Monatsarchiv für Februar 2001

RTZapper

“Köln kann sich mit allen messen”

Montag, den 26. Februar 2001
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MO 26.02.2001, 10.45 Uhr, WDR

Jst tatsächlich bald schon wieder Aschermittwoch? Ist die Helau-Alaaf-Faschings-Karnevalszeit schon wieder zu Ende? Keine Hach-was-sind-wir-heute-wie-der-lustig-Shows mehr? Okay, ich habe sowieso keine einzige davon gesehen. Nur am Rosenmontag habe ich tapfererweise den WDR eingestellt, um mir den Rosenmontagszug 2001, übrigens mit dem Motto „Köln kann sich mit allen messen”, anzusehen. Hatte halt nix besseres zu tun.
Dummerweise hat der Zoch aber noch nicht begonnen, so dass der WDR die Zeit mit stimmungsvollen Bildern und Interviews füllen musste. Und was da für ‘ne Stimmung herrschte. Die haben sich ja kaum noch eingekriegt. Ein Kostümierter im Interview: „Gefällt es dir hier in Köln?” „Hm.” „Warst du schon mal beim Karneval?” „Ja.” Riiiiesig!! Offensichtlich muss der als Vikinger mit Schweinenase Verkleidete sein
Hirn an der Kölner Stadtgrenze abgegeben haben.
„Komm loss mer jetzt singe” rief wenig spater ein Typ mit einer heiseren Stimme von der Bühne am Alter Markt. Als er dann tatsächlich zu singen anfing, hatte er plötzlich wieder eine klare Stimme. Oh Wunder der Technik! Hin und wieder ließ er sogar mal durchblicken, dass er gut drauf war. Leider wurde der Sänger dann auch noch von Luftballons mit der passenden Aufschrift „WDR: Mehr sehen” verdeckt, so dass die Kameras ihn nicht einfangen konnten.
„Die Mädsche vom Ring sind d’ Best uff der Welt” schaute es wenig später von der gleichen Bühne hinab. Dabei schwenkte die Kamera über die Zuschauer, die waaahnsinnig stimmungsvoll rumstanden.
Worauf ich erstmal ein Nickerchen gemacht habe.
Ein herzliches „Kölle Alaaf auch für 2002!

RTZapper

Super!!

Dienstag, den 20. Februar 2001
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Ey, ich finde es echt super total nett, dass ihr heute wieder mal reinschaut und die super vielen Artikel zu den super verschiedenen Themen lest. Viele gucken ja lieber einen der super vielen Fernsehsender, die die Zuschauer Tag für Tag mit den super tollen Real-Life-Shows erfreuen. Da können super viele ganz normale Menschen auf die Schnelle super berühmt werden. Und dafür müssen sie auch nur super total wenig machen. Einfach nur sie selbst sein. Das tun, was ihnen gerade super viel Spaß macht. Dabei ist es nicht mal so super wichtig, dass man dabei super gut aussieht. So, wie im normalen Leben eben. Dass, was gesagt wird, soll so super normal wie möglich rüberkommen.
Okay, damit konnten einige unserer Mitmenschen super viel Probleme haben, denn ihr Wortschatz geht oftmals nicht über „super toll”, „super viel”, „super schon” und „super geil” hinaus. Aber ist denn das so super schlimm? Das ist doch eben das super normale Leben.
Genauso spielt sich unser super interessantes Alltagsleben ab. Eigentlich soüten endlich alle bei uns zu Hause eine super kleine Kammer einrichten, wo wir vor dem Schlafengehen noch eine Runde staten gehen, um zu erzählen, was wir für einen (wahlweise) super tollen, super netten, super schönen, super langweiligen oder super beschissenen Tag hatten.
Ob man mit diesem super Geseiere in den Real-Life-Shows eventuell einigen Zuschauern langsam aber sicher auf die Nerven geht, ist denen super egal.
Dummerweise spielen die Leute vor dem Femseher nicht mehr mit. Die Einschaltquoten von „Big Brother” und Co gehen zurzeit super schnell in den Keller. Und dann könnte das alles super schnell vorbei sein.
Und das wäre doch irgendwie super, oder?!

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Bundesliga – Energie Cottbus

Montag, den 19. Februar 2001
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SA 17.02.2001, Cottbus, Stadion der Freundschaft

