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Countdown Grand Prix Eurovsion 2001

FR 02.03.2001, 20.15 Uhr, ARD

Eines muss man über die deutsche Vorausscheidung zum Grand Prix Eurovision 2001 ja sagen: Hier ist das härteste und unerbittlichste Publikum. Wer schlecht ist, wird gnadenlos ausgebuht.
In diesem Jahr fährt Michelle für Deutschland nach Kopenhagen. Dabei hätte sie eigentlich bereits für den kleinen Film, der sie vorstellte, unverzüglich disqualifiziert werden müssen. Der zeigte sie nämlich in einem leeren Kino heulend beim „Titanic” gucken. Sie mag eben Romantik. So sang sie auch „Wer Liebe lebt” ins Mikro. Zwar ist’s mit ihrer Liebe zu Matthias „Verdammt ich lieb dich” Reim gerade vorbei, aber was soll’s.
Das Projekt von Lesley, Joy und Brigitte entstand im Internet. Joy Fleming machte schon einmal beim Grand Prix mit und errang damals einen glorreichen letzten Platz. Und zumindest ihr Kleid war auch diesmal eine völlige Entgleisung. Auch das wurde von den „Fans” im Internet ausgewählt. Aber wer weiß, wie viele von ihnen sich einfach nur einen Scherz erlauben wollten. Mit dem langen, wallenden Kleid und einem dicken „Blumenschal” sah sie aus wie eine aüe dicke Operndiva auf ihrer letzten Vorstellung.
Bei den „German Tenors” glaubte ich erst an eine Hörstörung, konnte ich doch kein einziges german word ausmachen. Doch dann, in der zweiten Strophe: „Dieses Lied soll dich an kauen Tagen wärmen. ” Mir kam eher das kalte Grausen. Wären sie nur beim Englisch geblieben.
Mit „Jump in a better Üfe” trat auch Liedermacher Wolf Maahn, der in letzter Zeit durch Auftritte bei SPD-Wahlveranstaltüngen von sich reden machte, an. Mit seinen Armbewegungen sah er allerdings aus wie ein in die Jahre gekommener Go-Go-Boy in einer Schwulendisco.
DJ Ballon arbeitet ja eigentlich in einem Altenheim, wo er den Omas und Opas vormacht, dass seine Musik ganz toll ist Dafür knallt er ihnen auch schon mal ungebeten noch eine Kelle mit Suppe auf den Teller.
Mosi, welcher Teufel hat dich bloß geritten, ohne deine Daisy auf die Bühne zu kommen? Hätte sie deinen Text gebellt, du hättest glatt gewonnen. So saß der Köter im Publikum und verstand die Welt nicht mehr.
Tja, und dann noch Zlatko. Was, bitte schön, war denn das? Gesang jedenfalls nicht. Nicht einen einzigen Ton traf der Ex-Container-Bewohner. Sein „Einer für alle”-Song richtete auf Deutschlands Trommelfellen ein Massaker an. Wenn ich an diesem Abend noch was anderes als Cola im Haus gehabt hätte, hätte ich mich wohl hemmungslos besaufen müssen, um das zu verkraften. „Ich geb hier alles”, grölte er. War nicht viel Sladdi. Da brauchst du das Publikum, das zu Recht buhte, nicht als Kotzköpfe zu bezeichnen. Interessanterweise nannte Moderator Axel Bulthaupt hier das einzige Mal die betreffende Plattenfirma: die BMG Ariola. Das wirklich Erschreckende: Zlatko fand seinen „Gesang” gut, fühlte sich vom Publikum einfach nur missverstanden, Hey, Typ! Schalt’ dein Hirn an!
Was wäre eigentlich passiert, wenn Thomas Gottschalk tatsächlich angetreten wäre? Ich glaube, er hätte tatsächlich Chancen gehabt, angesichts des melodiösen Mittelmaßes an diesem Abend.
Abgerundet wurde das Ganze dann auch noch mit dem Auftritt von Modern Talking. Aber es kann Entwarnung gegeben werden. Kein neuer Akkord in Sicht…

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