Monatsarchiv für Juni 2001

aRTikel

Imbiss-Test: Döner weggepackt, Cola alle

Mittwoch, den 27. Juni 2001
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Imbiss-Test (15): “Gartenstehcafé” in Oranienburg

MAZ Oranienburg, 27.6.2001

ORANIENBURG
Die Unsicherheiten beginnen schon beim Imbiss-Namen: Auf dem Schild über dem Büdchen an der Germendorfer Chaussee 6 in Oranienburg steht „Gartenstehcafé”. an der Seite „Garten-Imbiss” und am Zaun „Ulla’s Döner und Curry”. Ja, was denn nun? Die Unsicherheiten setzen sich beim Preis des Döners fort. Zwei unterschiedliche Preise erfährt der Besucher beim Lesen der diversen Schildchen.
Allerdings gibt es ungefähr eine Viertelstunde vor der Schließzeit sowieso keinen Döner mehr, weil der schon weggepackt wurde. Schade eigent-
lich. Wer ihn dann aber doch (zu einer Zeit, die dem Verkäufer besser passt!) bekommt, der hat einen recht ordentlichen Döner in der Hand.
Problematisch wird es aber wieder bei den Getränken. Die Cola, ein wirklich rares Produkt, kann schon mal ausverkauft sein. Das passiert eben.
Darüber, was eine Currywurst ausmacht, sollte der Verkäufer dringend aufgeklärt werden. Es ist keine Bratwurst mit wenigen Spritzern Ketchup (neben der Wurst!). Wer Pommes Frites einzeln bestellt, wird auch nicht sehr glücklich. Für eine Prise Salz reicht es nicht, triefendes Fett gibt es dagegen reichlich. Ab in die Imbiss-Schule!
Bänke und Tische sind vorhanden, allerdings wäre es doch eine Idee, sie in den hinten gelegenen Garten zu stellen. So in der prallen Sonne an der Straße ist es jedenfalls weniger schön.

Wertung (von* bis *****):
Döner: ****
Cheeseburger: * * *
Currywurst: *
Pommes Frites: * *
Service: ***
Preise: * * * *
Gesamtwertung: 4

RTZapper

Gipfeltreffen

Montag, den 25. Juni 2001
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SO 24.06.2001, 22.00 Uhr, ZDF

Bei der Fülle an Talkshows muss man sich neue Tricks einfallen lassen, um heraus zu ragen. Das ZDF hat so einen Versuch mit dem „Gipfeltreffen” gestartet. Das Ergebnis war am Sonntagabend zu bestaunen.
Roger Willemsen lädt einen Promi ein. In diesem Fall Herbert Grönemeyer. Aber nicht in ein Studio. Nein, Willemsen und Grönemeyer spazierten durch Bonn. Setzten sich in ein Straßencafé und plauderten. Zwischendurch bittet ein ältlicher Fan Herbert um ein Autogramm. Dann ein Spaziergang durch den Park sowie ein Abstecher zum Konrad-Adenauer-Denkmal. Wir erfahren, dass Herbert die alte und die neue Regierung gleichermaßen schlecht findet.
Den zweiten Promi, Paul Spiegel (Vorsitzender des Zentralrates der deutschen Juden), trafen sie in einer Kneipe. Ob sie so leer war, weil das ZDF darin filmte oder ob die Gaststätte immer so schlecht besucht ist, blieb offen.
Zumindest wissen wir jetzt mehr über Herbert. Und über Bonn auch.

RTZapper

Live aus dem Abgeordnetenhaus

Sonntag, den 17. Juni 2001
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SA 16.06.2001, B 1

„Gechichte live” wie unser Ex-Kanzler Helmut Kohl zu sagen pflegte, war am Sonnabend auf B 1 zu erleben. Dort würde nämlich die außerordentliche Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses übertragen, bei der Eberhard Diepgen als Regierender Bürgermeister abgewählt wurde und Klaus Wowereit an seine Stelle trat.
Und das war Spannung und Entertainment pur. Ein Parlamentspräsident, der den Abstimmungsberechtigten erklärt, wie diese Prozedur abgeht. Klingelzeichen, die ldentifizierungskarte in die richtige Ritze schieben, abwarten und wieder ein Klingeln. Und wer nicht zufällig seine Bankcard oder sonst was in den Schlitz geschoben hatte, hat’s sogar richtig gemacht, Zukunftsfernsehen. Handzeichen sind out.
Aber auch wer heftige Wortgefechte liebt, wurde am Sonnabendnachmittag bedient. Über die Frage, ob sich die Senatorenanwärter den Abgeordneten vorstellen müssten, zofften sich die Parteien und machten die Übertragung zum Komödienstadel.
Schön, dass Politik nicht immmer nur trocken ist, sondern auch mal richtig spannend sein kann.

