Monatsarchiv für September 2000

RT im Kino

Kalt ist der Abendhauch

Freitag, den 22. September 2000

Charlotte (Gisela Trowe) bekommt Besuch. Hugo (Heinz Bennent) hat sich angekündigt. Wie lange haben sie sich nicht mehr gesehen? Eine Ewigkeit. Wahnsinnig lange her …
Rückblende: Deutschland in den 30er-Jahren. Charlotte (Fritzi Haber-landt) verliebt sich in Hugo (August Diehl). Auf den ersten Blick. Und eigentlich auch für immer. Aber da ist ja noch ihre Schwester Ida, die sich ebenfalls für diesen Mann begeistert. Ida und Hugo heiraten. Auch Charlotte heiratet in der Zwischenzeit, doch ihre Leidenschaft für Hugo, in dessen Ehe es auch nicht sonderlich gut läuft, ist nicht erloschen. Irgendwann im Laufe der Zeit beginnen die beiden eine Affäre. Mit Folgen. Charlotte bekommt ein Kind.
Der zweite Weltkrieg kommt. Charlottes Mann Bernhard fällt – glaubt sie zumindest. Nach Kriegsende können Hugo und sie eine Menge Geld mit Schuhen machen, die den Krieg überstanden haben. Es geht ihnen also recht gut. Doch dann steht plötzlich Bernhard wieder vor der Tür. Mit einer offenen Tuberkulose, Frostbeulen, total ausgehungert – und dem Wunsch, jetzt sofort den „ehelichen Pflichten”, nachzukommen. Gegen Charlottes Willen. Die wehrt sich. Bernhard knallt mit dem Hinterkopf auf die Ofenklappe. Tot. Zum zweiten Mal. Diesmal aber richtig. Doch wohin mit ihm? Es dürfte schließlich nicht so ein Problem sein, denn alle denken sowieso, dass er schon tot ist. So bleibt diese Sache auch Charlottes und Hugos Geheimnis. Doch mit der Liebe zwischen den beiden klappt es trotzdem nicht. Sie trennen sich. Sehen sich 50 Jahre nicht wieder.
Bis heute. Der Tag, an dem sich Hugo in Charlottes Wohnung angekündigt hat. Zeit, vielleicht doch noch die letzten Jahre zusammen zu verbringen. Zeit, klar Tisch zu machen, was ihr dunkles Geheimnis angeht. Es gibt viel zu erzählen.
„Kalt ist der Abendhauch” nach dem Bestseller von Ingrid Noll gehört zum Besten, was kinomäßig aus deutschen Landen in diesem Jahr zu sehen ist. Putzig sind vor allem die kleinen Zänkereien zwischen den hinreißenden alten Leutchen. Auch einige der Nebenrollen, die teilweise auch eigene kleine Geschichten erzählen, sind großartig.
Die Zeit, in der Charlotte und Hugo ihre Zweisamkeit noch einmal richtig genießen können, ist kurz. Aber: „Manchmal braucht es ein ganzes Leben, um fünf Minuten glücklich zu sein.” Wie wahr. Und wenn es nur fünf Minuten sind. Einmal im Leben. Hauptsache einmal richtig glücklich sein.

-> 5/5

RTZapper

Tierisch, tierisch

Donnerstag, den 21. September 2000
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MI 20.09.2000, 19.50 Uhr, MDR

