Anbindung an Berliner Norden kommt später

Lücke zwischen den Bahnhöfen Mühlenbeck-Mönchmühle und Blankenburg könnte 2037 geschlossen werden – Unklarheit über das geplante Karower Kreuz

MAZ Oberhavel, 8.7.2026

Berlin.
Das Projekt der S75-Verlängerung ist zwar Teil des großen Bahnprojektes i2030 in Berlin-Brandenburg. Aber gleichzeitig gehört es zu den Projekten, bei denen nicht mehr daran zu denken ist, dass es bis 2030 geschafft ist. Denn wie die Bahn inzwischen einräumt, verzögert sich auch dieses Vorhaben weiter.

Konkret geht es um die S-Bahn-Linie S75. Momentan verkehrt sie in Berlin zwischen Warschauer Straße und Wartenberg – über Ostkreuz, Hohenschönhausen und Lichtenberg. Von Wartenberg aus soll sie aber künftig weiterfahren und den Nordosten Berlins erschließen.
Geplant ist, dass die S75 weiterfährt über die neuen Stationen Malchow Nord und Sellheimbrücke und weiter zum Karower Kreuz. Dort soll ein Umsteigebahnhof entstehen, um beispielsweise zur S2 nach Bernau oder ins Berliner Zentrum wechseln zu können. Weiter soll es gehen über die Bucher Straße und Schönerlinder Straße nach Mühlenbeck-Mönchmühle, Schönfließ, Bergfelde und Hohen Neuendorf bis Birkenwerder.
Für die Bahnhöfe in Oberhavel würde das bedeuten, dass sie einen S-Bahn-Anschluss in den Nordosten von Berlin bekommen – aber auch, dass am Karower Kreuz ein Umstieg nötig wird, wenn man ins Berliner Zentrum möchte.
Zwischen dem Karower Kreuz und Birkenwerder würde die S75 die heutige S8 ersetzen. Das hatte Joachim Radünz, der Sprecher des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), der MAZ schon vor einiger Zeit bestätigt.

Der Bahnhof Mühlenbeck-Mönchmühle ist erst im September 1984 eröffnet worden. Danach fährt die S-Bahn eine längere Zeit über freies Feld, bis sie in Berlin-Blankenburg einrollt. Aber tatsächlich sind schon zu DDR-Zeiten an der Bucher Straße und an der Schönerlinder Straße Bahnsteige vorbereitet worden. Die Bauten sind noch heute zu sehen, wenn man mit der S-Bahn oder dem Regionalexpress daran vorbeifährt. Schon zu DDR-Zeiten gingen die damaligen Planer davon aus, dass diese Bahnhöfe mal gebraucht werden.

Offenbar wird ein entsprechender Bedarf nun wirklich auch gesehen. Die beiden schon in den 80ern vorbereiteten Bahnhöfe sollen geplante große Wohngebiete sowie Gewerbeflächen in Pankow-Französisch-Buchholz an das Schienennetz anbinden.
Speziell gehe es um das recht groß geplante Gewerbegebiet Buchholz-Nord. Außerdem um mehrere neue Wohnquartiere, wie die „Elisabeth-Aue“ oder die „Alte Schäferei“, wo Tausende Wohnungen entstehen sollen.
Ginge es nach dem Berliner Senat, soll die Lücke zwischen Mühlenbeck-Mönchmühle und Berlin-Blankenburg – beziehungsweise später zum Karower Kreuz – 2033 geschlossen werden. Entsprechend hatte das Berliner Bauinfo-Portal „Entwicklungsstadt“ berichtet.

Doch aus dem Jahr 2033 wird nichts. Das bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Nachfrage der MAZ. „Gemäß dem kommunizierten und mit dem Senat abgestimmten Terminplan ist für die Baustufe I derzeit eine Inbetriebnahme zur Jahresmitte 2037 vorgesehen“, erklärte er.
Die Planung dafür sei Ende 2025 angelaufen. Die Baustufe 1 umfasst laut Bahninformationen den Neubau der Zugbildungsanlage Buchholz sowie eine Anbindung an den Abstell- und Werkstattstandort Schönerlinder Straße, außerdem den Bau eines Bahnsteigs an der Bucher Straße. Zudem die Anbindung an die Nord-Süd-Achse in Richtung Berlin-Blankenburg.
Auf der anderen Seite des Karower Kreuzes könnte es etwas schneller gehen. „Die Planung und der Bau der Verkehrsstationen Sellheimbrücke und Malchow Nord sind fester Bestandteil des Projekts Nahverkehrstangente Nord“, erklärte der Bahnsprecher.
„Beide Verkehrsstationen sind der Baustufe II zugeordnet und sollen nach aktuellem Planungsstand bis Ende des Jahres 2035 realisiert werden. Auch hier befinden wir uns derzeit in der Vorplanung“, erklärte er weiter.

Der Bau des Karower Kreuzes hingegen scheint noch offen zu sein. „Wir befinden uns derzeit in einer frühen Phase der Vorplanung“, erklärt der Sprecher der Deutschen Bahn. „Daher können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch keine belastbaren Aussagen zur Realisierung des Kreuzungsbahnhofs am Karower Kreuz treffen.“
Falls also 2035 und 2037 die vier Bahnhöfe fertiggestellt sind und das Karower Kreuz eventuell noch nicht, wäre auch unklar, wie sich die Linienführungen der S75 und der S8 verändern würden.


