZapper

Eurovision Song Contest 2002

Sonntag, den 26. Mai 2002
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SA 25.05.2002, 21.00 Uhr, ARD

Was is’ los? Corinna May, die große Favoritin und der Liebling des Grand Prix, hat nicht gewonnen? Nur der 21.Platz? Lächerliche 17 Punkte? Was ist denn da bloß schief gelaufen?
Stattdessen stand Lettland auf dem Siegertreppchen. Marie N., die auf die Nennung ihres Nachnamens lieber verzichtete, weil ihre Eltern nicht wissen durften, dass sie an der Popsause teilnahm, hat es geschafft. Und auch das nur, weil die Portugiesen kurzfristig abgesagt haben und deshalb die Letten teilnehmen konnten. Griechenland schickte vier Power Rangers ins Rennen, die dem Publikum wohl ein bisschen Angst einjagen sollten. Das schafften sie auch. Aber weniger durch das Kostüm, sondern mehr durch den… na ja, Gesang. Irritationen gab es bei der Kroatin Vesna Pisarovic. War ihr Kleid kaputt? Ihr hing nämlich die ganze Zeit ein schwarzer Fetzen an der Hand herunter. Womit sie aussah wie eine von den 0190-Dominas („Ruf – mich – an!!“).
Aus Russland kamen „Prime Minister“. Was an sich schon verwirrend ist. Und: Russland sang auf Englisch. Ja, sind wir denn schon so weit? Da kommt Papa Bush kurz nach Russland, erklärt den Kalten Krieg für beendet und schon trällern die Russen in der Ex-Feindessprache.
Belgien war mit Sergio, einem DJ-Ötzi-Verschnitt, vertreten. Seine Hintergrund-Sängerinnen sahen dagegen aus wie Öko-Tanten, die wohl nur unter Protest mit auf die Bühne kamen. Die drei Background-Sängerinnen der Türkei wurden durch einen Mann verstärkt. Der dort aber sehr deplatziert aussah. Aber wahrscheinlich hat er erst am Freitag erfahren, dass er seine Freundin vertreten muss. Dann ist es natürlich klar, dass das alles ein wenig unbeholfen aussah. Aber doof lächeln, das konnte er. Wenigstens was. Die Rumänen hatten eigentlich einen schönen Song, nur der Gesang hat ein wenig gestört.
Ira Losco aus Malta hat ihr Kleid, wie es aussah, aus fünfter Hand im Sonderangebot bei Aldi erstanden: Sechs Jahre lang lag es zu recht unbeachtet in der Kramkiste. Zuletzt hat es nur noch 3,99Euro gekostet. Die slowenischen Sänger in ihren glitzerroten Kleidern (ja, es waren Männer!) sahen eher aus wie eine Bildstörung. Als ob mein Satellitenempfang durch einen kräftigen Hagelschauer gestört war. Einen interessanten Pullover hatte der Kollege aus Litauen an. Aus allem, was grad noch an Stoffen da war, wurde dieses unsägliche Teil zusammengehäkelt: rosa, blau, weiß – grässlich! Gewohnungsbedürftig war auch die Moderatorin des Abends, denn ihre hohe Stimme hat bei vielen Migräne-gefährdeten Zuschauern bestimmt einen heftigen Anfall ausgelöst.
Tja, und unsere Corinna? Sie hat sicherlich eine gute Stimme. Aber wozu braucht sie einen schlechten Chor im Hintergrund? Der sich nur wichtig tut? Aber, vor allem, wie geht es eigentlich Ralph Siegel? Der muss doch vollkommen am Boden zerstört sein! Wird er sein Versprechen halten und bitte, bitte nicht am nächsten Grand Prix teilnehmen? Komm, Ralph, tu dir und vor allem uns den großen Gefallen.

