Monatsarchiv für Januar 2001

RTZapper

Schlingensiefs U3000

Freitag, den 26. Januar 2001
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DO 25.01.2001, 22.00 Uhr, MTV

Eine Fernsehshow von und mit Christoph Schlingensief ist kein normales Tralala, sondern immer etwas Besonderes. Was er in den vergangenen Wochen jeden Donnerstag bei MTV mit “Schlingensiefs U3000″ bewies.
In einer U-Bahn, die durch Berlins Untergrund fuhr, setzte er sich und seine immer etwas merkwürdigen (Fahr-)Gäste in Szene. Wobei die letzte Folge am vergangenen Donnerstag wohl den Höehpunkt darstellte. Zu sehen war ein merkwürdig verkleideter Mann mit verkrüppelten Armen, der mit Schlingensief darüber sprach, dass das beim Sex ja durchaus auch seine Vorteile haben kann, ein Mann, der sich auszog und auf einem Dreirad fahrend Möhren in den Hintern gesteckt bekommen hat, sowie Peter Kern (Ich weiß gar nicht so genau, was er eigentlich ist. Schriftsteller? Regisseur?), der sich so dermaßen darüber aufregte (schrie wütend durch den ganzen Waggon “Aufhören!! Das ist widerlich!!”), dass er einen Herzanfall bekam und augenrollend auf dem U-Bahn-Sitz herum lag.
Da schüttelt man erst mal mit dem Kopf. Und ehrlich gesagt, ich bin mir jetzt noch nicht sicher, ob das alles gestellt war (wie bei einem Theaterstück) oder sich Peter Kern wirklich so aufgeregt hat. Aber wer Schlingensief kennt, weiß, dass er mit seinen Shows einerseits provozieren und andererseits die Zuschauer zum Nachdneken bringen will. Insofern muss man MTV schon zu so einem Mut gratulieren, das alles durchgezogen zu haben.
Schon mit “Talk 2000″ sorgte der Theaterregisseur und Schauspieler bei RTL und SAT 1 für Furore, als er bei seiner “Talkshow” schon mal Gäste bepöbelte.

RTZapper

Wetten, dass…?

Sonntag, den 21. Januar 2001
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SA 20.01.2001, 20.15 Uhr, ZDF

Dürfen jetzt eigentlich auch Fetischisten mit ihren etwas merkwürdigen Neigungen ins Familienprogramm? Offensichtlich ja, anders ist das, was am Sonnabend bei „Wetten, dass…?” über die Bühne ging, nicht zu. erklären.
Ein Typ wettete, dass er erfühlen kann, welche Strumpfhosenmarke eine Frau, an hat. Dazu, musste (oder wollte) er die Naht und den Stoff ertasten. Was ihn bestimmt ziemlich gut gefallen hat. Den Models aber sichtlich unangenehmwar. Insbesondere Sabrina Setlurs Gesicht sprach Bände. Gibt ja auch schönere Dinge, als sich hinten am Schlüpfer begrabbeln zu lassen.
Der Strumpfhosenfetischist hat seine Wette gewonnen und wird in Zukunft bestimmt viele schöne Erinnerungen haben.
Aber auch für Thomas Gottschalk hat dieser Abend einen bitteren Nachgeschmack, denn bei der Saalwette hat ihn seine Redaktion eindeutig im Stich gelassen. Es ging darum, dass 50 Leute, auf die Bühne kommen sollten? die unter anderem eine Sabrina-Setlur-CD, ein Matthäus- oder Maradonna-Trikot und eine „Aktie Gelb” mitbringen sollten. Es wäre doch für die Mannschaft einfach gewesen, den Kram zu besorgen und diesen dann den 50 Leutchen in die Hand zu drücken. Stattdessen kamen nur etwas mehr als 15, Gottschalk hat verloren.
Er muss nun am deutschen Vorentscheid des Grand Prix Eurovision teilnehmen, der ja schon jetzt mit Zlatko und Rudolf Mooshammer hochkarätig besetzt ist. Hat Gottschalk, so etwas nötig? Offenbar schon, denn alles scheint beschlossene Sache zu sein, beim NDR soll man darauf sogar schon vorbereitet gewesen sein. Stand etwa alles schon vorher fest?
Kann man denn niemanden mehr glauben?

aRTikel

Angeeckt: Echt cool, ey!

