Monatsarchiv für September 1999

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ProSieben Morningshow

Montag, den 27. September 1999
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MO 27.09.1999, 6.30 Uhr, ProSieben

Morgentliches Lachen bis der Arzt kommt: Jetzt gibt es immer ab 6.30 Uhr die „ProSieben MorningShow”! Morgenmuffel sollten sich allerdings überlegen, ob sie sich Comedy am Morgen antun wollen.
In der Montagssendung versuchte Ken Jebsen beispielsweise beim Berlin-Marathon, dass einer der Läufer ein Paket mitschleppt. Ein echter Brüller! Ein Zivi wurde für diese Sendung engagiert, um einen alten Sack zu waschen. Für den Rest des Tages durften sich die Zuschauer um ihn bewerben. Nicht besonders komisch. Wigald Boning durfte vor einer Tapete mit Hochhäusern drauf so tun, als ob er live aus New
York berichtet. Abgerundet wird das alles mit tollen Quizrunden, bei denen es letztendlich wurscht war, ob die Fragen auch beantwortet wurden und (man glaubt es kaum) mit richtigen Nachrichten. Erdbeben und Kriege zwischen Comedy und Blödeleien. Sogar Studiogäste werden jeden Morgen eingeladen. Allerdings fragt man sich wozu, denn das Interview mit Christian Wunderlich am Montag dauerte nicht sehr lange und war völlig inhaltsleer… Ist das wirklich DAS Konzept für den Morgen? Steffen, Ken, Wigald und eine Moderatorin, die immer nur lächelt und eigentlich nichts zu tun hat? Nicht wirklich.

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Leichenspeicher

Dienstag, den 21. September 1999
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Ich weiß, das Wort klingt gemein und ich will euch auch erklären, was damit gemeint ist. Gestern sind Willy Millowitsch und Raissa Gorbatschowa gestorben. Aus diesen Anlässen haben die Fernsehsender ihr Programm geändert. Und manchmal fragt man sich doch tatsächlich, warum sie in so einer kurzen Zeit einen fertigen Nachruf ausstrahlen können. Und damit wären wir dann auch wieder bei dem oben stehenden Wort. Es ist ein offenes Geheimnis, aber insbesondere ARD und ZDF haben von vielen (noch lebenden) Stars so einen Nachruf bereits in ihrem Archiv zu liegen. Nehmen wir mal an, morgen früh stürbe der Papst. Es wäre für die Sender kein Problem, nur wenige Minuten später, einen Nachruf zu senden. Er muss nur entsprechend aktualisiert werden. Als Heinz Rühmann vor ein paar Jahren für immer eingeschlafen ist, war auch sein Nachruf seit Wochen fertig. Wenn jemand alt und krank ist, klingeln bei den Sendern also die Alarmglocken. Irgendwie ein erschreckender Gedanke. Geradezu makaber. Aber das Business ist noch härter. Je höher nämlich das Amt oder die Popularität der Person, die gestorben ist, um so länger ist auch die Sendezeit für deren Nachruf.
Ein Beispiel dafür: Wäre Roman Herzog gestorben, als er noch Innenminister von Baden-Württemberg war, hätte ihm die ARD einen Beitrag von 150 Sekunden Länge gewidmet. Doch dann wurde er Bundespräsident. Nun bekäme er eine 30-minütige Sondersendung. Nun gut, Roman Herzog lebt glücklicherweise noch, aber der „Ernstfall” ist schon geprobt. Das Wort „Leichenspeicher” ist also gar nicht so weithergeholt…

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peep!: Die Kanzler-Satire

Dienstag, den 14. September 1999
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SO 05.09.1999, 22.15 Uhr, RTL II