RTelenovela

George Dabbeljuh kommt

Mittwoch, den 22. Mai 2002
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Heute und morgen wird es in Berlin mal wieder so richtig spannend. George „Dabbeljuh“ Bush besucht unsere schöne Hauptstadt. Und bringt helle Aufregung mit. Auch für die Studenten der Berliner Humboldt-Uni.
Eines der Gebäude, wo ich mehr oder weniger fleißig studiere, grenzt direkt an das der US-Botschaft. Vor meiner Latein-Stunde am Freitag wurden wir recht ausführlich darüber belehrt, was passiert, wenn ein Alarm in unserem Haus ausgelöst wird. Falls zum Beispiel eine Bombe gefunden wird. Unter unseren Räumen liegt nämlich die Tiefgarage der Botschaft und des Maritim-Hotels nebenan. Also, man weiß ja nie! Heute Nachmittag und den ganzen Donnerstag ist unser Gebäude sogar total abgesperrt. Aber auch davor werden garantiert schon viele nette Polizisten unsere Wege kreuzen. Darauf muss man sich vorbereiten. Bloß nicht verdächtig gucken! Immer freundlich lächeln! Und sich auf George Dabbeljuh freuen. Und auf die Zeit danach, wenn alles wieder ruhiger wird.

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Ken FM

Sonntag, den 19. Mai 2002
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SO 19.05.2002, Berlin, SonyCenter

Zu den momentan wirklich besten Radiosendungen zählt „Ken FM“, jeden Sonntagnachmittag auf Fritz. Die vierstündige Show wird live im Sony-Center, gegenüber vom „CineStar“, auf dem Potsdamer Platz in Berlin produziert. Jeder, der will, kann dabei sein. Und das sogar ganz umsonst.
Das Studio ist kleiner, als wir uns es vorher vorgestellt hatten. Auch spricht Moderator Ken Jebsen immer von einer Bühne, die es aber dort nicht wirklich gibt. Insofern zerstört man sich schon einige Illusionen, wenn man live bei „Ken FM“ dabei ist.
Jebsen, in einem merkwürdig hellgrünen Anzug, ist eindeutig der Chef im Ring. Er macht auf den Beobachter immer einen konzentrierten, fast schon unnahbaren, arroganten Eindruck. Ob er wirklich so ist oder ob das nur eine Masche von ihm ist – so genau weiß das keiner. Wahrscheinlich nicht mal Hans-Günter Meyer von der „Pressesch(l)au“. Den hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt: klein, dick, mit Brille. In Wirklichkeit ist er klein und schmächtig mit lockigen, halblangen Haaren.
Das Thema am Pfingstsonntag war der „Wald“. So spielten Jebsens Gäste ein Picknick, das Publikum war für die Waldgeräusche zuständig. Jeder wird eingespannt, langweilig wird es als Zuschauer nie. Denn von der einen auf die andere Sekunde hält man plötzlich einen Zettel in der Hand. Alle müssen mitsingen: „Auf einem Baum ein Kuckuck – sim sa la dim, bam ba, sa la du, sa la dim…“

RTZapper

Die 80er-Show

Sonntag, den 19. Mai 2002
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SA 18.05.2002, 21.15 Uhr, RTL

Irgendwie waren die 80er ja nie so ganz verschwunden. Aber RTL hat diese Zeit nun doch noch mal richtig ins Bewusstsein der Menschen geführt. Jeden Sonnabend gibt es in der „80er Show“ Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Und das sogar überraschend gut. Gezeigt werden Rückblicke auf die wichtigsten Ereignisse, die größten Fernseh-Highlights, die beste Musik des jeweiligen Jahres sowie die erstaunlichsten Trends. Und wenn nicht gerade die No Angels zu Gast sind, die nun wirklich nichts mit den 80ern zu tun haben, ist das eine perfekte Mischung. Wahrscheinlich schwelgen die Leute lieber in Erinnerungen, als nach vorn zu blicken. Und es funktioniert prächtig: Die Quoten sind enorm! RTL hatte wohl mal wieder den richtigen Riecher.

RTZapper

Michele, Riewas Granate im Bett

Dienstag, den 14. Mai 2002
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Hier ist RTiesler.de mit der Tagesschau. Guten Morgen, meine Damen und Herren. Wie aus der Boulevardpresse zu erfahren war, haben Schlagersternchen Michelle und der Nachrichtensprecher Jens Riewa eine heiße Affäre gehabt. „Michelle ist eine Granate im Bett“, ließ Riewa verlauten. Das Paar habe schon zusammen gewohnt und viele Pläne geschmiedet. Riewa versprach dem Schlagerstar, dass er ihr ganz viele Kinder machen wolle. Michelle, die mit „Wer Liebe lebt“ 2001 am Grand Prix Eurovision teilgenommen hatte, soll aber unterdessen wieder ausgezogen sein. Die Affäre sei schon längst wieder beendet, ließ sie wiederrum in der Presse verlauten. Sie bestätigt allerdings, das auch Riewa ihr seine Qualitäten im Bett offenbart hat. Die Affäre sorgte in der Presse für erhebliche Verwirrung. Die Aussagen widersprachen sich teilweise. So melden einige Blätter, dass Michelle und Riewa gar keinen Sex miteinander hatten. Unterdessen sorgt Riewas Liebesgeständnis bei der ARD für Ärger. Einige der Intendanten äußerten ihr Unverständnis, dass der Nachrichtensprecher dermaßen ungezügelt über sein eventuelles Liebesleben plauderte. Die Seriösität der „Tagesschau“ sei in größter Gefahr. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Und nun die Wettervorhersage für morgen, …