Die besten Sendungen und Shows laufen ja bekannterweise beim Powersender MDR. Als herausragendste Formate sind “Kripo live” mit den sähchselnden Polizisten, die Super-Glückwunschsendung “Alles Gute”, wo Tante Frieda dem Onkel Otto per Homevideo Glückwünsche zum 98. übermitteln kann, und “Achims Hitparade”, die Volksmusikshow, mit Achim himself zu nennen. Aber ein weiteres Highlight, dem ich letzte Woche auf die Schliche gekommen bin, ist eindeutig “Tierisch, tierisch”.
Eine einfach tolle Moderatorin düst mit ihrem Trabant (okay, das ist Spekulation) zu einem Tierheim des MDR-Sendegebiets und bietet ihren Zuschauern die dort beheimateten Vie… Tierchen an. So weit, so gut. Bis hierhin ist alles okay.
Interessant wird es erst, wenn wir uns die Co-Moderatorin Ariane einmal näher betrachten. Ariane ist ein Hund, ein ziemlich zotteliger Hund sogar. Was aber wirklich komisch, ja zum Schreien ist: Ariane kann sprechen! Zwar ist sie gerade im stimmbruch (die Stimme der Hündin klingt ziemlich männlich), aber das haben die verehrten MDR-Zuschuer sicherlich noch nicht bemerkt. Also, damit ihr’s wisst: Ariane wird von einem Mann synchronisiert. Die Frau, die das eigentlich machen wollte, ist kurzfristig in den Westen rübergemacht und synchronisiert jetzt Tiffy von der “Sesamstraße” beim Westsender NDR.
Und dann gibt’s jede Woche für die kluge MDR-Zuschauerschaft ein kniffliges Rätsel zu knacken. Wer wird wohl der prominente Gast in der nächsten Sendung sein? So ganz im Regen werden die MDR-Zuschauer dabei nicht stehen gelassen. Ein Rätselfilm hilft.
Erster Hinweis: Der gesuchte Promi hatte einmal ein Bett im Kornfeld zu stehen. Hm, ich komm nicht drauf – Harald Juhnke? Zweiter Hinweis: Jetzt hat er sich selbst zum König von Mallorca ernannt. Hm, ich komme immer noch nicht drauf – Costa Cordalis? Nun wird der Gesuchte auch noch gezeigt, nur das Gesicht wird überblendet. Okay, das könnte Jürgen Drews sein. Aber wer weiß, vielleicht will mich ja der MDR auch nur aufs Glatteis führen. Ich bin wohl einfach zu dumm, um die MDR-Rätsel lösen zu können.
Ob die MDR sehenden Ossis wirklich alle so doof sind, für wie sie der MDR hält? Hoffentlich nicht.

RTZapper

Die Ingo-Appelt-Show

Freitag, den 15. September 2000
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DO 14.09.2000, ProSieben

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Wenn es dann noch um den Humor geht, lässt’s sich aber erst recht streiten.
Am letzten Donnerstag lief erstmals „Die Ingo Appelt Show” auf ProSieben, Und, tut mir leid, aber ich finde diesen Menschen einfach nicht (mehr) lustig. Derbe Scherze ganz weit unter der Gürtellinie sind sein Ding. Oftmals schießt er dabei aber übers Ziel hinaus, wird beleidigend (nach dem Motto „Wolfgang Schäuble könnte ruhig mal seinen Hintern heben”). Okay, man kann das lustig finden. MUSS man aber nicht. Auch viele seiner Einspielfilme waren nur Mittelmaß (ausgenommen die „Dingsda “-Parodie mit Jenny Elvers und Alex Jolig).
Glücklicherweise ist Appelt ja aus seiner „Ficken”-Phase hinweg. „Die Ingo Appelt Show” wird jetzt jedenfalls sage und schreibe 13-mal über die Bildschirme flimmern.
Da schätze ich doch mehr den Humor vom natürlich auch nicht unumstrittenen Harald Schmidt. Seine Gags sind auch manchmal zotig, eine gewisse Grenze überschreiten sie aber nie. Es könnten ruhig ein paar mehr Leute „Die Harald Schmidt Show” (dienstags bis freitags auf SAT 1) sehen.
Aber zu den wirklich besten Komikern (neudeutsch: Comedians) gehört eindeutig Jürgen von der Lippe. Seine Schilderungen über den ganz normalen Alltag und die schwierigen Beziehungen zwischen Mann und Frau sind das Komischste, was in Deutschland zurzeit zu haben ist. Seine Vielseitigkeit zeigt er aber auch in seinen wunderbaren Songs. Meine Empfehlung für den nächsten CD-Kauf!

