Tagesarchiv für 1. September 1997

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Der Tod der Lady Di

Montag, den 1. September 1997
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Das Faß ist übergelaufen: Da rasen einige wildgewordene geldgierige Paparazzi auf Motorrädern einem dunklen Mercedes hinterher. Mitten hinein in einen Pariser Autobahntunnel. Was das soll? In dem Auto, das mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Nacht jagt, sitzt Diana, frisch geschiedene Princess of Wales, mit ihrem Freund, dem ägyptischen Millionärssohn Dodi al-Fayed. Und die beiden sind Personen des „öffentlichen Interesses”. Die breite Masse hat doch ein Recht darauf, den neuesten Urlaubsklatsch des Skandalpärchens Di und Dodi zu erfahren, oder?!
Während dieser „Hetzjagd” verliert der Fahrer des Wagens die Kontrolle über selbiges und fährt gegen einen Brückenpfeiler. Diana, Dodi, der Chauffeur und ein Bodyguard sterben.
Die Welt ist geschockt. Tod durch Paparazzi? Sind sie schuld? Oder sind wir vielleicht irgendwo alle mitschuldig? Eine Frage, die sich im ersten Taumel des Schocks wohl kaum einer stellt. Doch jeden von uns (und fast niemand kann sich ausschließen!) trifft eine gewisse Mitschuld. Wir alle lesen begeistert die neuesten Klatschgeschichten von allen möglichen Prominenten. Mit der Gier nach Sensationen, der Lust, sich am Leid anderer zu weiden, schrumpft die individuelle Freiheit jeder berühmten Person. Die Auflagen einschlägig bekannter Gazetten werden heillos in die Höhe getrieben – doch kaum jemand ist jetzt bereit, sich dies einzugestehen.
Die Di-Dodi-Story war ohnehin gerade ein Hauptthema der Medien in aller Welt. Ist es wirklich von „öffentlichem Interesse”, daß die Prinzessin gerade Urlaub macht – mit wem und wo auch immer?
Und noch eine Frage: Wird die Presse daraus etwas lernen? Wird in Zukunft auch mal darüber nachgedacht, die Rechte des Promis auf ein unberührtes Privatleben zu schützen? Ich glaube nein! Denn Geld regiert die Welt – und nichts anderes.

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