Monatsarchiv für Januar 2002

RTZapper

Bereitschaft Dr. Federau

Montag, den 28. Januar 2002
Tags: , , ,

SO 27.01.2002, MDR

„Wo macht ihr Urlaub?“ „In 1401 Zühlsdorf.“ Ja, da wird man hellhörig. Der MDR zeigt sonntags die Serie „Bereitschaft Dr.Federau“, produziert 1988 vom DDR-Fernsehen. Und eben diese Dr.Federau machte mit ihrem Sohn Urlaub auf einem Zeltplatz in Zühlsdorf. Als ihr Geliebter sie besuchen will, holt sie ihn vom Bahnhof Oranienburg ab. Doch was ist das? An den Häusern, die im Hintergrund zu sehen sind, kann man erkennen, dass diese Szene nicht in Oranienburg gedreht worden sein kann. Was für eine Enttäuschung! Also hat auch das DDR-Fernsehen seine Zuschauer betrogen. Und wer weiß, in welchem Ort die Szenen vom Zühlsdorfer Zeltplatz wirklich auf die Filmrolle gebannt wurden.

aRTikel

Niemand stand Andri zur Seite

Mittwoch, den 23. Januar 2002
Tags: , ,

Schüler des Louise-Henriette-Gymnasiums beeindrucken mit Theaterstück von Max Frisch

MAZ Oranienburg, 23.1.2002

ORANIENBURG
„Ich gebe zu, ich hab ihn nicht leiden können.“ „Ich bin nicht schuld, dass es so gekommen ist.“ Ein junger Mann ist tot. Er wurde umgebracht. Und niemand stand ihm zur Seite. Niemand hat es verhindert. Denn es hätte verhindert werden können.
Mit dem Stück „Andorra“ des Schweizer Schriftstellers Max Frisch ging am Donnerstag und Freitag der Kurs Darstellendes Spiel 13.1 des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiums in die Öffentlichkeit. Unter der Leitung ihres Lehrers Achim Dawid haben die Schülerinnen und Schüler ein gutes Jahr an dem Stück gearbeitet.
Vor vielen Jahren hat ein Lehrer (Olaf Zwietschkowski) ein jüdisches Waisenkind aufgenommen. Damit, dass Andri ein Jude ist, gab es nie Probleme. Inzwischen ist aus Andri (Michael Martin) ein junger Mann geworden, in seine Familie hat er sich gut eingelebt. Sehr gut sogar. Seine Stiefschwester Barblin (Denise Ahrendt) ist gleichzeitig auch seine Freundin. Andri würde sie gern heiraten, was dem Vater gar nicht passt.
Die Zeiten ändern sich. Langsam, aber durchaus merklich. „Wenn die Schwarzen von drüben kommen, wird vieles schlechter“, heißt es. Mehr und mehr schlägt Andri Misstrauen und Hass entgegen. Immer mehr Soldaten tauchen auf. Und auch eine geheimnisvolle Senora (Cornelia Friedrich), die sich besonders um Andri zu kümmern scheint. Nicht ohne Grund: Sie ist Andris richtige Mutter. Mehr noch: Der Lehrer, der vorgab, Andri adoptiert zu haben, ist in Wirklichkeit sein richtiger Vater. Die Affäre mit der Senora wollte er nie zugeben. Damit steht aber auch fest, dass Andri Barblins richtiger Bruder ist. Und: Er ist gar kein Jude. Doch das kann das Volk nicht glauben („Aber man sieht es ihm doch an!“) und Andri selbst auch nicht. Als er fälschlicherweise eines Mordes bezichtigt wird, steht das Todesurteil fest.
Das Ende ist bedrückend. Da wirkt der heftige Applaus des Publikums am Ende fast befreiend. Viel Beifall für ein bewegendes und fesselndes Stück, welches die jungen Leute sehr gut umgesetzt haben.
Den Vorschlag, „Andorra“ aufzuführen, hat Achim Dawid seinen Schülern selbst gemacht. „Die Proben waren sehr anstrengend“, erzählt Michael Martin (Andri). „Es war ein schwieriger Prozess“, ergänzt Achim Dawid. Doch die Mühe hat sich gelohnt.
Das Stück ist zeitlos, die Problematik nicht unbekannt. Für den einen oder anderen vielleicht ein kleiner Denkansatz.

RTelenovela

Wir haben Hunger!