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Kommentare

5 Kommentare zu „Anbindung an Berliner Norden kommt später“

  1. Daggi

    Das Karower Kreuz ist bei den Anwohnern recht unbeliebt, wahrscheinlich will man deshalb da nicht so richtig ran. Vermutlich würde es ohne Kreuz darauf hinauslaufen, auch nach Einrichtung der S75 eine Linie ähnlich der heutigen S8, nur in verkürzter Form, fahren zu lassen, zwischen den neuen Gebieten und Gesundbrunnen vielleicht. Denkbar wäre natürlich auch ein Verkehr mit Regionalzügen, aber ich glaube, das spielt leider gar keine Rolle mehr in den Überlegungen.
    Die erweiterte S75 stellt zwar eine neue schnelle Verbindung nach Hohenschönhausen her, was zu DDR-Zeiten nach der geplanten Errichtung ähnlicher Plattenbaugebiete dort auf den Wiesen (und vermutlich auch entlang der weiteren Strecke Richtung Süden) vielleicht ein bisschen mehr Sinn gemacht hätte, aber eigentlich auch wieder nicht, da die größten Pendlerströme doch immer schon in das Zentrum und nach Pankow zu erwarten waren. Andererseits ist es schon sinnvoll, die ganzen Vorleistungen (Richtung Hohenschönhausen hat man ja schon ganze Brücken fertig) auch endlich zu nutzen, gerade wenn diese Wohngebiete auf den Rieselfeldern tatsächlich endlich gebaut werden. So richtig gut durchdacht ist das ganze aber irgendwie nicht und trotzdem wird uns diese Fortführung dann 50+ Jahre (!!) alter Planung als großer Wurf und Zukunftsvision verkauft, naja.

  2. Ja, das wird noch spannend. An sich ist das Karower Kreuz bahntechnisch schon sinnvoll.
    Ohne ist es schwierig. Denn ohne Anbindung nach Pankow machen die beiden Bahnhöfe östlich des Kreuzes wenig Sinn, wenn sie von dort aus nicht weiter nach Pankow kommen. Für die beiden neuen Bahnhöfe westlich des Kreuzes wäre es im Grunde nicht so schlimm, da würde einfach die S8 weiterfahren. Die S8 aber weiter in Richtung Wartenberg fahren zu lassen, ohne Umstiegsmöglichkeit, wäre für Mühlenbeck und Co. auch nicht sinnvoll.

  3. Daggi

    Mühlenbeck und die anderen Dörfer spielen was das Fahrgastaufkommen angeht in einer ganz anderen Liga als das potenzielle neue Wohngebiet. Die S-Bahn dort existiert ja hauptsächlich aus historisch-politischen Gründen, nicht weil sie gebraucht würde. Die S8 wird daher auch bestimmt nicht weiterhin parallel nach BKw fahren, egal ob es das Kreuz gibt oder nicht.
    Die DDR wollte diese teure existierende Linie über leere Felder verständlicherweise durch Neubau von Wohnungen an den beiden Geisterbahnhöfen besser auslasten und perspektivisch wahrscheinlich auch auf der anderen Seite des Kreuzes neue Siedlungen bauen, womit sich natürlich auch neue Relationen und Nachfrage Richtung Hohenschönhausen ergeben hätte, nur geht es heute ja nur noch um die Entwicklung des Gebietes auf den Rieselfeldern und das profitiert von der Verbindung nach Hohenschönhausen kaum, was halt das Dilemma ist was der Kreuzbahnhof lösen soll.
    Der erste der Geisterbahnhöfe nach Mühlenbeck ist übrigens bereits viergleisig angelegt (es gibt zwei Plattformen) was wahrscheinlich der damalige Plan war, um die beiden Linien zu verknüpfen und ohne Kreuz wird es so ähnlich wahrscheinlich auch kommen. Wirklich leiden würde damit auch nur die direkte Verbindung nach Bernau für die Umsteiger, sonst sind alle Relationen ja auch so mit einmal umsteigen zu realisieren.

  4. RT

    Nein, es ist ja auch nicht geplant, S8 und S75 parallel fahren zu lassen. Künftig soll die S75 bis Birkenwerder fahren, die S8 dann vermutlich Blankenburg oder dann eben Karower Kreuz.

  5. Daggi

    Blankenburg ohne das Kreuz wohl kaum, dann gäbe es ja gar keine Möglichkeit mehr umzusteigen in Richtung Pankow von der S75. 😅
    Übrigens steht hinter der ganzen Karower Kreuz Geschichte mE auch noch mehr als nur diese neue S-Bahnlinie und die Anwohner, denn die Fernbahnverbindung Richtung Gesundbrunnen ist im jetzigen eingleisigen Zustand dort in der neugebauten Überfahrt ein absolutes Nadelöhr, was man jedes Mal merkt, wenn der Zug wie so oft dort den Gegenverkehr abwarten muss. Meine Theorie ist, dass man sich dort das eigentlich nötige zweite Gleis gespart hat, weil man davon ausging, dass die alte Nordstrecke über Frohnau doch irgendwann reaktiviert würde, was im Gegensatz zu der S75 auch wirklich sehr sinnvoll und notwendig wäre, um ausreichend Kapazität nach Berlin und schnellere Verbindungen wieder herzustellen. Darüber muss wohl auch erstmal final entschieden werden, bevor man in Karow irgendwas umbaut.

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