Monatsarchiv für April 2001

RTZapper

Die 10-Millionen-SKL-Show

Sonntag, den 29. April 2001
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SA 28.04.2001, 20.15 Uhr, RTL

Was haben wir in der vergangenen Woche beim neuen RTL-Quiz „Die 10-Millionen-SKL-Show” gelernt? Promis können auch ganz schön doof sein.
In Günther Jauchs neuer Show antworteten nämlich nicht die Kandidaten, sondern einer von fünf Promis. Und das lief nicht immer ganz so gut, wie es sich die RTL-Leute wohl vorgestellt haben. Wenn einer der Stars falsch antwortete, flog der Kandidat raus. Und das ging verdammt schnell, oft schon bei der ersten Frage.
Aber woran lag’s? An den doch recht schweren Fragen, mit denen Hape Kerkeling, Hellmuth Karasek, Hella von Sinnen, Marcel Reif und je ein Gast nichts anfangen konnten? Oder war die Auswahl der Promis eher unglücklich? Irgendwie fehlte ein Intellektueller, einer, der alles weiß.
Spannung kam jedenfalls nicht auf, als ein Kandidat nach dem anderen rausflog. Oft kamen von den zehn Mitspielern acht dran – bei „Wer wird Millionär?” undenkbar. Günther Jauch sah jedenfalls auch nicht sehr glücklich aus. Das Konzept muss überdacht werden.

RTZapper

Liebe unter weißen Segeln

Samstag, den 21. April 2001
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FR 20.04.2001, 20.15 Uhr, ARD

Als Schiffsärztin Karen Stendal auf das Segelschulschiff „Albatros” kommt, ändert sich alles. Was niemand weiß: Stendal hat eine Affäre mit Kapitän Gregor Simonis. Was auch niemand weiß: Simonis hat einen Tumor, keiner soll es wissen.
Ein Journalist kommt an Bord. Thomas Sand (Oscar-verdächtig: Mark Keller!!) will eine brisante Reportage über das Leben an Bord schreiben.
Dann ist da noch der Hauptgefreite Brengel gespielt von „Ex-Lindenstraßen-Benny-Beimer” Christian Kahrmann. Brengel steht auf die Ärztin und macht ihr das auch deutlich. Aber nix da, Stendal liebt ja den Käpt’n! Und Thomas Sand auch, bei einem Landgang hüpfen Stendal und Sand ins nächste Hotelbett. Okay, ein paar Gewissensbisse plagen die Arztin schon, erst recht, als der Käpt’n einen Anfall bekommt und ins Krankenhaus muss. Und, ach ja: Schwanger ist die Ärztin auch noch. Aber der Vater, der Käpt’n, nippelt ja sowieso bald ab und hat auch Verständnis für Karens neue Liebe. Sie soll glücklich werden mit Sand und Kind. Am Ende geht Simonis über die Reeling und ward nicht mehr gesehen.
Und fast ist man ein wenig traurig. Dazu gibt’s aber keinen Grund, denn natürlich hat der Film „Liebe unter weißen Segeln”, den die ARD am Freitag zeigte, ein Happy-End. Außerdem hatte man genug damit zu tun, den Schleim vom Teppich zu kratzen. Danke auch für wunderbare Dialoge wie: „Wie gefällt es Ihnen?” „Schön hier.” „Hm.” Und dass der Name Mark Keller an sich schon für schlechte Filme steht, dürfte auch bekannt sein.
Wofür die ARD so ihre Gebührengelder ausgibt, ist schon spannend!