Samstag, den 19. Januar 2002
Tags: , , , , , ,

Wir wollen uns entschuldigen. Bei den Gaststätten entschuldigen, die wir am Sonnabendabend mit unserem ziemlich anspruchsvollen Anliegen behelligt hatten.
Zurück aus der Templiner Naturtherme, packte uns der Hunger. Sonnabend, kurz nach 20 Uhr. Bestimmt kein Problem, irgendwo auf der Strecke nach Hause kurz anzuhalten, um etwas zu essen.
Bei unserem ersten Halt, eine Kneipe im uckermärkischen Hammelspring, wurden wir glatt ignoriert. Nach längerem Warten am Tisch fragten wir die Frau an der Theke nach der Karte. Ohne Erfolg. Nun gut. Unser zweiter Stopp erfolgte in Liebenwalde. Schon der Weg vom Auto „Zur Maus“ war beschwerlich. Der Parkplatz war spiegelglatt. In der Gaststätte bekamen wir dann nur zu hören, dass es heute nichts zu essen gibt. Heute, am Sonnabend. Wir hätten uns hemmungslos betrinken können, aber essen? Unsere Stimmung sank bedenklich. Konnte das wirklich sein? Am Sonnabend gibt’s in der Provinz nichts zu beißen?
Unsere letzte Hoffnung: die Gaststätte „Rahmersee“ in Wensickendorf. Die eigentlich ziemlich blöde Frage „Bekommen wir hier was zu essen?“ wurde mit der erschreckenden Auskunft beantwortet, dass der Wirt den Koch schon nach Hause geschickt hat. Große Klasse. Sonnabend um etwa 20.30 Uhr. Keine Chance. Nichts zu essen. Nicht in der Provinz. Zum Glück gibt’s ja noch das „Hotel Mama“ von Marcel, das verhinderte, dass wir den Hungertod starben.
Und wir versprechen ehrlich, hoch und heilig: Wir werden die Wirte der tiefen Provinz nie wieder am Sonnabendabend mit dem Wunsch belästigen, etwas zu essen zu wollen.

RTZapper

Vorsicht, Bombe!

Samstag, den 19. Januar 2002
Tags: ,

FR 18.01.2002, ORB

Eines muss man den Oranienburgern ja lassen: Sie sind alles andere als zimperlich. Das konnte man am Freitagabend in der ORB-Reportage „Vorsicht, Bombe!“ über die Bombenentschärfung unter dem Neubaublock sehr gut beobachten. Der Reporter fragte die Evakuierten, ob sie denn auch ordentlich Angst haben, jetzt, wo die Gefahr so nah sei. Doch die Oranienburger, ganz tough, verneinten. Warum auch? Ist ja nicht das erste Mal, dass sie evakuiert wurden. Sie ließen einen verwirrten ORB-Reporter zurück.
Interessant ist auch die Art, wie Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm dem Sprengmeister ihr Okay gab. Einfach den Telefonhörer abnehmen, die Hand über dem Apparat schweben lassen und lossprechen. Ohne eine Nummer gewählt zu haben. Ich glaube nicht, dass die Szene gestellt war. Deshalb: Meinen Glückwunsch, Frau Holm, so einfach möchte ich auch mal telefonieren.

aRTikel

Alles wird eben teurer

Mittwoch, den 16. Januar 2002
Tags: , , , , , ,

Den neuen Euro-Preisen auf den Grund gegangen / Imbiss und Videothek ziehen an

MAZ Oranienburg, 16.1.2002

OBERHAVEL
Der Euro: zurzeit das Top-Thema. Aufmerksam laufen wir durch die Straßen, studieren Preise, rechnen noch in D-Mark um. Und stellen fest: Vieles ist teurer geworden. Jedenfalls im Freizeitbereich. Da uns in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Anfragen zu diesem Thema erreichen, wollen wir dem heute in einigen Bereichen auf den Grund gehen.
Imbisse: Ein junges Mädchen beugt sich in einem Bergfelder Döner-Imbiss zum Verkäufer: „Kann ich mal was sagen? Die Döner werden auch immer kleiner.“ Da mag was dran sein, auf alle Fälle sind sie mit der Umstellung auf den Euro auch teurer geworden. Zumindest an den Oranienburger Imbiss-Ständen wurden die Preise recht kräftig erhöht. So hat ein Döner mit Soße letztes Jahr in den meisten Fällen 4Mark gekostet. Jetzt bezahlt man in Oranienburg zwischen 2Euro (3,91Mark) und 2,30Euro (4,50Mark). „Die alten Preise haben uns auch besser gefallen“, meint etwa Monte Carlos, Vorarbeiter bei „Carollis City Snack“ in der Oranienburger Breiten Straße. Die Lieferanten hätten die Preise sehr angezogen. „Wir wollen uns ja auch über Wasser halten“, sagt er. „Unsere Preise liegen unter dem Limit.“ Der City Snack wolle seinen Kunden auch weiterhin Qualität bieten. „Würden die Lieferanten uns Preisnachlässe bieten, könnten wir auch wieder mit den Preisen runtergehen“, erklärt Carlos weiter.
Am Imbiss in Bergfelde hingegen findet man Preise vor, die sogar niedriger sind als vor der Umstellung auf den Euro in Oranienburg. Der Döner mit Soße ist hier für 1,80Euro (3,52Mark) zu haben. Worunter die Qualität des Döners keineswegs leidet.
Discos: Beim „Magic Gate“ in Hennigsdorf waren am Sonnabendabend 12,50Euro (24,45Mark) zu zahlen. Der Preis ist somit ein wenig gefallen. Auf fast gleichem Niveau hält sich auch die „Beat-Fabrik“ Marwitz. 4Euro (7,82Mark) kostet der Eintritt.
Kinos: Auch die Kinos in Oberhavel haben sich mit Preiserhöhungen weitestgehend zurückgehalten. Pro Film zahlt man im Oranienburger „Filmpalast“ am Wochenende 6Euro (11,73Mark), im Hennigsdorfer „Kinocenter im Ziel“ 6,20Euro (12,13Mark). Die Preise sind verhältnismäßig stabil. Im Berliner CinemaxX-Colosseum bezahlt man dagegen 7,50Euro (14,67Mark). Hier wurde noch einmal einiges draufgeschlagen. Im Hennigsdorfer „Ziel“-Kino ist allerdings noch ein weiteres Problem aufgetaucht. So wurde uns berichtet, dass ein Kinobesucher am Sonnabendabend seinen Eintritt nicht mehr in D-Mark bezahlen konnte. Die Kassiererin weigerte sich. Das Kino nehme grundsätzlich keine D-Mark mehr an. Die MAZ fragte daraufhin bei Ewald Barth, Gesellschafter des Kinos, nach. Der war erstaunt. „Das kann eigentlich nicht sein. Die Kassiererin hat andere Anweisungen. Wir haben eine große Kasse mit Wechselgeld.“ Auch weiterhin könne man im „Kinocenter im Ziel“ mit D-Mark bezahlen.
Videotheken: Auch hier gibt es Preissteigerungen. Bei „City Video“ in Oranienburg bezahlt man pro Video 1,35Euro (2,64Mark), über Nacht 2,70Euro (5,28Mark, 28Pfennige mehr). Allerdings gibt es Sonderpreise für Kunden, die sich drei Videos ausborgen.
Ebenfalls tiefer in die Tasche greifen müssen Kunden in der Oranienburger „Video World“. Kostete die Ausleihe pro Geschäftstag vorher 3Mark, sind es nun 1,70Euro (3,32Mark). Ein Verantwortlicher war hier leider nicht zu sprechen. Der Kommentar, den wir am Telefon von einer Angestellten bekommen haben, trifft ja auch so genau den Punkt: „Alles wird eben teurer.“

