Monatsarchiv für März 1998

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Schmidt, Kalkofe, Zapping, Switch

Montag, den 23. März 1998
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Wochenlang bin ich (berechtigterweise) über Sender hergezogen, die zu nichts zu gebrauchen sind. Heute möchte ich vier Empfehlungen loswerden denn es gibt auch Sendungen, die wirklich gut sind.
Da ist natürlich zu allererst „Die Harald Schmidt Show”. Inzwischen sind seine Kritiker leiser geworden, die Quoten gestiegen. Und das zu recht. Von seinen Witzen bleibt niemand verschont: keine „Randgruppe”
bleibt ungenannt. Man braucht natürlich auch die Fähigkeit, unter Umständen auch über sich selbst lachen Zu können. Und übrigem: Auch das Ablesen von Stichworten auf Pappschildern, die ausreichen, um einen Vortrag zu halten, ist brillant (Di. bis Fr. 23.15,Uhr, SAT 1)!
Brillant ist auch „Kalkofes Mattscheibe”. Oliver Kalkofe zeigt in seiner Sendung Originalauschnitte von Volksmusikshows, Werbespots und andere TV-Verfehlungen, um diese dann zu kritisieren. Treffend, witzig, genial (So. 19.45 Uhr, Premiere/unverschlüsselt).
Originalausschnitte anderer Sender gibt’s auch im „Zapping” (Mo. bis Fr. ca. 19.55 Uhr, Premiere/uv.). In drei Minuten sieht man Pannen, Versprecher, Kuriositäten, aber auch durchaus ernste Sachen. Auf einen Kommentar wird hier verzichtet.
„Switch” dagegen verarscht alles, was im deutschen Fernsehen so rumläuft: von Ilona Christen bis VIVA -alle werden sie parodiert (Sa. 19.40 Uhr, ProSieben).
Überzeugt euch selbst, es lohnt sich!

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Arabella: Nackte Tatsachen – Ich kenne keine Scham

Donnerstag, den 19. März 1998
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DO 19.03.1998, 14.00 Uhr, ProSieben

Heute ging es in der ProSieben-Nachmittagstalkshow „Arabella” wieder heiß her. Das Thema lautete „Nackte Tatsachen – Ich kenne keine Scham”. Zu Gast waren Porno-Darsteller, oder solche, die es gern sein würden, Akt-Modelle, eine Stripperin und ein Mitglied der Aktion „ Nackt gegen Pelze”, Weiterhin zu sehen war ein Ehepaar, das einfach mal Lust auf einen flotten Dreier hafte. Dumm nur, daß SIE danach die Nummer drei vorzog. Also, der (Ex-)Mann fand’s okay… Na, warum denn auch nicht? So ist das Leben! Die Stripperin durfte dann vorführen, was sie so kann. Und, ja… sie konnte. Das Publikum jedenfalls kam ins Schwitzen, die Augen wurden groß. Wenn ich gerade das Publikum erwähne: Bei einem Schwenk durchs Studio sah man fast nur Kinder. Jetzt kann man sagen, sie können’s schließlich auch zu Hause vor der Glotze sehen, also warum sollen sie es nicht im Studio sehen? Aber ich finde, alles hat seine Grenzen! Bei der Nachbearbeitung scheint sich ProSieben Ähnliches gedacht zu haben. Als eine Frau gerade „abspr -…” sagte, ertönte ein Piepton, „… ritzen” durfte nicht über ihre Lippen kommen. Für die Kinder im Saal war’s bestimmt ein toller Ausflug! Und die Einschaltquote war auch höher als sonst, wie eigentlich immer bei Sex-Themen!
Und ich hab’ das Ganze nur zufällig gesehen!