RTZapper

Der Schwächste fliegt

Montag, den 16. April 2001
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MO 16.04.2001, 15.00 Uhr, RTL

Welche Moderatorin wechselte von SAT 1 zu RTL, um dort eine Quizshow zu moderieren? – Sonja Zietlow? Kooorrrekt! Wie heißt die Show? – „Der Schwächste fliegt”? Kooorrrekt!
Ja, es weht ein neuer, rauer Wind in der Quizbranche. Seit Sonja Zietlow bei RTL quizt, werden andere Töne angeschlagen. Da heißt es nicht mehr „Das hast du toll gemacht, Klaus-Rüdiger!”, wenn dieser die richtige Antwort wusste, sondern nur noch schlicht und einfach „Kooorrrekt!” Wow! Das hat fast schon Domina-Charakter, das sieht man nur noch in den „Heiße-Schlampen-besorgens-dir-Spots” nach Mittemacht. Na okay, nicht ganz so.
Pseudo-Mitleid mit irgend welchen Dummbatzen zu haben, die nix wissen und eigentlich in einer Quizshow überhaupt nichts zu suchen haben, das ist jetzt jedenfalls völlig out. Das Schöne: Die Spieler, die zusammen ein Team bilden, dürfen nach jeder Runde selbst entscheiden, wer rausfliegt, wer der Schwächste im Team ist. Okay, da kann man sich schon mal irren. Was weiß ich denn, wer in der letzten Runde doof genug war, dass er für dieses Spiel nix mehr taugt? Wer noch nie was von Mobbing gehört hat, kann hier erste Erfahrungen sammeln. Da kann man schon mal die Gunilla rausschmeißen, weil sie strunzdumm und potthässlich ist. Warum denn auch nicht?!
Also, ich mag diese Sendung. Ganz ehrlich. Denn spannend ist sie allemal und gerade wegen der oben genannten Aspekte nicht nur pädagogisch besonders wertvoll.
Aber zu viel Konsum dieser Show könnte auch schaden. Nicht, dass ich demnächst träume, ich bin in der Redaktionssitzung, die anderen halten die Tafeln mit meinem Namen hoch und Sonja kommt zur Tür rein und sagt: „Zapper, du warst der Schwächste im Team. Du flegst. Und tschüss.”

RTZapper

Salmonidenangeln in hochalpinen Gewässern

Donnerstag, den 12. April 2001
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FR 06.04.2001, Seasons

Danke PremiereWorld. Das muss jetzt wirklich mal gesagt werden, denn dieser Abo-Sender hat uns ein Programm geschenkt, das echt mal was Neues ist: Seasons. Der Kanal für Angler.
Hochspannende Reportagen vom Angeln wechseln sich mit ultra-spannenden Diskussionen zum Thema Angeln ab. So lief dann auch am Freitag der packende Beitrag „Salmonidenangeln in hochalpinen Gewässern”.
Was ja an sich schon mal interessant klingt. Und, das war es auch. Da stehen dann ein Mann und eine Frau, an einem See und angeln. Und angeln. Und angeln. Sagen tun sie nichts, denn sie angeln ja. Und gucken. Und angeln. Man hon nur das leise Rauschen des Sees. Und sieht die Angler. Wie sie angeln.
Und dann: Die Angel zuckt. Musik setzt ein. Spannung. Also, noch mehr Spannung als sowieso schon. Der Typ zieht das Teil aus dem Wasser und sieht… nichts. Gar nix. Fehlalarm. Kein Fisch gefangen. Pech.
Es wird weiter geangelt. Die Musik ebbt ab. Weswegen es aber nicht weniger spannend wird. Unbeirrt angeln sie weiter. Und gucken. Dosen. Wahnsinn.
Danke Seasons. Danke PremiereWorld.

RT im Kino

Das Glücksprinzip

Donnerstag, den 5. April 2001

Die Welt ist voll von Schlechtigkeiten. Aber wenn jeder von uns versuchen würde, im Kleinen etwas dafür zu tun, dass alles ein wenig besser wird, wäre es ein wichtiger Fortschritt.