aRTikel

Angeeckt: Den Hass im Hirn

Mittwoch, den 16. Januar 2002
Tags: ,

MAZ Oranienburg, 16.1.2002

Deutschland ist ein ausländerfreundliches Land. Das will es zumindest sein. Dafür wird auch zu jedem erdenklichen Anlass demonstriert. Dann gehen Hunderte, ja oder auch Tausende auf die Straße. Das ist an sich auch eine sehr gute Sache. Zeigt es doch, dass eben nicht so viele Menschen in unserem Land denken, dass Ausländer hier bei uns nichts verloren hätten.
Doch dann, wenn die Demonstrationen vorbei sind, wenn die großen Worte alle gesprochen wurden, dann müssen auch Taten folgen. Denn eines ist klar: Der Kampf gegen den Ausländerhass ist noch lange nicht vorbei. Er beginnt im Kleinen Kreis. Bei jedem von uns. Es gibt jedenfalls keinen Grund, Angst zu haben, wenn ein Dunkelhäutiger die S-Bahn betritt. Oder im Supermarkt hinter uns an der Kasse steht.
Der Hass im Kleinen, im Gehirn, im Denken der Menschen, das ist das eigentliche Problem. Wenn die Eltern mitbekommen, dass ihr Sprössling einen ausländischen Partner hat. Womöglich noch einen Schwarzen. Wer das nicht akzeptieren will, stößt damit auch den eigenen Sohn, die eigene Tochter vor den Kopf. Nur ein Beispiel von sehr vielen.
Überall, ob in Oranienburg, in Liebenwalde, in Berlin oder München, es sollte klar sein: Wir sind nichts Besseres. Aber vor allem: Menschen mit anderer Hautfarbe sind nichts Schlechteres. Legt diese Arroganz, dieses dumme Unwissen, ab.

RTZapper

Nachtschatten

Dienstag, den 15. Januar 2002
Tags: ,

DI 15.01.2002, Oberhavel TV

Mittagspause. Die Gelegenheit, mal zu Oberhavel TV zu schalten. Aber was ist das? Zu sehen war ein Spielfilm. Oder besser gesagt, ein Videofilm mit schwarzen Balken am oberen und unteren Bildrand. Moderator Arno Gross stellte einen von ihm selbst gedrehten Kurzfilm vor, eine Low-Budget-Produktion. Das „low“ sah man der Produktion auch an.
Vielleicht war ich zu sehr mit meinem Mittagessen beschäftigt, aber für eine vernünftige Story hat’s nicht gereicht. Nür für ein paar Blutspritzer, oder besser, einen Klacks Ketchup an der Wand. Ein junges Mädchen mutiert in dem Film zu einer Vampirin. Und knabbert als solche diverse Typen an.
Vielleicht sollte ich meine selbst gedrehten Videos auch mal im Fernsehen ausstrahlen lassen. Aber ich glaube, das wäre dann doch zu peinlich. Vielleicht macht ja Oberhavel TV wenigstens eine vernünftige Serie draus, in der junge Talente ihren Film vorstellen können. Das wäre dann echt mal innovativ.
Übrigens: Wann sendet Oberhavel TV endlich mal ein Senderlogo, damit man es leichter findet?