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In der AGA (19): 10 Tage Klietz

Punkt 6.00 Uhr. Truppenübungsplatz Klietz. Seit sechs Tagen sind wir nun schon hier. Das große zweiwöchige Bataillonsbiwak. Tausende Soldaten scheinen insgesamt auf diesem gewaltigen Platz zu sein. Ich weiß, dass auch Kompanien aus Prenzlau und Storkow hier sind. Und wer weiß, von woher sie noch hierher gekommen sind. Noch liegen wir in unseren kleinen Zelten. Im Schlafsack ist es herrlich warm. Man könnte noch stundelang hier drin liegen bleiben.
6.01 Uhr. Von draußen zieht jemand am Reißverschluss des Zeltes und umfasst meinen Knöchel. „Aufstehen!“ R., der wohl gerade Wache schiebt, ist jetzt, um diese Uhrzeit, auch fürs wecken zuständig.
6.03 Uhr. Ich will noch nicht aufstehen, es ist doch so schön warm in meinem Schlafsack! Von Patrick ist nur ein leises Grummeln zu vernehmen.
6.06 Uhr. P. pellt sich aus seinem Schlafsack. Ich glaube, ihm ist ein wenig kalt. Kein Wunder, draußen herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Es ist bald Ende Oktober. Als er fertig ist, kriecht er aus unserer kleinen Hütte.
6.11 Uhr. Wieder packt mich jemand am Knöchel.
6.12 Uhr. Auch ich steige endlich aus dem Schlafsack. Und es ist kalt. Arschkalt. Schnellstens ziehe ich mich an, angle meinen Waschbeutel aus meinem Rucksack und klettere hinaus.
6.18 Uhr. Das Lagerfeuer wärmt. Nicht nur mich und die anderen, sondern auch einen kleinen Tank mit Wasser. Inzwischen haben wir auch gelernt, uns ohne Spiegel zu rasieren.
6.29 Uhr. Unsere Gruppe sammelt sich. Wir verlassen unser Nest zwecks Essen fassen. Brötchen, harte Butter, nicht so ganz harte Margarine, Marmelade, Wurst. Ich kann’s nicht mehr sehen.
7.00 Uhr. Kompanieantritt auf der kleinen Straße am Waldrand. Hauptmann J., der Kompaniechef, faselt etwas von einer guten Laune und es mache allen sichtlich großen Spaß. Der arme scheint leicht verwirrt zu sein und an Sinnestäuschungen zu leiden.
7.12 Uhr. Ich habe ein dringendes größeres Geschäft zu erledigen. Glücklicherweise gibt es hier auf dem Truppenübungsplatz gemütliche Dixi-Klos. Wer möchte, kann auch dabei auch die Geschäftsabschlüsse der vorherigen Besucher bewundern.
7.26 Uhr. Einige haben das Gruppennest verlassen und laufen kreuz und quer übers Gelände. Dabei starren sie die ganze Zeit auf ihr Handy und rufen sich gegenseitig die aktuellen Balkenanzeigemeldungen zu. Es scheint eine Eigenart von Truppenübungsplätzen zu sein, dass es hier kaum Handyempfang gibt. Pio Sch. bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen. „Hier! Ich habe einen Balken!“
Seit dem letzten Sonnabend sind wir nun schon in Klietz. Netterweise mussten wir von Havelberg die gut 40 Kilometer hierher nicht laufen. Ein Bus hat uns gefahren. Den Rückweg aber müssen wir zu Fuß bestreiten und ist gleichzeitig unsere Rekrutenprüfung.
Viele schöne Sachen haben wir in den vergangenen sechs Tagen erleben dürfen. Bei einer äußerst spannenden Nachtwanderung haben wir uns verlaufen. Wir haben wundervolle Skizzen gemalt. Unser G3 unzählige Male auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Sind geschlichen, gerobbt, gerannt und leben trotzdem noch.
Heute ist Freitag. Das Wochenende verbringen wir noch an diesem unsäglichen Ort, Montag und Dienstag werden wir dann geprüft, ob wir gute Rekruten sind.

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