Was wirkliches Schicksal ist, erlebt unsere gute Naddel seit letzter Woche. Das „satirische” Kanzlerinterview mit Gerhard Schröder als Gummipuppe wird wohl juristische Folgen haben. Letzte Woche bin ich darauf gar nicht eingegangen. Ich fand diese Sache irgendwie ziemlich unbedeutend.
Vor kurzem erschien auf CD die Maxi „FKK (Everybody To Wear Gar Nichts)” von der Gerd-Show. Hier erzählt der Gerd, wie man mit sich und seiner Umwelt zurecht kommen kann. In dem Naddel-Interview in „peep!” wurden teilweise ganze Zitate von dieser CD übernommen. Darum vermutete ich, dass es sich bei diesem Interview mehr oder weniger um Werbung für die CD handelt. Dazu kommt auch noch, dass das Video (mit der gleichen „anzüglichen Puppe) zur Maxi auch schon u.a. im WDR zu sehen war. Darüber regte sich niemand auf. Deshalb finde ich den ganzen Wirbel um diese zugegebenermaßen ziemlich schlechte Satire für völlig übertrieben!

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Die Springfield Story

Dienstag, den 14. September 1999
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DI 14.09.1999, RTL

Es ist fast unglaublich, was sich am Freitag vormittag bei RTL ereignen wird. Nach fast 15 (!) Jahren wird die „Springfield Story” sein plötzliches Ende finden. Und das nach sage und schreibe 3278 Folgen. Was werden jetzt die vielen Hausfrauen und Rentnerinnen tun, die seit Jahren Tag für Tag dieses epische Werk verfolgen? Werden sie weiterhin RTL sehen, wo ab Montag ein neues Magazin namens „Mein Morgen” läuft? Werden sie sich stattdessen um andere, wichtigere Dinge kümmern? Es gibt ja noch den kleinen Trost, dass die Serie auch bei tm 3 läuft, allerdings läuft hier am Montag erst Folge 2430, was bedeutet, dass neue Folgen in etwa drei Jahren kämen. Schicksal!!!

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peep!

Montag, den 6. September 1999
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SO 05.09.1999, 22.15 Uhr, RTL II

Am Sonntag lief bei RTL II die erste Folge von „peep!”, der Erotik-Show mit Nadja „Naddel” ab del Farrag. Und, sorry, es war einfach nur schlecht. Wir alle erinnern uns ja bestimmt auch noch an ihre Vor-Vorgängerin Verona Feldbusch. Gut, auch sie war grottenschlecht, aber das mit großem Charme. Nadja (ihren Spitznamen will sie jetzt nicht mehr so oft hören) besticht durch ihre schönen Zähne, die sie nur selten auseinander bekommt und durch das grauenhaft schlechte Ablesen von Moderationen: hölzern und überbetont.
Im Vorspann rekelt sie sich mit einem wilden „Nimm-mich-Blick” auf diversen Sofas. Von der Off-Stimme wurde sie dann als erotischste Frau Deutschlands angekündigt. Gut, darüber kann man streiten. Naddels Kleid ließ ihr Dekoltee und damit ihr herausragendes Schlüsselbein voll zur
Geltung kommen. Packend waren aber auch die journalistisch hochwertigen Beiträge. Da kann der geneigte Berlin-Tourist jetzt Stadtrundfahrten mieten, bei denen es ziemlich heiß her geht. Darf man dem Bericht Glauben schenken, fielen die Gäste auf der Rücktour einfach nur noch wild übereinander her. Ein weiteres Filmchen machte auf den neuesten Erotiktrend aufmerksam: BHs aus Holz. Klasse! Der Zuschauer hatte nun also ausführlichst Gelegenheit, sich Frauen anzusehen, die sich ein paar Holzstückchen um ihre besten Teile geschnallt haben und das total toll fanden. So toll dass wir das von vorne, von hinten, von oben, von unten und noch mal von vorne… Lassen wir das.
„peep!” mit Naddel ist also nicht besser oder gar niveauvoller als mit Verona. Im Gegenteil: Früher gab’s wenigstens was zu lachen.