Energie Cottbus spielt seit Beginn dieser Saison ganz oben, in der 1. Fußball-Bundesliga, mit, neben Hertha BSC als einziger Verein aus unserer Region. Da sollte man doch wenigstens einmal im Cottbuser „Stadion der Freundschaft” gewesen sein, um die Mannschaft anzufeuern (wer weiß, ob die in der Saison 2001/02 immer noch erstklassig spielen).
Nun gut, das Stadion ist nicht sehr groß, Sitzplätze sind da äußerst rar. So hatten wir also das Vergnügen, die etwas mehr als 90 Minuten stehend zu verbringen. Aber was soll’s, wer weiß, wie lange Cottbus noch …, ach, das hatten wir ja schon.
Gleich zu Beginn haben wir die Fans von „Energie” kennen gelernt. Echt sympathisch die Jungs, obwohl die bestimmt gefroren haben, angesichts der sehr wenigen Haare auf dem Kopf. Aber die braungrünen Jacken haben bestimmt ein bisschen Wärme gespendet. Oder die Schlachtrufe. Die von der gegnerischen Mannschaft aus Freiburg waren ja sowieso alles Idioten und Arschlöcher. Nun gut, wie lange hat man schon noch die Möglichkeit, bei einem …, ich wiederhole mich.
Aber es ist doch erstaunlich, dass die nicht wenigen Ausländer im Cottbuser Team so von den „kopffreien” Fans angenommenwerden …
Anpfiff. Glaube ich. Denn ich sehe nicht wirklich viel vom Spielfeld. Falls Freiburg „die Pille versenken” sollte, bekomme ich das gar nicht mit. Darüber, dass der Schiedsrichter aber eine „schwule Sau” ist, informieren mich die Cottbuser Fans recht schnell. Und sobald die Freiburger Fans einige Anfeuerungsrufe skandierten, gab es ein „Schnauze, ihr Idioten!” als Antwort. Aber egal, wer weiß, wie lange …. schon klar, oder?!
Halbzeit. 0:0. Wahnsinn. Kein Tor. Und es ist kalt. Sehr kalt. Meine Füße? Spüre ich kaum noch.
Das 0:1 von Freiburg in der 50. Minute hätte ich fast nicht mitbekommen, denn in diesem Moment wurde es recht still im „Stadion der Freundschaft”. Selbst die optimistischsten Fans sahen das Spiel bereits jetzt verloren.
Wenigstens hatte ich jetzt, in der 2. Halbzeit, den vollen Blick auf die Spielfläche. Das, was ich da sah, war allerdings, zumindest für Cottbus, nicht wirklich sehenswert. Zwar spielte sich fast das gesamte Geschehen vor dem Freiburger Tor ab, für Cottbus kam aber nix bei raus. Selbst bei dem Elfmeter nicht. Was für Puschen! Also echt! Von dem 0:2 kurz vor dem Schlusspfiff nicht zu reden.
Nach dem Abpfiff schwenkte ein vor mir stehender Cottbus-Fan eine rote Fahne mit der Aufschrift „Hier spielt der Osten”. Richtig, aber wer weiß, wie lange das noch in der 1. Liga sein wird.

aRTikel

Angeeckt: Kino-Quatscher

Mittwoch, den 14. Februar 2001
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MAZ Oranienburg, 14.2.2001

Wieso geht man ins Kino? Ganz einfach, man möchte sich einen Film ansehen. Klar. Doch einige unserer Mitmenschen sind da offensichtlich ganz anderer Meinung.
Okay, von der Werbung muss man ja nicht hundertprozentig alles mitbekommen. Da kommt es schon mal vor, dass man sich noch mit seinem Sitznachbarn unterhält. Während der Werbung, wohlbemerkt. Nicht während des Films. Es gibt aber immer wieder nette Leute, die sich auch dann noch fröhlich unterhalten. Nicht etwa im Flüsterton, nein, schließlich sollen ja alle was davon haben. Alle sollen wissen, dass der Typ diesen Film gerade total scheiße findet. Dass das aber überhaupt niemand wissen will… ist doch egal. Oder irgend welche Pärchen, die sich während der ganzen Vorstellung küssen und herzen – und laut darüber nachdenken, warum sie die Kette nicht mit hat. Echt spannend. Ganz schlimm wird’s, wenn die Betreffenden den Film auch noch langweilig finden. Auch das muss den anderen Kinobesuchern umgehend und fortlaufend mitgeteilt werden. Und den Freunden zu Hause auch. Per SMS.
Eine Gesprächsrunde unter Freunden kann man auch billiger haben, dafür muss man nicht ins Kino und viel ausgeben. Und andere Leute nerven.

RTZapper

Girlscamp

Dienstag, den 13. Februar 2001
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MO 12.02.2001, 20.15 Uhr, SAT 1

