Tagesarchiv für 27. September 2001

RT im Kino

Sass

Donnerstag, den 27. September 2001

Ein wenig merkwürdig ist das Ganze ja schon. Da kommen zwei junge Typen mit ihren Freundinnen in eine große Veranstaltungshalle, woraufhin der Sänger sein Programm unterbricht und die beiden den anderen Gästen groß vorstellt. „Franz und Erich Sass sind unter uns!“ Großer Applaus brandet auf. Dabei ist die Prominenz der beiden Brüder eigentlich eher zweifelhaft: Franz (Ben Becker) und Erich Sass (Jürgen Vogel) sind mit Einbrüchen in diverse Banken berühmt geworden. Die Polizei konnte ihnen bisher nichts beweisen.

Berlin in den 20er-Jahren. Mit ihrer Autowerkstatt können die Gebrüder Sass nicht viel Geld machen. Dann kommt auch noch ein wichtiger Mensch vom Finanzamt, um die Steuern einzutreiben. Geld, das die beiden Mechaniker nicht haben. Geld, das sich Franz und Erich vom Finanzamt zurückholen. Illegal. Ihre Methoden für die Einbrüche sind für die damaligen Verhältnisse neu und noch nie dagewesen. Mit einem Schneidbrenner knacken sie jeden Tresor.
Das Geld, das sie erbeuten, stellen sie in der Öffentlichkeit zur Schau. Teure Anzüge, teure Autos. Trotzdem tappt die Polizei (Henry Hübchen als Kriminalsekretär) im Dunkeln, die Kinder auf der Straße spielen „Gendarm und Sass“. Erich stellt sich mit den Worten „Hallo, wir sind Einbrecher“ vor.
Doch der ganz große Coup steht den beiden noch bevor. Und wenn der schief geht, dürfte es vorbei sein mit Ruhm und Ehre.

„Sass“ lebt größtenteils von seinen beiden Hauptdarstellern Ben Becker und Jürgen Vogel, die erstmals gemeinsam vor der Kamera stehen. So kann man es auch verschmerzen, dass der Film an sich nicht so ganz der große Wurf ist. Da „Sass“ gewissermaßen mit dem Ende anfängt, kommt nie eine wirkliche Spannung auf.
Viel interessanter ist, zu beobachten, wie das Umfeld der Brüder auf die Einbrüche reagiert. Der plötzliche Ruhm, die besorgten Eltern, die Schwierigkeiten.
Was allerdings streckenweise sehr auf die Nerven geht, ist die recht aufdringliche und schwülstige Musik. Hier wäre weniger wohl mehr gewesen. Hervorragend ist dagegen die Ausstattung, die den Zuschauer ins Leben der 20er-Jahre eintauchen lässt.