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Sender, die die Welt nicht braucht (5): tm3, VH-1, hessen fernsehen

Montag, den 16. März 1998
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Zum Schluß dieser kleinen, aber wichtigen Reihe sollen drei Sender nicht ungenannt bleiben.
tm3 beispielsweise – wer bitte braucht dieses Programm? Gestartet wurde tm3 als „Fernsehen für Frauen” mit Talkshows mit/für Frauen, Spielfilme für und sogar mit Frauen und auch wichtige Magazine, Fitneßshows und Kosmetikratgeber für Frauen. Doch Deutschlands Frauen waren bockkig und weigerten sich, tm3 zu gucken. Inzwischen sendet man auch für Männer, Da das Programm aber aus Uralt-Wiederholungen von Seifenopern, Shows („Der Preis ist heiß”) und Filmen besteht, kann man aber auch das glatt vergessen. Und da am Montag auch noch die letzte Folge vom „General Hospital” läuft, kann man dann tm3 ganz wegschmeißen. (Danke übrigens: Da guckt man nun zum x-ten Mal die Hospital-Soap, in der Hoffnung, irgendwann kämen neue Folgen, aber nach SAT1 im Jahre 1991 enttäuscht uns jetzt auch tm3 – sch … Sender!!!)
Unsinn ist auch VH-1. Die standen kurz vor der Pleite. Jetzt wird gespart, und so ist VH-1 ein reiner Abspulkanal. Ich glaube, die haben nicht mal mehr Moderatoren!
Neuerdings sind auch die Dritten beliebt. Wenn ich mir aber die Einschaltquoten vom hessen fernsehen angucke, frage ich mich, warum die eigentlich noch auf Sendung sind…

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Sender, die die Welt nicht braucht (4): H.O.T., QVC

Montag, den 9. März 1998
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Ihr habt keine Lust, das Haus zu verlassen? Oder Angst vor echtem Sonnenlicht? Keinen Bock, mit anderen lebendigen Menschen zusammenzukommen? Ekel davor, einen Supermarkt zu betreten oder gar richtige Fachgeschäfte? Dann, hab’ ich was für euch: Die über Satellit empfangbären Einkaufskanäle H.O.T. und QVC.

Hier gibt’s alles, was das Herz begehrt. In ein- bis zweistündigen Sendungen werden Produkte vorgestellt, die wir schon immer haben wollten und dann (endlich!!) telefonisch bestellen können. Da werden beispielsweise überteuerte Sammlerpuppen verscherbelt (keine Chance für Barbie-Fans). Oder wir begeben uns in die QVC-Küche, weiterhin werden Produkte „Rund ums Haus” angeboten. Ich sehe mir gerade die
Lobpreisung eines Ungezieferschutzes an. Das ist ein Gerät, welches einen Piepton von sich gibt, den aber nur die Insekten hören! Na sowas! Also los, wie lautet die Telefon-Nummer??

Bei H.O.T. philosophieren gerade zwei Schnitten über DIE „Strickkette Gold 375″. Die “Katja Lührs Schmuckgala” scheint eines der Highlights bei Home Order Television zu sein. Ich weiß nicht, vielleicht habe ich eine falsche Vorstellung davon, was eine Gala ist, aber hier passiert wirklich nichts, außer zwei Frauen, die sich unterhalten.
Hören wir mal rein: „Ja, das ist wirklich ein Strickmuster… Ja, die Bestellnummer für diese schöne Strickkette ist… Ja, es beweist ja auch immer den Geschmack der Trägerinnen, wenn man sogenannte Sets kauft… Ja, das ist wirklich sehr schon…” – Schluß! Aus! Weg!

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Sender, die die Welt nicht braucht (3): Phoenix

Montag, den 2. März 1998
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Damit die Bürger dieses, unseres Vaterlandes die wichtigsten Bundestagsdebatten in voller Länge erleben dürfen, haben ARD und ZDF den Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix ins Leben gerufen.
Unter dem Namen „Phoenix vor Ort” kann man nun ein „Ereignis” nach dem anderen sehen. Lauter Knüller. Nicht jeden Tag gibt’s die ultimative Labershow aus Bonn. So darf dann auch beispielsweise mal Helmut Schmidt einen Vortrag über die Globalisierung halten. Stundenlang. Anders gesagt: Eine verschärfte, noch langweiligere Form des Unterrichts in Politischer Bildung (das zu übertreffen, ist eine Leistung!). Abends laufen die Dokumentationen, eine Gesprächssendung und Nachrichten mit Gebärdensprache.
Reine Verschwendung! Wie bei BR alpha weise ich auf die Dritten Programme hin. Bestimmte Ereignisse könnten schließlich auch dort laufen, auch die Gehörlosen-Nachrichten. Leider würde das die Quote nach unten ziehen, und das wollen wir doch nicht, oder?!
Und: Die Phoenix-Leute sollten noch mal drüber nachdenken, was ein „Ereignis” ist.