Mittwoch, den 17. Januar 2001
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MAZ Oranienburg, 17.1.2001

Hey, ihr 10-, 11-, 12-, 13-jährigen Kids! Mir seit ja sooo cool! Mit eurer Hose, die euch beim Laufen fast vom Arsch rutscht! Okay, ist gerade in, sieht aber trotzdem total scheiße aus. Dazu diese wunderbare einfarbige Bomberjacke! Echt stark! Und – ganz wichtig – die Zigarette lässig in der Hand. In der anderen ein Bier. In der Büchse. Flaschen sind uncool.
Damit schindet ihr echt Eindruck. Einen Eindruck der absoluten Lächerlichkeit. Okay, bei den Jüngeren erzielt ihr natürlich einen anderen, oft sogar den von euch gewoüten Effekt. Die zollen euch den Respekt, den ihr von ihnen erwartet. Vor sie könnt ihr euch schon mal lässig hinstellen und ihnen klar machen, dass sie an dieser Stelle im Moment nichts zu suchen haben. Die glauben euch das eventuell sogar. Ihnen könnt ihr schon mal – ganz cool und lässig -die gerade gekaufte Zeitung wegnehmen und bei Gegen1 wehr Prügel androhen. Man kann wirklich nur hoffen, dass ihr später mal, wenn ihr keine Möchtegern-Erwachsenen-Milchbubis mehr seid, darüber lachen werdet (euch, vielleicht auch ein bisschen schämt), wie bescheuert ihr früher mal gewesen seid.

RTZapper

Britney und Justin

Dienstag, den 16. Januar 2001
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Ist das nicht süß? Eigentlich ja schon fast so etwas wie ein Märchen.
Da ist auf der einen Seite die 19-jährige Britney. Ein ganz normales Mädchen. Sängerin. Ganz nett anzusehen. Auch wenn angeblich an der einen oder anderen Stelle ein wenig „nachgeholfen” wurde. Nagut, und vielleicht hat das ganz normale Mädchen ein wenig mehr Geld auf dem Konto als du und ich, aber was macht das schon. Und vielleicht hangen du und ich auch nicht auf Postern über unzähligen von Betten puber-tierenderJungs und Mädels.
Da ist auf der anderen Seite der ebenfalls 19-jährige Justin. Auch er ist Sänger (oder so). Bei *N Sync. Und auch sein Konto dürfte ihm keine Sorgen bereiten. Auch er blickt von unzähligen Postern auf die heutige Jungmädelgeneration.
Und nun kommt es zum Supergau. Britney und Justin verlieben sich. Werden ein Paar. Sind total glücklich. Wahnsinn, Was sie aber auf keinen
FaU tun werden, ist, zusammen in die Kiste zu steigen. Kein Sex. Zumindest reicht vor der Ehe.
So weit, so gut. Nun haben sich die beiden 19-jährigen Hüpfer eine schöne Traümvilla gekauft. Und darin soll sich auch ein riesiges Himmelbett befinden. Britneys und Justins Mamas sind entsetzt. Beide erinnerten ihre Zöglinge noch mal daran, dass sie ja ein Keuschheitsgelöbis abgelegt haben. Und das sei jetzt auch gefälligst einzuhalten.
Offensichtlich können sie es aber kaum noch ausholten, denn schon gibt es erste Hochzeitsgerüchte. Damit wären die Mamas eventuell sogar einverstanden.
Ist natürlich eine tolle Aktion. Vor der Hochzeit bleibt der Ofen kalt. Okay, ziehen wir diese also so schnell wie möglich durch. So einfach geht das.
Und wenn’s schlecht läuft, kann man sich ja wieder scheiden lassen. Um ein paar Erfahrungen reicher.

aRTikel

Morgens 7.10 Uhr in der S1

Donnerstag, den 11. Januar 2001
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Gedanken und Beobachtungen in der morgendlichen S-Bahn nach Berlin

