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Stück mit ohne Schluss

Henriette-Schüler spielten absurdes Theaterstück von Woody Allen

MAZ Oranienburg, 24.1.2000

Das bedeutenste Merkmal an einem absurden Theaterstück ist wohl, dass eigentlich nichts so ist, wie man es von einem normalen Theaterstück erwartet. Da wird mitten in der Handlung darüber diskutiert, ob man das denn jetzt wirklich so spielen könne oder die Schauspieler sitzen unbemerkt von den Zuschauern im Publikum und werden erst im Laufe des Stückes darin einbezogen.
Der Kurs Darstellendes Spiel I der 13. Klassen des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiums präsentierte am Freitag in der vollbesetzten Aula das absurde Stück „Gott” von Woody Allen. Die Leitung hatte Achim Dawid.
Schon der szenische Beginn ist ungewöhnlich. Am Anfang wird über den Schluss diskutiert. Der Schluss eines Stückes ist in den meisten Fällen hoffnungslos, unbefriedigend und einfach nicht glaubhaft. Es liegt einfach kein Sinn darin! Dieser felsenfesten Ansicht ist der Schauspieler Diabetes. Er soll nämlich im neuesten Stück von Hepatitis von Rhodos „Der Sklave” mitspielen. Diabetes findet zwar, dass es sich hierbei um ein „Sudeldrama” handele, aber da er nun mal ein arbeitsloser, verhungerter Schauspieler sei, müsse er da wohl durch.
Des weiteren klärt Hepatitis seinen Schaupieler darüber auf, dass sie ja auch nur Teil eines Stückes sind und sie die ganze Zeit von einem Publikum angestarrt werden, worauf die beiden auf die Idee kommen, dass sich die Zuschauer ja ruhig auch mal einen vernünftigen Schluss ausdenken könnten.
Tatsächlich meldet sich aus dem Publikum die Philosophiestudentin Doris Lewin aus Eden (natürlich auch Schauspielerin). Sie würde zu gerne im Stück mitspielen. Nicht nur das: Hepatitis ist so scharf auf Doris, dass er am liebsten sofort auf der Bühne mit ihr schlafen würde, was Diabetes wiederum veranlasst, sich telefonisch beim Autor Woody Allen zu beschweren.
Schließlich gibt es doch noch einen Vorschlag für einen richtigen Schluss. Die lispelnde Trichinosa lässt eine Tonne auf die Bühne fahren. In dem Moment, wo Diabetes zu Zeus betet, kommt der aus der Tonne und rettet ihn.
So weit, so gut. Der Schluss ist klar, das Stück beginnt. Doch auch hier funktioniert nichts so, wie es gedacht war. Das Ende wird zum Debakel.
Großes kleines Theater wurde geboten. Das Ensemble um Michael Wudick konnte voll überzeugen, was auch der heftige Applaus des Publikums deutlich zeigte. Es sollte nicht nur bei dieser einen Aufführung bleiben!

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