Monatsarchiv für Juni 1998

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Lindenstraße on Tour

Sonntag, den 14. Juni 1998
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Sich immer nur „durchzuzappen” wird irgendwann langweilig. Also bin ich mal dahin gefahren, wo das Fernsehen und die Stars waren.
Da kann ich mich an dieser Stelle ja gleich mal outen: Ich bin „Lindenstraßen-Fan”. Und das schon seit Ewigkeiten. Die „Lindenstraße” befindet sich gerade auf einer Promotion-Tour durch Ostdeutschland. Weil angeblich die sonntags 18.40 Uhr in der ARD ausgestrahlte Serie im Osten weniger Zuschauer erreicht, will man die Leute hier jetzt darauf aufmerksam machen. Potsdam ist nah, also ich nichts wie hin.
Da war ich allerdings nicht der einzige. Wie die Furien stürzten sich Hunderte Fans auf die Stars, um Autogramme zu erhäschen. In dieser Hinsicht bewundere ich die Schauspieler ja total: „Für Klaus-Rüdiger, schöne Grüße von Ihrem…” Und das zigmal in zwei Stunden!
Für uns Serien-Junkies wurden dann noch Bilder von „Hinter den Kulissen” und Pannen beim Dreh gezeigt. Das Beste: Schon einen Tag vor der Fernsehausstrahlung durften wir die aktuelle Serien-Folge sehen. Und wie oft ist man schon bei einer „Weltpremiere” dabei?
Danach hatten wir die Gelegenheit, mit den fünf Stars, u. a. Willi Herren (Olli Klatt) und Joachim Hermann Luger (Hans Beimer), die sich auf der Bühne plaziert hatten, zu plaudern. Hier wurdezum Beispiel verraten, daß, wenn wichtige Ereignisse passieren, die auch für die Serie relevant sind, diese noch bis zum Freitag vor der Ausstrahlung eingebaut werden können. Jeder Schauspieler muß also immer „abrufbereit” sein. Ein junges
Mädchen, welches direkt vor mir saß und einfach mal ziemlich nervig war, fragte, wie alt denn die Schauspieler seien. Die meisten waren, glaube ich, peinlich berührt.
Wirklich auffällig war, daß der Bösewicht der „Lindenstraße”, Olli Klatt, im „wirklichen Leben” zu den sympathischsten der anwesenden Stars gehörte. Und eigentlich hatten sich die „Macher” gewünscht, daß die Fans auch ein wenig Kritik äußern. Aber dazu kann ich nur sagen: wo es nichts zu kritisieren gibt, kann auch nichts in dieser Hinsicht kommen (ich weiß, nicht alle sind dieser Meinung).
Am 26. September ist das “Lindenstraßen”-Team in Berlin. Da könnt auch ihr eure Stars live erleben und vielleicht auch ein paar Unterschriften und Souvenirs abstauben.

RTelenovela

Abi, mündlich

Freitag, den 12. Juni 1998
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Obwohl es nicht gerade leer ist in der Cafeteria des LHG, ist es doch ziemlich still. Es herrscht eine angespannte Ruhe. Alle warten nämlich darauf, dass die mündliche Abiturprüfung beginnt. Ich habe heute meinen großen Tag in Biologie mit Herrn Söllner.
Alle sitzen am großen Tisch und blättern in ihren Heftern. Ich überfliege nochmal die Seiten mit dem Ökosystem See.

Wenig später ist die Zeit gekommen, wo ich mit der Prüfung dran bin. Ich betrete, mit leicht zittrigen Knien, den Prüfungsraum. Dort erwarten mich gleich drei Lehrer. Da ist zuerst natürlich mein Fachlehrer Herr Söllner. Er wird gleich die Fragen stellen. Als Zweites sitzt da die Prüfungsvorsitzende Frau Baumgartl, die auch Biologie und Chemie unterrichtet. Und dann gibt es noch die Schriftführerin, Frau Müller. Sie hat nur zu schreiben und nichts zu sagen.
Als ich den Raum betrite, lächeln die drei mich an. Söllner ist der erste, der das Wort ergreift. “Hallo! Wie geht es Ihnen?” (Herr Söllner hat mich noch nie gesiezt. Aber heute ist ja alles anders.) “Also, noch geht’s mir ganz gut. Aber ich habe ja auch noch nicht meine Aufgabe bekommen.” – “Ach, das wird bestimmt nicht schlimm!” Die drei kommen aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus. “Sind Sie imstande, heute diese mündliche Prüfung durchzuführen?” Meine Knie zittern, mein Magen rebelliert, ich stehe kurz vorm Kotzen, ich fange an zu schwitzen, mir wird langsam schummrig vor Augen. Aber das sollte ich vielleicht nicht erwähnen. Ja, alles okay, sage ich.
Der Umschlag mit den Fragen. Danit gehe ich rüber in den Biologieraum, der heute zum Vorbereitungsraum für die mündliche Prüfung umfunktioniert wurde. Hier haben alle Prüflinge eine halbe Stunde Zeit, sich die Fragen durchzulesen und sich einige Notizen zu machen. Ein paar Leute schwitzen bereits über ihren Zetteln, als ich von Frau Thiemrodt seine (noch) weißen Blätter bekomme. “Viel Glück”, sagt sie.
Ich setze sich an einen der Tische. Der Umschlag ist schnell geöffnet. Als ich mir die Aufgabe durchlese – Erleichertung: Ökosystem See. Das Risiko, die wirklich schweren Themen nicht oder nur sehr wenig zu lernen, hat sich also ausgezahlt. Und so mache ich mir Notizen über die Sauerstoff-Zirkulationen im See in den verschiedenen Jahreszeiten und über die Frage, warum Flüsse und Seen im Sommer manchmal “umkippen”.
Und jetzt ist es endgültig soweit. Meine mündliche Prüfung. Wenn diese erledigt ist, war es die letzte “Amtshandlung” für die Schule. Alles andere, was in den nächsten Wochen folgen wird, ist Fun und Action. Herr Söllner ergreift wieder zuerst das Wort. “Sie können sich da an den Tisch setzen.” Auf besagtem Tisch steht eine Flasche mit Zitronenbrause und ein leeres Glas. Ich gieße mir ein wenig davon ein und stelle beim ersten Schluck fest, dass ich doch keinen Durst habe. Und dann geht es los. Ich erzähle, was ich mir vorher alles aufgeschrieben habe.