MAZ Oranienburg, 11.1.2001

OBERHAVEL/BERLIN
Guuten Moorrgen! Heute ist Donnerstag, unsere S-Bahn verlässt pünktlich um 7.10 Uhr (oder einige Bahnen früher oder später) den Oranienburger Bahnhof in Richtung Berlin-Wannsee. Frisch und munter schlägst du die MAZ auf und liest (hoffentlich) diesen Artikel. Er ist an dich gerichtet. An dich, der sich dem täglichen Autofahren in die große Stadt entzieht und lieber mit der Bahn fährt. Eine recht gemütliche Bahn übrigens. Wer öfter das Vergnügen hat, mit der S-Bahn von Birkenwerder Richtung Grünau zu fahren, weiß, wovon ich spreche: Hier fühlt man sich wirklich noch an alte DDR-Zeiten erinnert. Bei uns, in der S 1, sind schon modernere Zeiten angebrochen.
Vielleicht entdeckst du ja auch mich und meinen Freund Marcel in dieser 7.10-Uhr-Bahn. Glücklicherweise bekommt man in Oranienburg noch hundertprozentig einen Sitzplatz, was ein paar Stationen weiter nicht mehr unbedingt der Fall sein muss. Dann heißt es für viele nur noch stehen.
Und genießt du nicht auch diese Ruhe? Nur das Geräusch der fahrenden Bahn. Zumindest bis Birkenwerder, Hohen Neuendorf, wenn die ersten lärmenden Kids einsteigen. Kann man als alter und um diese frühe Uhrzeit müder Student überhaupt nicht nachvollziehen. Und dann die Mädels, die sich zur Begrüßung ein Küsschen auf die Wange oder auf den Mund geben. Echt süß! Oder das Mädchen, das nervös noch einmal in ihrem
Religionsheft herumblättert.
Apropos blättern. Der Blick in die Morgenpresse ist in der S-Bahn auch ohne eigene Zeitung möglich. Fast alle lokalen Blätter aus Oberhavel und Berlin sind vertreten. Die Leute mit den großformatigen, dicken Zeitungen brauchen natürlich mehr Platz …
So, inzwischen haben wir Berlin-Hermsdorf erreicht. Es ist voll geworden. Aber wir Oranienburger, Lehnitzer und Borgsdorfer haben ja unseren Platz. Sollen die Berliner, diese armen Schweine, ruhig stehen! Bis Wittenau, da wird es wieder leerer und gemütlicher. Mein Freund steigt in die U-Bahn um und viele scheinen in Wittenau zur Schule oder zur Arbeit zu gehen.
Ich fahre weiter ins Zentrum. Kann noch ein bisschen dösen. Es geht über Bornholmer Straße und Gesundbrunnen, wo an neuen Bahnsteigen und Gleisen gebaut wird. Jeden Tag ein bisschen mehr. Wenn man jeden Tag mit der gleichen Bahn, im gleichen Waggon, fährt, erkennt man, sich auch irgendwann wieder. Wie zum Beispiel der Vater mit seinem hörgeschädigten Sohn, die irgendwo in Berlin einsteigen und bis zum Nordbahnhof fahren. Offensichtlich wird der Kleine zur Schule gebracht. Per Gebärdensprache gibt der Vater noch einige nützliche Tipps für den Tag. Vermute ich mal. Und auch für mich wird es langsam Zeit. Inzwischen sind wir in den Nord-Süd-Tunnel eingefahren und die Station Friedrichstraße wird über den Lautsprecher ausgerufen. Für mich ist hier Endstation. Und wo musst du raus?

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Wer heiratet den Millionär? / Ich heirate den Millionär

Dienstag, den 9. Januar 2001
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RTL/SAT 1

Ein neuer Trend? Bei RTL und SAT 1 malten sich in der vergangenen Woche je 50 Frauen vire Zukunft mit einem richtigen Millionär aus. So richtig mit Liebe und so. Na ja, und trenn nicht Liebe, dann wenigstens mit Geld.
Wie auf dem Sklavenmarkt, oder einer mittelatierlichen Brautschau bei Hofe stellten sich die Damen vor und der Typ hinter der Wand drückte auf einen roten oder grünen Knopf. Das Gleiche wieder und wieder. Mal durften die Möchtegern-Millionärgattinen im Badeanzug auftreten, sich trendy tänzerisch in der Disco bewegen und ab und zu auch mal was sagen. Nach jeder Runde schieden mehr und mehr Frauen aus. Tapfer lächelnd. Und am Ende fällte der Millionär das Urteil darüber, wer ihn zukünftig für die Mios bewundern, Wäsche waschen, und Schuhe putzen darf, na gut, vielleicht wird auch irgendwie so was wie Liebe im Spiel sein. Und zumindest das junge Mädel in der SAT 1-Show sah man durchaus die Überraschung an, bei RTL wissen wir ja inzwischen, dass wir Zuschauer betrogen wurden. Wobei im Nachhinein: Die SAT 1-Show hieß „Wer heiratet den Millionär?”, bei RTL hieß es treffend „Ich heirate den Millionär”, denn die Auserwählte wusste ja schon vorher, dass Thomas Tepe sie auswählen würde.
Ob RTL-Moderator Werner Schulze-Erdel eigentlich die erste Wahl für die Show war? Ob die RTL-Bosse wissen, dass Erdel den Eindruck eines alten, lüsternen Showies mit Alkoholproblemen macht?
RTL ist diese Blamage auf jeden Fall zu gönnen. Es heißt, dass SAT 1 Thomas Tepe schon vorher abgelehnt haben soll. Zu unseriös. Was erschreckend selten in diesen Shows thematisiert wurde, ist die Liebe. Wahrscheinlich sowieso zweitrangig. Als die 21-jährige (!) SAT 1-Millionärszukünftige Stefanie von Franklin nach einem Baby gefragt wurde, guckte sie jedenfalls ganz komisch. Eines steht fest: Die beiden Shows waren das Krankeste, was ich seit langem gesehen habe!