RTZapper

ja

Mittwoch, den 13. September 2000
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Es kommt heutzutage nicht mehr oft vor, aber SAT 1 hat mich doch mal wieder zum Staunen gebracht. Da brüten zig Leute in den Werbefirmen darüber, welcher Slogan für das Produkt der beste ist. Heraus kommt z.B.: „RTL – Ich will mehr” oder „Mit dem Zweiten sieht man besser”. Bei SAT 1 reicht ein Wort: „SAT 1 ja”. Wahnsinn,
Ein Wort, ein Sender, ein Programm. Nur die Fragen, die sich auf „ja” beziehen, sind nicht wirklich die richtigen. Die sind den Verantwortlichen nämlich in der Eile nicht eingefallen.
Die lauten nämüch so: Sind die Quoten von SAT 1 in letzter Zeit rapide gesunken? Ja. – Gewinnt die Werbung beim Kuschelsender immer mehr die Oberhand? Ja. -Kopiert SAT 1 ein Erfolgsformat nach dem anderen und schwimmt in jeder Comedy- und Ratequiz-Welle mit? Ja. – Schmeißt der Sender Shows aus dem Programm, nur weil zu viele Rentner und zu wenige Menschen aus der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen zusehen? Ja. – Ist Milena Preradovic in Wahrheit ein sprechender Roboter? Ja. – Hat SAT 1 die Super-TV-Movie-Movies mit den bescheuertsten Titeln im Programm? Ja. – Das könnte jetzt ewig so weitergehen.
Ein Slogan ohne Aussage. Aber wozu braucht man auch eine Aussage?

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Expo 2000

Sonntag, den 10. September 2000
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SA 09.09.2000, Hannover, Messe-Gelände

„Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder”, heißt es in der Werbung für die Expo 2000 in Hannover. Und, okay, wenn sie nur einmal da ist, warum soll man dann nicht auch mal hinfahren?
Ein erstes Highlight ist die Anreise mit der S-Bahn aus den Hannoveraner Vororten zum Messe-Gelände. Damit auch jeder weiß, wo wir denn gerade sind, gibt es eine zweisprachige Streckenerklärung: „Nächste Station: Bissendorf. Next Station: Bissendorf.” Wow. Weltstadt Hännower. Alle Achtung! Schön ist auch, wenn man andere Leute beobachten kann. So lamentierten vier Frauen aus der Nähe von Bonn darüber, dass in ihrem Ort ja morgen einkaufsoffener Sonntag sei, und man deshalb ausgeschlafen sein will… Was macht man zuerst, wo will man unbedingt hin? In welchen Länderpavillon möchte ich? Falls ihr noch zur Expo wollt, rate ich euch: Überlegt euch das vorher, sonst könntet ihr gewaltige Flops erleben. So waren wir noch recht guter Dinge, als wir uns um 9.30 Uhr am „Planet Of Vision” hinten an die Menschenschlange stellten, um gegen 12 Uhr endlich rein zu kommen.
Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Meinen Geschmack hat diese Halle jedenfalls nicht getroffen. Man wurde ins 21. Jahrhundert versetzt, um dann Ausgrabungen aus dem Jahr 2000 zu sehen. Hm, ist ja spannend! Die Meinungen gingen auseinander. Wer zu allem Übel auch noch Hunger bekommt, muss tiefer in die Tasche greifen. Döner für 8 Mark! Sogar McDonald’s hat auf der Expo seine Preise angehoben …
Und erneut war wieder ein interessantes Phänomen zu beobachten: Kaum bauen irgendwelche Typen eine Fernsehkamera auf, schart sich die halbe Expo-Gemeinde um sie herum. Als das ZDF einige Aufnahmen machte, bildeten sich riesige Menschentrauben um sie herum.
Auf jeden Fall solltet ihr euch für einen Expo-Besuch mehr als einen Tag Zeit nehmen. Und: Zieht euch ja gemütliche Schuhe an. Eure Füße werden’s euch bestimmt danken. Auch wenn’s das nur einmal gibt und nie wieder kommt.