RT im Kino

Wie Feuer und Flamme

Donnerstag, den 14. Juni 2001

Berlin im Jahre 1982. Mitten durch die Stadt geht die Mauer. Auf der einen Seite die Hauptstadt der DDR, auf der anderen West-Berlin, das zur Bundesrepublik gehört.
Die 17-jährige Nele (Anna Bartheau) reist zu einer Beerdigung in den Osten. Dort allerdings begegnet ihr Captain (Antonio Wannek), ein Punk. Und alles wird anders. Nur wenige Tage später reist Nele erneut nach Ost-Berlin, um in einer Kirche ein Punk-Konzert, auf dem Captain spielt, zu besuchen. Dieses Konzert wird auch vom Team der Sendung „Kennzeichen D“ gefilmt. Doch die Punks zerstören die Aufnahmen. Sie denken, die ZDF-Leute seien in Wahrheit von der Stasi. Somit sind aber auch alle Hoffnungen zerstört, im West-Fernsehen auftreten zu können oder gar einen Plattenvertrag zu bekommen. Die Lösung: Die Punks drehen selbst einen Film. Nele schmuggelt ihn in den Westen. Doch was dann im ZDF zu sehen ist , hat nicht viel mit dem zu tun, was sie eigentlich erreichen wollten. Die Stasi wird auf die Gruppe aufmerksam. Für Captain und Nele, die inzwischen ein Paar geworden sind, beginnt eine schwere Zeit. Während Captain Stasiverhören ausgesetzt ist, wird Nele aus der DDR ausgewiesen. Wird sie ihren Geliebten je wieder sehen?

Regisseurin Connie Walther zeigt in „Wie Feuer und Flamme“ eine ungewöhnliche Ost-West-Story. Nadja Brunckhorst (spielte 1979 Christiane F.) wurde für das Buch mit dem Deutschen Filmpreis 2001 ausgezeichnet. Der geschichtliche Hintergrund macht den Film natürlich besonders interessant. Allerdings sollte man anmerken, dass es auch kleine, aber gravierende Fehler gibt. So konnte man als DDR-Bürger von einer normalen Telefonzelle auf der Straße ganz gewiss nicht in den Westen telefonieren.
Die Schauspieler sind unverbraucht, viele haben noch nie vor einer Kamera gestanden. Dafür machen sie ihre Sache recht gut. Das Ganze mit anzusehen ist stellenweise richtig niederschmetternd. Und: Die Ostalgiker sollten sich den Film mal ansehen. Denn im Osten war nun mal eben nicht alles besser. Wirklich nicht.

RTZapper

ran

Dienstag, den 12. Juni 2001
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Demnächst herrscht am Sonnabendabend, um 20.15 Uhr Krieg im heimischen Wohnzimmer. Mama möchte den Samstagskrimi im ZDF sehen, was Papa unbedingt vereiteln möchte. Ab der neuen Fußball-Bundesliga-Saison soll es erst um 20.15 Uhr „ran” an den Ball gehen.
Damit verspricht man sich allerdings keinesfalls höhere Einschaltquoten für SAT 1, im Gegenteil. Bei PremiereWorld laufen sämtliche Bundesliga-Spiele live. Die Deutschen haben das zwar zur Kenntnis genommen, denken allerdings überhaupt nicht dran, dafür Geld auszugeben. Die Abozahlen von PremiereWorld dümpeln auf niedrigem Niveau.
Im Grunde genommen ist es schon eine feine Sache – jedes Spiel live. Aber eben auch eine teure Sache. Eine sehr teure sogar. Denn es ist ja nicht so, dass man sich so ein Abo holt, monatlich die Kohle zahlt und damit hat’s sich. Für die meisten Spiele muss noch einmal zwölf Mark extra gelöhnt werden. Für einen ganzen Spieltag und die viel gepriesene Konferenzschaltung sogar 25 Mark. Und das ist eine Menge Holz, die nur die wenigsten ausgeben wollen.
Wenn nun „ran” erst am Abend läuft, erhofft man sich, dass die Fußball-Fans dermaßen ungeduldig sind, dass alle, alle zum nächsten Premiere-Shop rennen. Ich sage: Das wird nicht eintreten.
Zumal „ran” mit Showelementen zu einer Art Familienshow ausgebaut werden soll. Gerade das will aber niemand, wird aber auch kaum jemanden veranlassen, sich ein Abo zu holen.
Man kann gespannt sein, wo das hinführt. Dem Fußball tut diese Entwicklung alles andere als gut.

