Tagesarchiv für 8. September 1998

RTelenovela

In der AGA (8): Regelmäßig waschen!

Dienstag, den 8. September 1998
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Dienstag. Noch drei Tage bis zum Wochenende. Der Tag fing schon mal blendend an. Beim Frühstück war die Nuss-Nougat-Creme alle. Wir waren heute einfach zu langsam. Das heißt, eigentlich war nur Pionier H. langsam. Aber wir sind ja Kameraden. Da teilt man alles miteinander. Auch den Anschiss. Weil wir wie gesagt zu lahm waren. Wir alle. H. hat es vor dem Antritt nicht mehr geschafft, sich die Stiefel zuzubinden. Kann passieren. Aber unser ganzer Zug, also wir alle, hat wieder einmal kläglich versagt. Sagte zumindest Unteroffizier G. So kamen wir eben später zum Frühstück. Wo die Nuss-Nougat-Creme eben schon längst alle war.

Jetzt ist es kurz nach 7 Uhr morgens. Frisch und munter folgen wir G’s Monolog über das Leben im Feld. Damit ist keineswegs irgend ein Kornfeld gemeint, sondern das freie Gelände, in dem alle Soldaten kampieren. Steht uns auch noch bevor. Nette kleine und große Biwaks. Das Letzte vor der Rekrutenprüfung Ende Oktober soll fast zwei Wochen lang dauern, geht das Gerücht um. Hoffentlich bleibt es nur ein Gerücht.
Viele wichtige Neuigkeiten erfahren wir: „Wichtig ist die regelmäßige Körperpflege, auch zur Vorbeugung von Hautkrankheiten.“ – Hätte ich ja gar nicht für möglich gehalten. Täglich waschen? Wer macht denn so was? Auch täglich rasieren, Strümpfe jeden Tag wechseln, aber niemals Neue – die scheuern an den Stiefeln. Und die Speisereste aus den Zähnen entfernen.
Es wird auch in den folgenden Minuten nicht spannender. Wir erfahren, dass wir uns bei Kälte bewegen müssen, damit uns warm wird, wir unsere Bekleidung nach dem Wetter richten sollen, wir, wenn wir das Essen bekommen, es vorher prüfen sollen, ob es überhaupt essbar ist, wir uns gefälligst um unsere Waffen zu kümmern haben, dass sie uns nicht verrosten und verdrecken und und und. Wir haben echt selten so viel Neues innerhalb von 90 Minuten erfahren. Wie wir eigentlich das Abi geschafft haben, ohne je solche Informationen bekommen zu haben, ist uns völlig schleierhaft.

Und wieder einmal Formaldienst. Endlich wieder an der frischen Luft. Das lässt sich aushalten. Zumal man immer wieder einen neuen Winkel der Kaserne kennen lernt. Dass mit dem Marschieren muss bald klappen, denn schon in zehn Tagen haben wir in Strausberg unser feierliches Gelöbnis. Ob das wirklich feierlich wird, wird sich allerdings noch zeigen.

Man lernt nie aus bei der Bundeswehr. Darum lernen wir jetzt das Landkartenlesen. Und das Karten abmalen. Denn: „Der einzelne Soldat wird nur vorübergehend für einen bestimmten Auftrag eine Karte erhalten.“ Schön, wie sich bei N’s Rezitation gerade herausgestellt hat, kann auch der Stabsunteroffizier lesen. Das beruhigt uns ungemein. „Er muss eine selbst gefertigte Skizze benutzen.“ Und die müssen wir uns jetzt erst mal zusammenbasteln.
Dienstschluss. Ein Tag, der für uns Soldaten viele wichtige und noch nie gehörte Informationen brachte, geht zu Ende. Das muss man alles erst mal verdauen.
Morgen ist Mittwoch. Halbzeit.

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