Tagesarchiv für 5. Februar 1999

RTelenovela

Prenzlau – Tegel und zurück

Freitag, den 5. Februar 1999
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Was erlebt man nicht alles, wenn man sich durch den morgentlichen Verkehr drängelt, um die weiblichen Angehörigen unserer Bundeswehrsoldaten im Ausland zum Flughafen Berlin-Tegel zu bringen oder zu holen… Eines läßt sich ganz einfach feststellen: Frauen haben sich grundsätzlich IMMER etwas zu erzählen! Echt wahr! Einige von ihnen schafften es tatsächlich, sich über die gesamte Fahrt hinweg (sie dauerte immerhin fast zwei Stunden) über die verschiedensten Dinge auszutauschen: ganz schlechte Zensuren auf Zeugnissen von irgendwelchen Kindern, das beschissene Wetter hier in Prenzlau, ob man denn einen Reisepaß braucht, ob es wirklich notwendig ist, Badelatschen mitzunehmen und noch viele, viele andere weltbewegende Themen..,
Als Fahrer hat man dagegen ganz andere Sorgen. Kein Radio im Auto. Nur die Frauen-Talk-Runde im Hintergrund. Und dann noch ein netter kleiner Stau. Vielleicht kennen einige von euch die supertolle Autobahn A11 und die Verhältnisse, die dort herrschen. Auf einem 11 Kilometer langen Teilstück, ist die Straße nur zweispurig und so brüchig, daß man froh ist, wenn man das ganze heil überstanden hat. Die Straße ist nun aber so schlecht, daß sie ständig ausgebessert werden muß. Die Folge: Eine Baustelle in der Baustelle. Einspuriger, wechselseitiger Verkehr. Eine Ampel. Ein Stau. Eine große Zeitverschwendung. Und eine Frauen-Talk-Runde im Hintergrund… Und wenn man sich nicht verfahren hat, kommt man dann schließlich irgendwann auch am Flughafen Berlin-Tegel an.
Allerdings kommt dann die nächste ganz große Hürde: die Parkplatzsuche. Aber wenigstens kommt man in den großen Genuß, die Straßen rund um den Flughafen näher kennenzulernen. Und die Taxis. Davon stehen nämlich auch hunderte rum. Wahrscheinlich gibt es in Tegel mehr Taxis als Fluggäste, Rentieren scheint es sich aber trotzdem oder warum stehen die sonst stundenlang da rum? Darüber macht man sich seine Gedanken. Und im Hintergrund die Frauen-Talk-Runde.
Aber irgendwann haben wir dann doch noch einen netten kleinen Parkplatz gefunden (im Parkverbot) und so konnten die Damen unseren geräumigen 8-Sitzer verlassen und in ihr Flugzeug nach Dubrovnik steigen…
Ganz andere “Probleme” gab es, wenn wir die Damen vom Flughafen wieder abholten.
An erster Stelle auch hier natürlich die Parkplatzsuche. Nur daß wir in diesem Fall ja wirklich parken mußten. Wer weiß, wann die ankommen und wie lange wir warten müssen? Heraus kam wieder ein Parken im Parkverbot, Hauptsache, es kommt keine von diesen netten Politessen! Im Flughafen selber mußten wir erst einmal herausfinden, auf welchem Flugsteig die Frauen ankommen. Und vor allem wann! Doch nicht etwa pünktlich? Natürlich nicht! 30 Minuten Verspätung!
Was macht man in der Zeit? Sich eine Zeitung kaufen und warten. Leute beobachten.
Aus einem anderen Flugzeug steigen Leute aus, die schon jetzt fleißig mit ihrem Handy telefonieren. Tja, denn die sind wichtig. Und das muß man zeigen! Ein anderer Mann wird sofort von seiner Familie fotografiert, als er den Zoll-Bereich verläßt. Die Freude ist ihm richtig ins Gesicht geschrieben. Irgend so ein Fuzzi mit coolen Turnschuhen, obercooler Hose und einer echt supercoolen Jacke wartet mit einem Zettel in der Hand. Offensichtlich muß er auch jemanden abholen, den er nicht kennt. Und tatsächlich, wenig später winkt er einer Frau zu. Sie winkt zurück. Aber nicht ihm. Sondern einem anderen. Peinlich…
Dann kommt endlich “unsere” Maschine aus Frankfurt/M. Auch hier steigen viele Handy-Menschen aus. Und ganz Prominente auch: unser Bundesinnenminister Otto Schily geht mit seinen Bodyguards nur wenige Schritte von uns entfernt vorbei. Sowas erlebt man nicht alle Tage…
Die Frauen wissen, daß sie von der FBSt, also von Bundeswehr-Leuten abgeholt werden. Aber daß da ein oder zwei Leute in Tarnuniformen in der Flughafen-Halle herumstehen, fällt ihnen leider nicht auf. Woher soll der arme Bw-Angehörige, der die Frauen noch nie gesehen hat, wissen, wie sie aussehen? Die Frauen strafen ihn jedenfalls mit groben Desinteresse. Als der arme Bw-Angehörige wenig später aber (leicht säuerlich) zu seinem 8-Sitzer vor der Halle läuft, warten die Frauen schon. Aber wenigstens geben sie zu, daß ihnen das ganz schön peinlich ist… Es ist schon komisch (aber irgendwie auch entspannend), daß die Frauen auf der Rückreise weniger gesprächig sind. Da schlafen sie meistens. Und kein Radio im Auto…

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