RT im Kino

Pearl Harbor

Samstag, den 9. Juni 2001

Lieber Filmproduzent Jerry Bruckheimer! Habe soeben deinen von dir produzierten Film gesehen. Man kommt zurzeit an „Pearl Harbor” im Grunde nicht vorbei. Ist ja auch interessant zu sehen, wie die Japaner den amerikanischen Flottenstützpunkt angreifen und dabei so ziemlich alles zerstören, was zu zerstören geht. Da stockt einem schon der Atem.
Was mich nachdenklich gestimmt hat, war die Tatsache, dass das nur gut 30 von insgesamt 183 Minuten sind. Aber du hast uns für die restliche Zeit eine Geschichte der Superlative geschenkt. Da ist der Pilot Rafe (Ben Affleck), der sich in die Krankenschwester Evelyn (Kate Beckin-sale) verliebt. Bei einer Übung stirbt er allerdings und sein bester Freund Danny (Josh Hartnett) nimmt seine „Stellung” ein. Doch, oh mein Gott, Rafe ist gar nicht tot, kehrt zurück! Was für ein Konflikt!
Aber Jerry, hättest du uns zu dieser (eigentlich völlig überflüssigen) Geschichte nicht auch ein wenig Schauspielkunst schenken können? Davon habe ich nämlich so gut wie nichts entdecken können. Okay, Ben Afflecks Mienenspiel ist schon toll, ja ich finde sogar Oscarreif, aber das war’s dann auch schon. Und wieso sieht Affleck mit seiner Mütze (als Einziger!) so was von dämlich aus?! Und warum dieser Name „Rafe”? Ständig denkt man an Techno und die Love Parade.
Na, was soll’s. Nach gut 90 Minuten ist man sowieso nur noch mit zwei Fragen beschäftigt: Erstens, wann ist der richtige Augenblick, um aufs Klo zu gehen und zweitens, was hätte man mit dem Eintrittsgeld nicht alles anstellen können. Von der verplemperten Zeit ganz zu schweigen.
Versteh’ mich nicht falsch: Ich würde deinen Film nicht als totalen Flop bezeichnen. Wenn man sich mit dem seichten Niveau erst mal abgefunden hat, kann man sich sogar daran erfreuen, langweilig wird es zumindest nie. Wenigstens etwas.
Allerdings weiß ich jetzt auch, warum du deinen Film der Presse nicht vorab gezeigt hast, sondern nur einen 20-Minuten-Fetzen. Die Presse hätte schon vorher schreiben müssen, dass “Pearl Harbor” grottenschlecht ist. Was hast du gesagt? Du machst Filme nicht für die Kritiker, sondern für die Zuschauer? Okay: Ein Typ in der Sitzreihe hinter mir meinte: „So’n Mist!” Da hast du’s.
Aber sei beruhigt: Die unglaublich hohen Produktionskosten scheinen ja wieder reinzukommen.
Mit freundlichen Grüßen dein Kinofan [trotzdem!) R.T.

RTelenovela

Den Bahnrekord (noch?) nicht erreicht

Mittwoch, den 6. Juni 2001
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Bisher habe ich erst ein paar Mal mehr oder weniger erfolgreich gekegelt. Doch zum Bowlen konnte ich bisher nicht überredet werden. Aber dann beschloss meine Familie, das Bowling-Center in Glienicke aufzusuchen (es empfiehlt sich immer, eine Bahn vorzubestellen), um ein paar Kugeln zu schieben. Okay, sie haben noch nie gebowlt, ich habe noch nie gebowlt – und zusammen blamieren macht doch viel mehr Spaß.
Um in das Bowling-Center zu gelangen, muss man zunächst einige Treppen nach unten steigen, fast wie in einen Bunker. Doch dann standen wir m einer großen Halle mit vielen Bowling-Bahnen und einigen Spieltischen.
Für die Bowlingbahn sind unsere verdreckten Straßenschuhe natürlich ganz und gar nicht geeignet gewesen. Deshalb bekommt man auch spezielle Schuhe, die auf dem glatten Boden nichts zerkratzen oder beschmutzen können.
Jeder Mitspieler darf während einer Runde zehnmal zwei Kugeln werfen (oder heißt es schieben?). Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt. Logisch.
Und, ja, ich bin ein bisschen stolz auf mich, meine allererste Amtshandlung beim Bowling war – haltet euch fest -ein Strike! Alle zehn Kegel mit einem Mal! Ich war selbst ganz baff. Okay, im Laufe der Zeit wurde die Anzahl der Strikes ein wenig geringer, wofür aber die Anzahl der „Ratten” (ich glaube, beim Bowling heißt das anders) beträchtlich stieg.
Bei den anderen lief es dafür umso besser. Auf meiner Bahn scheinen ein paar Unebenheiten zu sein, anders kann ich mir mein Versagen einfach nicht erklären. Die umgehende Überprüfung des Bodens ergab allerdings das wenig überraschende, dennoch niederschmetternde Ergebnis, dass es eben nicht an der Bahn, sondern einzig und allein an meinem Nichtkönnen liegt. Aber andererseits, es ist ja. immer wieder beruhigend, dass man trotzdem nicht der Schlechteste war. Mit meinen 85 Punkten war ich eigentlich ganz zufrieden (der Bahnrekord lag allerdings um ein Vielfaches hoher, Bowling-Profis dürfen dann an dieser Stelle auch wieder aufhören zu lachen…).
Übrigens, dass das Bowlen den Körper doch ein wenig in Anspruch nimmt, durfte ich an den Tagen danach spüren. Muskelkater. Und was für einer. Womit hab ich das nur verdient?