Die Stunden bis zur Bekanntgabe der Zensur sind schleppend langsam vergangen. Aber jetzt ist es so weit. Die restlichen Abiturnoten werden allerdings erst später bekannt gegeben. Jetzt sind zwar alle widerrum hochnervös, allerdings keinesfalls mehr so aufgeregt wie heute morgen. “Ich bin ja so gespannt!” – “Ich bin bestimmt durchgefallen!” “Das Thema habe ich überhaupt nicht gelernt.” – “Hoffentlich ist die Note nicht schlechter als Eins minus!” Ich werfe Judith einen missbilligenden Blick zu.
Aber dann erscheint Frau Elert mit den Zetteln, wo die Noten drauf stehen. Und mir fällt ein Stein vom Herzen: eine Drei plus!

RTZapper

SAT 1 ohne “Glücksrad”

Montag, den 8. Juni 1998
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Ich will ja nicht schadenfroh sein, aber ich glaube, daß ich allen Grund dazu habe. Und irgendwie habe ich ‘s auch geahnt.
Seit dem 18. Mai läuft das „Glücksrad” bei Kabel 1 mit recht akzeptablen Quoten. SAT 1 hatte sich von seiner Show wegen der zu alten Zuschauer verabschiedet. Nun hat SAT 1 allerdings ein Problem: Mit den Serien und der Sendung „Blitzlicht” auf besagtem Sendeplatz erreicht der Sender nämlich so gut wie gar keine Zuschauer mehr. Nur rund eine Million Leute sind SAT 1 zu dieser Zeit zugeneigt, was auch kein Wunder ist. Während „Blitzlicht” läuft, haben die Zuschauer längst schon ähnliche Formate wie „ Exclusiv” (RTL), „Leute heute” (ZDF) oder „Brisant” (ARD) gesehen, wo es auch Promiklatsch zu erfahren gibt. Danach laufen bei SAT 1 fast ausschließlich Serien-Wiederholungen.
Einige („J.A.G.”, „Die Unzertrennlichen”) waren auch schon bei der Erstausstrahlung Flops. Warum sollten sie also jetzt Erfolg haben?
Und auch die unmittelbare Konkurrenz ist groß. Bei RTL laufen „Explosiv” und „GZSZ”, in den Dritten die Regionalmagazine sowie ab 20 Uhr die „Tagesschau” im Ersten, Die Zuschauer mit ollen Kamellen davon wegzulocken, scheint wohl aussichtslos. Fakt ist jedenfalls, daß das „Glücksrad” dreimal so viele Zuschauer hatte wie die „neuen” Sendungen. Schon jetzt hat SAT 1 kräftig Marktanteile verloren. Und wenn Programmchef Fred Kogel noch mehr so kluge Entscheidungen trifft, wird SAT 1 wohl zum Randprogramm!

RTZapper

Das Aus für Nickelodeon

Mittwoch, den 3. Juni 1998
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Werte Trauergemeinde, wir haben uns hier zusammengefunden, um den am Sonntag abend plötzlich verstorbenen Kindersender Nickelodeon die letzte Ehre zu erweisen. Noch am Wochenende strahlte der Kanal aus Düsseldorf ein kunterbunt mit viel Liebe zusammengestelltes Programm aus. Doch nun hat ihn der Sendergott zu sich geholt. Möge Nickelodeon in den ewigen Weiten die allerletzte Ruhe finden …
Aber nun mal im Ernst: Ursprünglich hatte ich geplant, irgendwann in den nächsten Wochen über diesen kulturell wertvollen Sender zu berichten. Es wäre der 6. Teil der Reihe „Sender, die die Welt nicht braucht” geworden. Daß ein Fernsehprogramm einfach so abgewickelt wird, ist selten in der deutschen Medienlandschaft.
Vor einigen Jahren wurde aus Tele 5 das DSF. Im letzten Jahr beendete pulsTv den Sendebetrieb und TV.Berlin trat an seine Stelle. Die ersatzlose Streichung eines Senders ist da schon fast ein Novum. Nickelodeon-Sprecher begründeten das Aus mit zu niedrigen Marktanteilen und Werbeeinnahmen. Der Markt für Kinderprogramme sei in Deutschland kompliziert. Ich frage mich allerdings, ob es nicht auch an der Qualität der Sendungen gelegen haben könnte. Ich habe immer nur irgendwelche häßlichen Figuren über die Mattscheibe hüpfen sehen. Außerdem: der Kinderkanal ist recht erfolgreich (aber werbefrei) und auch Super RTL erreicht akzeptable Quoten. Es kann also funktionieren. Ruhe sanft, Nick!