RTelenovela

RockPopJazz

Sonntag, den 12. Mai 2002
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Es ist war ein wenig erschreckend, was da am Wochenende in Strausberg abging. Die Besucherzahl war eigentlich gleich 0. Es gab offensichtlich überhaupt keine Resonanz. Es waren zwar ein paar Leute da, aber die gehörten überwiegend zu den Bands, die eben grad nicht gespielt haben.
Wurde keine Werbung gemacht? Oder interessiert sich niemand für junge Nachwuchsbands? Ich begreife es nicht.
Andererseits hat sich auch die Jury des ganzen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Entscheidungen waren sehr fragwürdig. Am Ende wurden vier Bands gewählt, die noch einmal auftreten durften. Mindestens eine davon waren eine glatte Fehlentscheidung. Allerdings schien der Modus auch nicht so gewesen sein, dass eben nur die besten Bands ins Finale kamen… Diese Sachen stellten den Wert der ganzen Veranstaltung in Frage.
Ich möchte nicht damit sagen, dass GS nun unbedingt ins Finale gehört hätten (oder doch?), aber ich möchte schon anmerken, dass wenn die Kindercombo “Stressband” es ins Finale schafft, man sich schon darüber seine Gedanken macht… Aber so ist das Musik-Business.
Meine Favoriten übrigens: Cockring, Ars Vivendi…
Aber egal, denn: “Das Leben ist eine Party!!” und “Ich kann auf eignen Füßen stehn!”

RTelenovela

Der große ABBA-Abend

Freitag, den 10. Mai 2002
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Es gibt Momente, da ärgert man sich ganz gewaltig, dass man weder eine Videokamera noch ein Diktiergerät dabei hat, um alles, was gerade passiert, festhalten zu können. Gestern war so ein Moment.
Es hatte etwas von einer Klassenfahrt. Der „Alte Gutshof“ in Strausberg, eine Art Jugendherberge. Ein großes Zimmer mit sechs Doppelstockbetten. Darin sind drei der Bands einquartiert, die am RockPopJazz-Festival des Landes Brandenburg teilnehmen. Auch Greensession. Man kann nicht gerade behaupten, dass man vom Fußboden des Raumes essen könnte. Flaschen, Papier, Sand, Rucksäcke, Decken, diverse Instrumente – alles liegt wie wild im ganzen Zimmer verstreut.
Rafi, Flo und Benny sind vom ersten Konzerttag, der gerade zu Ende gegangen ist, ein wenig geschafft. Die drei haben sich in ihre kleine Ecke verzogen und bereiten sich noch einmal auf ihren Auftritt am Sonnabend vor. Christoph kam erst heute dazu. Er bereitet sich auf den Wettbewerb „Bester Schlagzeuger Brandenburgs“ vor, bei dem er den 2.Platz erreichte.
Die Stimmung auf dem Zimmer ist gut, auch die anderen spielen auf ihren Instrumenten, auch wenn der Alkoholpegel bei einigen von ihnen schon bedenklich hoch ist. Flo haut in seine Klaviertasten und nervt Rafi mit diversen ABBA-Songs.
„Ihr seid die von Greenspirit, oder?“, fragt jemand von der anderen Band. Und dann kommt der Moment der Wahrheit: „Wieso heißt ihr eigentlich Greensession?“ Die Frage können die Jungs ja bekannterweise selbst nicht mehr so genau beantworten. So lenkt Rafi auch geschickt vom Thema ab. Benny, der es sich auf Flos Liege bequem gemacht hat, ist inzwischen eingeschlummert. Auch einige andere liegen schon in ihren Betten. Der Abend in der Herberge neigt sich dem Ende zu. Und keine Kamera, kein Diktiergerät weit und breit. Echt schade.