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Polylux: Rahbari

DO 28.10.1999, ORB

In einer Telefon-Talkshow hält der Moderator einen gelben Karton, auf dem „Rappelkiste” steht, ins Bild: „Was ist da drin?” Anrufer: „Ein Jude! Keine Ahnung, weiß ich nicht.” Moderator: „Da passt doch gar keine Dusche rein!” Anrufer: „Das Ding war gut!” Moderator: „Nein, also Spaß beiseite, über sowas spaßt man nicht.”
Das war ein Auszug aus dem von TV.Berlin ausgestrahlten Call-in-Talk „Rahbari” vom 11.10.1999. Es war gleichzeitig die letzte von Christian Rahbari moderierte Sendung. Nachdem dieser Dialog so über die Antenne ging, wurde er von TV.B-Chef Georg Gafron fristlosgefeuert. Wegen antisemitischer Hetze. Richtig so. Oder?
Um das genauer beurteilen zu können, muss man erstmal wissen, was „Rahbari” eigentlich für eine Sendung war. Von TV.Berlin offensiv als „Hate-Talk-Show” promotet, wurde hier viermal in der Woche um Mittemacht geprollt und gepöbelt, was das Zeug hielt. Rahbari machte sich vor allem über „die in der Platte” oder über die zugezogenen Bonner lustig.
Auch Ausländer und Arbeitslose wurden nicht verschont.
Aber war Rahbari wirklich so? Hatte er wirklich solche Ansichten? Als Zuschauer mit Grips sollte man sich eigentlich denken können, dass dieser Mensch mehr oder weniger eine „Fernsehfigur” war. Was wäre denn ein „Hate-Talk” ohne „Hate”? Wobei der Hass doch mehr von den Anrufern kam. Sie waren es doch, die ungestraft „fette Sau” oder auch „Heil Hitler!” über den Äther schicken durften. Rahbari war meistens nur derjenige, der darauf reagieren musste. Richtig, die Antwort auf den Juden im Karton war falsch, aber wurde doch sofort relativiert.
Aber ist diese Entscheidung nicht auch ziemüch scheinheilig von Herrn Gafron? Laut eines Berichts des ORB-Magazins „Polylux” soll er ja die Politisierung der Talkshow veranlasst haben. Andererseits: Wenn bei einer Straßenumfrage ein älterer Herr meint, der Rahabri hatte ja immer Recht, wenn’s um die Ausländer ging, dann ist die Absetzung wohl doch richtig.

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