Bei SAT 1 ist man echt beleidigt! Da hatten die nun eine so innovative und wunderbare Idee und die Zuschauer sind bockig und sehen sich es nicht an!
Aber ganz von vorn. Dass „Big Brother” auf RTL II so etwas wie einen Real-Life-Soap-Trend ausgelöst hat, ist ja bekannt. Viele Nachfolgeformate wurden auf den Fernsehmarkt geschmissen. Eines schärfer als das andere: „To Club”, „House Of Love”, „Der Frisör”, „Expedition Robinson”. Um nur einige zu nennen.
Und jetzt „Girlscamp” auf SAT 1. Noch schärfer als „Big Brother” wurde den Zuschauern vollmundig in den Trailern versprochen. Auf den Werbe-plakaten rekelten sich die Schönheiten.
Und was sehen wir jetzt? Schlecht geschminkte, prüde Püppchen, die nicht mal beim Heulen irgendwie süß aussehen. Das ist nicht mal bei ausgeschaltetem Ton zu ertragen. Die überdimensionale Dummheit der Girls überträgt sich auch so. Legendär wurde die Aussage von einer der Frauen, sie stünde eher auf den arischen Typ Mann. Auf Holländer.
Auf jeden Fall ist das „Girlscamp” nicht das, was uns versprochen wurde. Ein echter Langweiler. Ein gewaltiger Quotenflop.
Schwupps rief man bei SAT 1 das Ende des Real-Life-Soap-Trends aus. Gut und schön, aber Fakt ist doch, dass es so einen Trend doch nicht wirklich gibt. Nur „Big Brother” hat akzeptable Quoten auf einem kleinen Sender, das meiste läuft unter ferner Liefen, sind Flops.
Und „Girlscamp” ist kein Flop, weil der Trend vorbei ist, sondern, weil die Sendung einfach nur Scheiße ist. Das sollte den Verantwortlichen klar gemacht werden.

RTZapper

Der Grüne Salon

Dienstag, den 6. Februar 2001
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MO 05.02.2001, 21.15 Uhr, n-tv

Sehr geehrter Herr Eggert! Ich muss sagen, dass ich Ihre Talkshow „Der Grüne Salon” bei n-tv, die Sie gemeinsam mit Erich Böhme moderieren, hin und wieder ganz gerne sehe. Am Montag müssen Sie aber einiges nicht mitbekommen haben. Da sei zunächst mal gesagt: Die Missfits, das Kabarett-Duo mit Gerburg Jahnke und Stephanie Überall, sind keine Politiker. Das muss Ihnen entgangen sein. Die beiden machen Kabarett. Unterhaltung. Humor. Verstehen Sie? Das sind nämlich Sachen, von denen Sie vermutlich noch nichts gehört haben.
Dass die Missfits es nicht wirklich ernst meinen, wenn sie die Männer fertig machen (na ja, so ein bisschen schon,
aber was soll ’s), können Sie offenbar absohit nicht nachvollziehen.
Und in den Programmen der Missfits gibt es keine politischen Themen? Das muss sich aber schleunigst ändern, nicht wahr, Herr Eggert? Denn pure Unterhaltung ist doch verwerflich, stimmt’s? Und dann noch von und mit Frauen … Dabei vergessen Sie aber, dass es sehr viele Komiker gibt, in deren Programme die Politik auch keinen Platz hat.
Und warum hatten Sie eigentlich während des ganzen Gesprächs einen Ton am Leibe, als ob Sie sagen wollten: „Nun geben Sie ’s doch zu!! Treten Sie zurück!!” Das nervt und war vollkommen fehl am Platz.
Ihr R.T.Zapper

RTelenovela

Jürgi hat wieder alle Lacher auf seiner Seite

Sonntag, den 4. Februar 2001
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Es ist doch immer wieder das Gleiche: Da geht’ man zu einer Comedy-Veranstaltung und genau in der Reihe hinter einem sitzt jemand, der einem mit seiner nicht gerade unauffälligen Lache nervt. Denn es ist ja nicht nur die Lache, er findet auch noch alles» aber wirklich alles lustig, was da vorne auf der Bühne erzählt wird.
Nun gut, Jürgen von der Lippe gibt mit seinem neuen Programm „So bin ich”, das er noch bis März im Berliner Schillertheater zum Besten gibt, genug Anlass dazu. Denn, was einige vielleicht gar nicht wissen, Jürgen von der Lippes (bürgerlich: Jürgen Dohrenkamp) eigentliches Standbein ist die Bühne. Hier fühlt er sich am wohlsten. Und das merkt man ihm auch an.
Erneut schildert er packende Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen Mann und Frau, Zum Beispiel könne man schon am Tonfall, wie der Name des Göttergatten gerufen wird, erkennen, was Sache ist Und: Frauen können keine Witze erzählen, das heißt, sie können schon, aber nicht richtig. Sie versauen grundsätzlich jede Pointe, was „Jürgi” auch an einigen Beispielen festmacht.
Jeder hat sich auch schon mal gefragt, was eigentlich passiert, wenn wir sterben. Von der Lippe hat da seine eigene Theorie, Man bekommt für seine getane Arbeit auf def Erde einen Lohn, Allerdings muss man für alle seine Sünden einen bestimmten Betrag zurück zahlen. Das kann bitter werden, wenn das Geld nicht reicht. Was zur „Wiedergeburt” führt – ab zurück auf die Erde. Selbst wenn am Ende nur 50 Pfennige fehlen …
Zwar ist „So bin ich” nicht das beste Programm von Jürgen von der Lippe, dennoch sind diese gut zwei Stunden ein Erlebnis. Hier wird der ganz normale Alltag aufs Korn genommen, jeder kriegt sein Fett ab. Egal, ob Frau oder Mann.