RTelenovela

Paddeln im Spreewald

Samstag, den 9. September 2000
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Burg im Spreewald. Das letzte Mal war ich vor mehr als zehn Jahren in diesem Ausflugsgebiet im Süden Brandenburgs. Höchste Zeit, wieder einmal dorthin zu fahren, um mich auf einen Kahn zu setzen und einen erholsamen Tag zu haben. Schöne Aussichten, Aber es sollte anders kommen. Nix mit Gemütlichkeit. Selber Paddeln! Ich, der sich ansonsten eher selten sportlich betätigt. Ich, angezogen mit einer langen Jeans.
Als es am Bootsverleih hieß, wir seien in drei Stunden wieder da, ahnte ich, dass dieser Tag anstrengend wird. Wir waren zu viert, je zwei Leute in einem Paddelboot – Nico und ich, sowie seine Schwester und ihr Freund.
Und schon der Einstieg war sehr wacklig, aber noch trocken. Für unsere Orientierung bekamen wir noch eine Karte, auf der alle Flüsse eingezeichnet waren.
Aber was nützt uns das, wenn wir es noch nicht einmal hinbekommen, uns einigermaßen geradeaus fortzubewegen? Immerhin haben wir so die Flora und Fauna des Spreewaldes näher kennengelernt, Vielleicht sollte man einfach versuchen, einigermaßen gleichmäßig zu paddeln – und vor allem, dass beide Bootsinsassen in die gleiche Richtung steuern. Nein, wir schipperten im Zickzackkurs den Fluss entlang. Oder verkeilten uns ganz im Flussbett.
Als wir quer auf dem Wasser standen und links und rechts in den Büschen festklemmten, hatten wir echte Probleme.
Das alles ist um so peinlicher, wenn gerade ein Kahn voller Touris vorbeikommt und uns begafft (”Na, wo wollt ihr denn hin?”). Weitere Überraschungen gab es in Form einer plötzlichen Sandbank, aus der wir uns erst einmal herausmanöverieren mussten.
Unterdessen triefte meine Hose vor Nässe, da bei unserer Fahrt „ein wenig” Wasser in unser Bötchen reinspritzte. Aber andererseits schützte mich die Hose auch vor den äußerst heimtückischen Angriffen diverser Mückenschwärme.
Unterbrochen wurde unsere schöne „Von-Strauch-zu-Strauch-Fahrt” nur von zwei Schleusen, die wir natürlich selbst bedienen mussten. Eigentlich waren es ja drei, die dritte war aber netterweise geschlossen, sodass wir unsere Reise zu Fuß, mit dem Boot in der Hand, fortsetzen durften. Das erhöhte den Spaßfaktor dieser ganzen Reise natürlich beträchtlich.
Inzwischen waren auch die drei Stunden vorüber, wir aber noch lange nicht am Ziel. Wir fuhren nämlich nicht nur Zickzack, sondern auch noch in eine völlig falsche Richtung. Wir haben uns verfahren. Trotz Karte. Ich hatte die Schnauze voll, hätte ein Fahrrad oder vielleicht sogar ein Taxi am Ufer gestanden, vielleicht hätte ich diese Chance genutzt.
Nach läppischen viereinhalb Stunden hatten wir unser Ziel endlich erreicht. Völlig fertig, die Sachen dreckig und total durchnässt kletterte ich aus dem Boot. Ich schwor mir, nie wieder so etwas mitzumachen.
Aber irgendwie hat das. alles doch ein bisschen, nur so ein klitze kleines bisschen Spaß gemacht, sodass es wohl doch noch ein „zweites Mal” geben wird!

RTZapper

Alex

Mittwoch, den 6. September 2000
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DI 05.09.2000, 20.15 Uhr, B 1

Habt ihr in letzter Zeit mal das Programm von TV.Berlin gesehen? Nein? Okay, ich auch nicht. Ich wüsste auch gar nicht so genau, was ich denn da gucken sollte. Interessantes habe ich in meiner Fernsehzeitung bei dem Berliner Privatsender schon lange nicht entdecken können. Anscheinend bin ich nicht der einzige, der so denkt, denn die Einschaltquoten von TV.Berlin sind ziemlich im Keller. Und das soll (mal wieder) anders werden.
Georg Gafron, der Boss des Senders (der in letzter Zeit einen großen Quoten-Misserfolg mit seinem Radiosender „Hundert,6″ feiert), plant mal wieder eine große Programm-Offensive.
So wird jeden Dienstag um 20.15 Uhr eine Sendung mit dem Titel „Live vom Alex” zu sehen sein. Gut und schön. Leider hat der Konkurrent B 1 vom SFB etwas dagegen. Don läuft nämlich zur selben Zeit ebenfalls eine Talkshow mit dem Namen „Alex”. Schon seit Jahren. Und nicht erfolglos.
Bei B 1 ist man jetzt natürlich sauer und verlangt, dass TV.Berlin den Namen der Sendung ändert.
Wovor haben die vom SFB eigentlich Angst? Qüotenmäßig können sie sich zurücklehnen. Und wahrscheinlich wird sich daran auch nichts ändern. Bisher waren alle Programm-Offensiven von Gafrons Sender nur ein Sturm im Wasserglas.
Dieser Rummel um „Alex” ist wahrscheinlich sowieso bloß reine Werbung für TV.Berlin. Aber deswegen werden sie trotzdem nicht mehr Zuschauerbekommen.