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ZAPPER VOR ORT: SAT 1-Silvesterparty in Berlin

Montag, den 1. Januar 2001
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SO 31.12.2000, Berlin, Platz des 18. März

Silvester in Berlin. Wahnsinn. Tausende von Menschen warten vor einer großen Bühne am Brandenburger Tor-auf-das neue Jahr.
Auf der Bühne geben sich bei der „Silvester-Party 2000″ von SAT 1 die besten B- und C-Stars, die Silvester noch nichts vorhatten und deshalb gerne bereit waren, für ein Becher Selters als Gage aufzutreten, die Klinke in die Hand. Blümchen darf verkünden, dass sie wieder hier ist wie ein Boom-Boom-Boomerang, die Sparks singen längst vergessene Schlager.
Sei’s drum. Wir hatten echt andere Sorgen. Wer schon mal auf der Love Parade war, hat ja sicherlich schon einiges mitgemacht, aber die Silvesterparty übertrifft alles.
Wahrscheinlich hat die Polizei es versäumt, das Gelände rechtzeitig abzusperren, denn es war voll bis zum geht nicht mehr. Und immer mehr Menschen wollten auf die Straße des 17. Juni. Aber immer mehr wollten genau da auch wieder raus. So setzte ein immer heftiger werdendes Gedränge ein, bei der die Menschen im Laufe der Zeit immer aggressiver wurden. Ständig lagen Schlägereien in der Luft. Begünstigt durch Alkohol. Ich zumindest habe noch nie so viel angetrunkene Menschen auf einem Haufen gesehen wie bei dieser Veranstaltung. Am
Eingang werden einem zwar alle Blitzknaller abgenommen, mit meiner Flasche „Cinzano” in der Hand konnte ich die Absperrung allerdings problemlos passieren. Eine halbe Stunde vor Mitternacht reichte es. Raus aus dem Gedränge! Rein in den Tiergarten.
Merkwürdigerweise beschwert sich niemand nach den Silvesterpartys darüber, wie sehr der Tiergarten wieder gelitten habe. Denn er leidet. Auch wenn er sich im Winterschlaf befindet. Unmengen von Raketen und BÜtzknallern gingen in die Luft. Sträucher wurden zertrampelt. Dünne Ästchen dienten als Sitzgelegenheit. Vom Müll ganz zu schweigen. Auch eine nicht ganz ungefährliche Sache. Zumal es im Tiergarten kein Licht gibt, es war tierisch glatt, ständig bestand die Gefahr, von Resten der Silvesterböller angezündet zu werden. Dass da nix passiert ist…
Von weitem hörten wir Holger Speckhahn, den Moderator der SAT 1-Show, wie er den Countdown fürs Jahr 2001 zählte. Geschafft! Und sogar vom Feuerwerk haben wir noch was mitbekommen.
Übrigens: Egal, was alle Musik-Experten sagen, der Hit des Jahres ist und war „Hey Baby” von Anton. Es hat schon was, wenn nachts um 1 Uhr der ganze Bahnhof Friedrichstraße dieses Lied singt.
Ich hätte gerne anderen davon erzählt, aber das D 2-Netz ist ja leider zusammengebrochen, obwohl großkotzig angekündigt wurde, dass das nicht passieren würde.