Das Auto des Journalisten Chris Chandler (Jay Mohr) ist schrottreif. Da geht nichts mehr. Plötzlich kommt ein völlig Fremder auf ihn zu, drückt ihm einen Schlüssel in die Hand und schon ist Chris Besitzer eines nagelneuen Jaguars. Einfach so. Ohne Gegenleistung. Gibt es das? Der Journalist kann es nicht fassen, verfolgt seinen Gönner, um den Grund für diese außergewöhnliche Tat herauszufinden.
Schuljahresbeginn. Eugene Simonet (Kevin Spacey) steht erstmals als Sozialkundelehrer vor seiner siebten Klasse. Und hat gleich eine Hausaufgabe parat: Überlegt euch, wie ihr unsere Umwelt verändern könnt – und setzt es in die Tat um.
Trevor McKinney (Haley Joel Osment) ist fasziniert davon, denn es gibt durchaus einiges zu tun. Seine Mutter Arlene (Helen Hunt) ist, nachdem sein Vater Ricky (Jon Bon Jovi) die beiden verlassen hat, mit Trevor ganz allein. Sie kämpft mit zwei Jobs und hat ein Alkoholproblem. Sein Freund Adam wird ständig von Älteren belästigt, seine Oma lebt bei Obdachlosen.
Er hat eine Idee: Wenn es ihm gelingt, drei Menschen aus einer Notlage zu helfen und diese dann als Dank wiederum drei Menschen helfen, wären es schon neun, danach 27 und so weiter und so weiter. Niemand dürfte seinen Gefallen nicht einfach zu erwidern, sondern müsste ihn an drei andere Menschen weitergeben – „Das Glücksprinzip”. Trevor macht sich ans Werk. Aber das alles ist gar nicht so einfach.

„Das Glücksprinzip” ist, unabhängig von der wirklich tollen Idee, die dahinter steckt, ein grandioser Film. Dafür sorgt einmal mehr der 13-jährige Haley Joel Osment, der hier nach „The Sixth Sense” wieder eine tolle Leistung abliefert. Kevin Spacey, für „American Beauty” mit dem Oscar belohnt, beweist als Lehrer Eugene Simonet seinen Mut zur Hässlichkeit. Einfühlsam zeigt Regisseurin Mimi Leder, wie Eugene mit Trevors Hilfe lernt, damit umzugehen.
Auch damit, dass „Das Glücksprinzip” gegen Ende ein wenig ins Schmalzige abgleitet, kann man leben. Und vielleicht verlässt ja der ein oder andere das Kino mit dem Gefühl, dass dieses Prinzip der guten Taten auch im wahren Leben durchaus realisierbar wäre. Vielleicht gäbe es auf der Welt ein paar weniger Schlechtigkeiten.

RTZapper

Der Frisör

Montag, den 2. April 2001
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FR 30.03.2001, 17.00 Uhr, RTL

Na, wem von euch ist es Montag aufgefallen, dass „Der Frisör” von RTL irgendwie wie der Typ aus „Hör mal, wer da hämmert?” aussah? Niemandem? Wundert mich nicht, denn wer hat sich schon je für den „Frisör” interessiert?
Ja, still und heimlich hat RTL die Real-Life-Soap „Der Frisör” aus dem Programm geschmissen und sendet dafür eine weitere Folge (die wie vielte Wiederholung eigentlich?) der Heimwerker-Comedy. Die Einschaltquoten der Schnipp-Schnapp-Klatsch-Tratsch-Sendung waren zu niedrig, zu wenige Leute wollten die neuesten Haarmodetrends sehen. Okay, wenn das die Trends waren, hätte ich sowieso lieber wieder meine Mama gefragt, ob sie das Haarschneiden nicht wieder übernehmen kann. Aber ich bin auch wirklich froh, dass ich bei meinem Friseur nicht so dermaßen zugetextet werde, wie von den sympathischen Menschen bei RTL. „Na, und was sagst du zur BSE-Krise?” Meine absolute Lieblingsszene war allerdings, als sich ein Mädchen auf den Stuhl setzte, der Crazy-Super-drauf-Haarschneide-Typ gerade anfing herumzuschnippeln – und seine erste Frage war: „Erzähl doch mal wie war eigentlich dein erstes Mal?” Bitte was? Echt tolles Thema…
Zumal ich wahrscheinlich auch Angst gehabt hätte, dass sich irgend so ein Nasenring von einem der Friseur-Typen in meinen Haaren verfangen würde (was sagt die Friseur-Innung dazu??). Aber ist ja auch egal, nun ist Schluss und die RTL-„Frisöre” müssen nun wieder ohne Kameras dumm rumschwafeln.